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Neue Studie von Avenir Suisse Was ein 5G-Stopp für die Schweiz bedeuten würde

Die Denkfabrik macht ein gewagtes Gedankenspiel, um die Folgen der wachsenden Vorbehalte gegenüber dem neuen Mobilfunkstandard besser abzuschätzen.

Nicht nur private Anwender werden 5G nutzen, sondern auch die Industrie. Der neue Mobilfunkstandard wird helfen, grosse Datenaufkommen in der Produktion schnell zu verarbeiten.
Nicht nur private Anwender werden 5G nutzen, sondern auch die Industrie. Der neue Mobilfunkstandard wird helfen, grosse Datenaufkommen in der Produktion schnell zu verarbeiten.
Foto: Jens Schlüter (Keystone)

Während der Coronavirus-Krise müssen viele Angestellte und Menschen mit erhöhtem Risiko zu Hause bleiben. Videokonferenzdienste und Streaming-Angebote sind stark gefragt. Damit diese Dienstleistungen einwandfrei funktionieren, braucht es leistungsfähige Telecomnetze, die ständig ausgebaut werden müssen.

Doch diese Modernisierung befindet sich in der Schweiz seit zwei Jahren unter Beschuss. So wollen verschiedene Bürgerbewegungen die Einführung des schnellen Mobilfunkstandards 5G verhindern. Fünf Komitees arbeiten derzeit an entsprechenden Volksinitiativen. Einzelne Kantone wie Genf, Waadt und Jura haben einen verfassungswidrigen Baustopp für 5G verfügt.

Vor diesem Hintergrund hat Avenir Suisse untersucht, was ein 5G-Moratorium für das ganze Land bedeuten würde. Am Dienstag veröffentlicht die wirtschaftsnahe Denkfabrik ihre Ergebnisse. Tamedia hat vorgängig bereits einen Einblick erhalten.

Was, wenn 3G verboten worden wäre?

Um die Folgen eines landesweiten 5G-Stopps besser abschätzen zu können, machen beide Studienautoren ein gewagtes Gedankenspiel: Was wäre passiert, wenn das Schweizer Stimmvolk vor 18 Jahren an der Urne die Lancierung der dritten Mobilfunkgeneration 3G verhindert hätte?

Avenir Suisse geht davon aus, dass die Stimmung spätestens nach dem 9. Januar 2007 gekippt wäre. Damals präsentierte Apple das iPhone und läutete das Zeitalter des Smartphones ein. Ohne die ständige Anbindung ans Internet dank 3G wäre dieser Siegeszug nicht möglich gewesen.

In dem Szenario werden die Verwerfungen schnell sichtbar: Die Schweizer müssen den SBB-Fahrplan immer noch auf Webseiten statt auf mobilen Apps abrufen; der Tourismus ist mit Reklamationen aus dem Ausland über die Rückständigkeit der Schweiz konfrontiert; Jungunternehmer gründen ihre Firmen lieber im Ausland und – die hiesigen Telecomanbieter verdienen gutes Geld mit teuren Telefonminuten und kostenpflichtigen SMS.

«Mit einer geschwächten Spitzenforschung und dem Fehlen innovativer Start-ups wird es schwieriger werden, anstehende Herausforderungen im ökologischen und medizinischen Bereich zu meistern.»

Avenir Suisse

Avenir Suisse kommt deshalb zum Schluss, dass ein Verbot von 5G einen tiefen Einschnitt für Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft bedeuten würde. «Eine Schweiz mit einer Telecominfrastruktur, die per Verfassungsbestimmung auf einem veralteten Technologiestandard verharren müsste, würde den Anschluss verpassen», schreiben die Verfasser.

Wie das Gedankenspiel um ein 3G-Moratorium zeige, fällen Firmen ihre Standortentscheide auch aufgrund der verfügbaren technologischen Infrastruktur.

Aufruf an Politik und Behörden

«Wissenschaftliche Institutionen wie Universitäten oder Fachhochschulen dürften mit einem solchen Technologieverbot im internationalen Rennen um die Spitzenforschung ins Hintertreffen geraten», heisst es in der Analyse weiter.

Mit einer geschwächten Spitzenforschung und dem Fehlen innovativer Start-ups werde es schwieriger werden, anstehende Herausforderungen im ökologischen und medizinischen Bereich zu meistern, so das Fazit.

Die Denkfabrik ruft deshalb Politik, Bundesbehörden, Wirtschaft und Wissenschaft dazu auf, Flagge zu zeigen und sich zu 5G zu bekennen.

«Erst wenn die Grundlagen zu 5G erarbeitet sind, kann man Gesundheit und Umwelt gegenüber der Wirtschaft abwägen.»

Rebekka Meier, Verein «Schutz vor Strahlung»

Mit den Erkenntnissen von Avenir Suisse konfrontiert, hält der 5G-kritische Verein «Schutz vor Strahlung» fest: Ein Moratorium diene dazu, dass die «völlig überstürzt eingeführte Technologie» zuerst geprüft werden könne. «Erst wenn die Grundlagen erarbeitet sind, kann man Gesundheit und Umwelt gegenüber der Wirtschaft abwägen», sagt Vereinssprecherin Rebekka Meier.

36 Kommentare
    Miroslav Lakic

    «Erst wenn die Grundlagen zu 5G erarbeitet sind, kann man Gesundheit und Umwelt gegenüber der Wirtschaft abwägen.»...Das beste Beweismaterial, ist die EUROPAEM EMF‐Leitlinie 2017 zur Prävention, Diagnostik und Therapie EMF‐bedingter Beschwerden und Krankheiten. Hier haben 14 kritische Wissenschaftler auf 61 Seiten 308 EMF-kritische Studien begutachtet. Besonders hervorzuheben dabei sind die ab Seite 31 empfohlenen Richtwerte im HF-Bereich. Da Schweizer Richter bekanntlich schlecht rechnen können, wenn es um Mobilfunk geht, sollten dabei im HF-Bereich die Richtwerte in V/m (Volt pro Meter) präsentiert werden.Die Einhaltung der Grenzwerte ist nicht sichergestellt. Die in den Projekten "vorgesehenen" Antennentypen können laut Datenblättern der Antennenhersteller für die Funkdienste GSM, UMTS und LTE mindestens 5 mal und bis zu 15 mal mehr leisten als in den Standortdatenblättern angegeben wird. Bei 5G kann dieser Faktor bis 250 betragen. gerechnet werden muss mit max. Power per Input multipliziert mit dem Antennengewinn (Gain). Das bedeutet, dass die Anlagen von den Steuerzentralen der Mobilfunkbetreiber aus, nach Belieben hochgefahren werden können. Ebenfalls können die vertikalen Senderichtungen ferngesteuert verändert werden. Beides kann in benachbarten Häusern und Höfen zu massiven Grenzwertüberschreitungen führen.