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Corona-Medienkonferenz in Bern«Trotz der zweiten Welle gab es bisher keinen Konjunktureinbruch»

Laut dem Seco schlägt sich die Schweiz in der Pandemie-Krise im internationalen Vergleich gut. Ein Arzt rät, wie man sich vor Weihnachten verhalten soll. Wir berichteten live.

Jeder mit Symptomen soll einen Test machen: Am Freitag stellte das BAG die neue Corona-Kampagne vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der Neuinfektionen geht in der Schweiz langsam zurück. Die Anzahl der Corona-Todesfälle bleibt weiterhin hoch.

  • Laut Experten liegt der aktuelle R-Wert unter 1.

  • Der Kanton Basel-Stadt schliesst für drei Wochen erneut Restaurants, Bars und Fitnessstudios.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

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BAG lanciert neue Kampagne

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gab am Freitag bekannt, dass es am Sonntag eine neue Kampagne startet, die zum Testen aufruft. Es gibt zwar genügend Tests, aber es lassen sich in jüngster Zeit zu wenig Personen testen. Alle Personen mit Symptomen müssten sich testen lassen, so das BAG.

Auch zum Verhalten über die Festtage arbeiten die Kantonsärzte und das BAG an Empfehlungen, die sie der Bevölkerung noch kommunizieren wollen. Der baselstädtische Kantonsarzt Thomas Steffen empfahl am vor den Bundeshausmedien zu einem vorsorglichen Rückzug im Vorfeld des Fests im Sinne einer Vorquarantäne.

Weihnachtsgeschenke würde man besser auch jetzt kaufen, um Kontakte zu senken. Dann könne man am Tag selber auch die Grosseltern einladen. «Zu zehnt um einen Topf» beim traditionellen Fondue Chinoise empfehle er aber nicht. Ein Set pro Familie und genug Abstand sei besser.

Noch keine Herdenimmunität

Die Stabilisierung der Lage und die sinkenden Fallzahlen seien auf die Massnahmen zurückzuführen, sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG vor den Bundeshausmedien. Diese würden wirken: Weniger Personen treffen, Masken tragen, Abstand halten, Hygieneregeln einhalten. Die Herdenimmunität spiele bei diesem Rückgang der Fallzahlen noch keine Rolle.

Die Lage bleibe trotz der sinkenden Fallzahlen angespannt. Die Zahlen bei den Hospitalisationen und den Verlegungen auf die Intensivstationen seien noch hoch, aber mit den sinkenden Fallzahlen hoffe man, mit Verzögerung auch dort eine Verbesserung zu sehen.

Pressekonferenz ist beendet

Die Medienkonferenz ist nun zu Ende. In Kürze folgt eine Zusammenfassung. Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Düstere Aussichten zu Weihnachten

Angesichts der Infoflut zum Thema Corona rät der baselstädtische Kantonsarzt Thomas Steffen, «den Höhlenmenschen in uns zu überlisten», der zu stark auf solche Dauerreize reagiere. Und er präsentierte vor den Bundeshausmedien eher düstere Weihnachtsaussichten.

Noch keine Generation habe je eine Pandemie mit einer solchen Informationsflut durchlebt, sagte das Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte der Schweiz. Wir seien aber noch immer Steinzeitmenschen, welche die Gefahren unmittelbar wahrnähmen. Heute führe dies bei vielen Menschen dazu, dass sie «von Sorgenflash zu Sorgenflash» hangelten.

Zu den Tests sagte Steffen, die Anbieter seien in der Pflicht, verstärkt Angebote zu machen. Es gebe genug Tests, aber deren Nutzung gehe in letzter Zeit zurück. Man müsse «breiter in die Testung reinkommen». Gerade Junge würden dafür nicht gerne in eine Spitalumgebung gehen. In Basel gebe es mittlerweile 40 Testmöglichkeiten, auch in Apotheken, Drogerien der anderen privaten Anbietern.

Vorsorglicher Rückzug

Wenn man zu schnell auf einen Rückgang der Kurve reagiere, sei man schnell wieder bei zu wenig Massnahmen, antwortete Steffen auf die Frage, was er von einer Petition halte, die verlange, dass man Chorproben unter Auflagen wieder zulasse.

