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Erhöhte Temperatur bei KindernWas Eltern über Fieber wissen müssen

Wie soll ich mich verhalten, wenn der Kopf meines Kindes glüht? Wir beantworten die acht häufigsten Fragen zum Thema.

Ab drei Fiebertagen sollte man einen Arzt konsultieren, ebenso, wenn das Kind auffallend blass ist, nicht mehr trinken mag oder Schüttelfrost hat.
Ab drei Fiebertagen sollte man einen Arzt konsultieren, ebenso, wenn das Kind auffallend blass ist, nicht mehr trinken mag oder Schüttelfrost hat.
Foto: Getty

Das Kind fühlt sich heiss an – was soll man dann tun? Zuerst Fieber messen, und zwar richtig. Je nach Studie liegen Mütter mit der Handmessung zwar in bis zu 80 Prozent richtig, aber darauf kann man sich eben erstens nicht verlassen, und zweitens ist es bei einer Erkrankung sinnvoll, den Temperaturverlauf zu kennen. Denn Fieber ist nicht einfach da, es steigt und fällt.

Wo soll man Fieber messen?

Am einfachsten, aber auch am unzuverlässigsten ist das Fiebermessen unter der Achsel. Deshalb ist diese Methode nicht zu empfehlen. Besser ist die Messung im Po (rektal) mit einem flexiblen digitalen Thermometer. Die Temperatur im After kommt der Körperkerntemperatur am nächsten, und die möchte man ja wissen.

Man streicht etwas Vaseline auf die Thermometerspitze, legt das Baby zum Beispiel bäuchlings über die Oberschenkel einer Person, bei der es sich wohlfühlt und schiebt die Thermometerspitze vorsichtig in den After. Bei grösseren Kindern geht das rektale Messen in Seitenlage am besten.

Im Mund ist die Temperatur rund ein halbes Grad tiefer als im Po. Das liegt am Atemstrom beim Atmen durch den Mund. Ausserdem können heisse oder kalte Getränke und Speisen die Messung dort verfälschen, deshalb sollte man mit 15 Minuten Abstand messen. Diese «orale» Messung unter der Zunge funktioniert gut bei Kindern, die schon kooperieren können und sicher nicht das Thermometer zerbeissen. Sie ist aber weniger exakt als die Messung im Po.

Die Messung im Ohr eignet sich frühestens ab einem Alter von etwa sechs Monaten. Vorher ist der Gehörgang noch zu eng. Wird er von Ohrenschmalz verlegt, ist die Messung nicht verlässlich. (Das Ohrenschmalz bitte nicht herausgrübeln, dabei kann das Trommelfell verletzt werden!)

Wie entsteht Fieber?

Zu Fieber kommt es, weil der «Sollwert» für die Körpertemperatur (normal etwa 37 Grad Celsius) in der Hirnanhangdrüse verstellt wird. Der Grund dafür sind Entzündungsbotenstoffe, die im Blut zirkulieren. Sie werden zum Beispiel bei Infektionen freigesetzt.

Beim Hitzschlag – eine reelle Gefahr an heissen Sommertagen – dagegen ist der Sollwert für die Körpertemperatur normal, aber im Innern kann die angestaute Hitze nicht abgeleitet werden.

Welche Ursachen hat Fieber?

Bei etwa der Hälfte der Kinder mit Fieber ist ein nicht näher bestimmter Virusinfekt der Grund. In den anderen Fällen findet man eine fassbare Infektion als Ursache für das Fieber: Häufig sind es Harnwegsinfekte (häufig bei sehr kleinen Kindern), Atemwegsinfekte, Mittelohrentzündungen oder Darmgrippe. Schwerere Infektionen wie Lungen- oder Hirnhautentzündung sind deutlich weniger häufig. Die neuen Coronaviren verursachten bei Kindern unter neun Jahren bisher fast nie Fieber.

Steigen kann die Körpertemperatur zudem leicht, wenn Babys zahnen. Auch nach Impfungen kann es vorübergehend zu Fieber kommen sowie bei fehlender Flüssigkeit – gerade an heissen Tagen. Sehr selten handelt es sich um ein Zeichen einer ernsten Erkrankung wie zum Beispiel Leukämie.

Ab welchem Wert spricht man von Fieber?

Bei Säuglingen unter zwei Monaten wird ab einer Temperatur von 38 Grad Celsius von Fieber gesprochen. Ab dem Alter von drei Monaten gilt 38,5 Grad als Grenze.

Hohes Fieber bedeutet nicht automatisch, dass das Kind ernsthaft krank ist, denn die Höhe des Fiebers sagt nicht unbedingt etwas über den Schweregrad der Krankheit aus. Kinder unter zwei Monaten können zum Beispiel sehr krank sein und nur leichtes Fieber oder sogar normale Temperatur haben, denn ihnen fehlt oft noch die Fähigkeit, richtiges Fieber zu entwickeln. Umgekehrt können Kleinkinder auch einmal 40 Grad Fieber haben, und es ist nur das harmlose Dreitagefieber.

Was bewirkt Fieber?

Fieber kurbelt die Immunreaktion an und erschwert es vielen Bakterien und Viren, sich zu vermehren. Genau wie die normale Körpertemperatur schwankt meist auch die Fieberkurve im Tagesverlauf, sie ist deshalb meist morgens etwas tiefer und am späten Nachmittag oder abends höher.

Normal ist es auch, wenn das Herz dabei etwas schneller schlägt als sonst. Denn Fieber fordert das Herz-Kreislauf-System, es steigert zudem den Kalorien- und den Sauerstoffverbrauch. Für ein sonst gesundes Kind ist das aber zu bewältigen. Fieber ist für die allermeisten Kinder deshalb nicht automatisch schädlich, solange es sich in Grenzen hält, der Allgemeinzustand des Kindes gut ist und es genügend trinkt. Fieber ist ein Symptom, das die Erkrankung nicht verschlimmert – ausser bei sehr hohen Temperaturen.

Wann kann man abwarten?

Solange das Fieber nicht übermässig hoch ist (also unter 38 Grad bei ganz jungen Säuglingen, unter 39 Grad bei Dreikäsehochs und unter 39,5 Grad bei grösseren Kindern), sind das Verhalten und der Allgemeinzustand des Kindes entscheidend für die Beurteilung. Das Kind sollte eine normale Hautfarbe haben (auch Lippen und Zunge), die Mundschleimhaut sollte feucht sein, und beim Atmen sollten sich der Brustkorb und der Bauch nach aussen bewegen, also wie sonst auch.

Ist das gegeben und das Kind verhält sich auf Ansprache wie sonst auch, kann zum Lachen gebracht werden und kann schreien, darf man maximal drei Tage abwarten. Hält das Fieber länger an als drei Tage, sollte der kleine Patient zum Arzt gebracht werden.

Die Atemfrequenz sollte bei Kindern von sechs bis zwölf Monaten unter 50 Atemzüge pro Minute betragen, bei Kleinkindern ab einem Jahr unter 40 und bei grösseren Kindern unter 30. Beim Pulsschlag sind die oberen Grenzwerte 160 Schläge pro Minute bei unter Einjährigen, 150 bei ein- und zweijährigen Kindern, 140 Pulsschläge pro Minute bei Drei- bis Fünfjährigen und 125 bei grossen Kindern.

Wann sollte man mit dem Kind zur Ärztin?

Erhöhte Vorsicht gilt für unter Zweijährige. Bei jungen Säuglingen sollte man immer einen Arzt konsultieren, denn bei ihnen kann selbst eine schwere Infektion nur geringe Anzeichen verursachen.

Zur Ärztin sollte ein Kind auch, wenn das Fieber mindestens drei Tage dauert, das Kind auffallend blass ist, nicht mehr trinken mag oder kann und wenn es deutlich weniger Wasser löst. Auch Schüttelfrost sollte abgeklärt werden.

Was sind Alarmzeichen?

Ein Kind muss sofort zum Arzt, wenn eines dieser Zeichen auftritt: blasse oder bläuliche Hautfarbe, apathisches Verhalten oder starke Schläfrigkeit, sodass es kaum zu wecken ist. Mehr als 60 Atemzüge pro Minute oder offensichtliche Mühe beim Atmen, wenn zum Beispiel unterhalb des Brustkorbs bei jedem Atemholen die Haut nach innen gezogen wird.

*Martina Frei ist Ärztin und Medizinjournalistin, Brigitte Niederer Blatter Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin in Olten

5 Kommentare
    BL

    Einen Hinweis auf das Thema "Fieberkrampf" fände ich in diesem Kontext noch sehr sinnvoll.