Machen Sie mal gedanklich eine Corona-Pause: Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt und Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärzte und Kantonsärztinnen, am Point de Presse in Bern.
Machen Sie mal gedanklich eine Corona-Pause: Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt und Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärzte und Kantonsärztinnen, am Point de Presse in Bern.
Foto: Anthony Anex (Keystone/20. November 2020)

Damit man die Weihnachtsfeiern einigermassen sicher im kleinen Kreise abhalten könne, rät Steffen zu einem vorsorglichen Rückzug im Vorfeld des Fests im Sinne einer Vorquarantäne. Weihnachtsgeschenke würde man besser auch jetzt kaufen, um Kontakte zu senken. Dann könne man am Tag selber auch die Grosseltern einladen. Allerdings bleibe ein Restrisiko.

Kantonsärzte wie auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wollen diesbezüglich noch Empfehlungen kommunizieren, wie es am Medientermin hiess. «Zu zehnt um einen Topf» beim traditionellen Fondue Chinoise empfehle er aber nicht, sagte Steffen. Ein Set pro Familie und genug Abstand sei besser.

Sterben mehr Personen in Altersheimen oder Spitälern?

In den letzten Wochen habe sich die Lage verändert, erklärt Virgine Masserey. «Momentan sterben ungefähr die Hälfte der Corona-Opfer in Spitälern, die andere Hälfte in Pflegeheimen — ähnlich wie in der ersten Welle», sagt sie.

Thomas Steffen fügt hinzu: «Wir haben heute mehr Erfahrung mit den Corona-Patienten. Wir lassen sie in den Spitälern länger auf der Allgemeinen Abteilung betreuen.»

Wie genau sind diese Schnelltests?

Gemäss Virgine Masserey liefern die Schnelltests genaue Ergebnisse: «Die Validierungen zeigen, dass die Schnelltests, die wir haben, eine gute Performance haben.» Die Performance sei jedoch ein bisschen weniger sensibel als bei PCR-Tests. «Daher funktionieren sie am Besten, wenn man Symptome hat.»

Hat die Maskenpfllicht in Basel nichts gebracht?

«Basel hat früh reagiert, wir hatten dann einige gute Wochen und Monate. Wir waren lange unter den Durchschnittswerten, aber Basel ist keine Insel», sagt Thomas Steffen. Er könne nicht sagen, wie eine einzelne Massnahme im Gesamtkontext wirke.

Lesen Sie zum Thema: Polizei soll bei Maskenverweigerern sofort eingreifen

Können bereits Anfang 2021 Ordnungsbussen für Maskenverweigerer ausgestellt werden? Spaziergänger in Luzern.
Können bereits Anfang 2021 Ordnungsbussen für Maskenverweigerer ausgestellt werden? Spaziergänger in Luzern.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Wer sich nicht an die Ende Oktober erlassenen Corona-Massnahmen hält, wird wohl künftig mit Ordnungsbussen von bis zu 300 Franken bestraft werden. Was bedeutet das konkret?

Wie ist die Situation in Basel-Stadt?

Zeitgleich mit dem Bund informiert der Kanton Basel-Stadt über neue Corona-Massnahmen. Laut Kantonsarzt Thomas Steffen wurde im Kanton ein gegenläufiger Trend festgestellt. «Schweizweit sinken die Fallzahlen, bei uns steigen sie wieder.»

Wenn sich diese Dynamik fortsetzte, werde es schnell kritisch, sagt Steffen. «Deshalb hat die Basler Regierung für drei Wochen neue Massnahmen ergriffen. Ansonsten hätten wir spätestens an Weihnachten eine prekäre Situation.»

Verfolgen Sie hier die Pressekonferenz in Basel-Stadt: «Sämtliche Restaurationsbetriebe werden in Basel-Stadt geschlossen»

Wieso ist die Taskforce heute nicht anwesend?

Der leitende Mediensprecher sagt, dass sich die Taskforce zuletzt öfters geäussert habe. Sie werde aber bestimmt wieder an dieser Stelle zu Wort kommen.

Was für eine Rolle spielt die Herdenimmunität?

Laut Virgine Masserey gibt es keine Anzeichen dafür, das eine Herdenimmunität bei den sinkenden Zahlen eine Rolle spiele.

Wann soll man sich testen lassen?

«Lassen Sie sich sofort testen, sobald Sie Symptome haben», sagt Thomas Steffen.

Kann man an Weihnachten noch Fondue Chinoise essen?

«Bei Fondue Chinoise gibt es noch andere Probleme, auch von der Lebensmittelhygiene her», erläutert Thomas Steffen. Der Basler Kantonsarzt empfiehlt, zwei Fondue-Sets zu benutzen, wenn zwei Haushalte miteinander essen. «Dass zehn Leute aus einem Topf essen, das geht nicht.»

Laut Steffen müssen Personen bei Familienfeiern nicht zwingend Schutzmasken tragen. Aber der Abstand müsse eingehalten werden.

Soll die Schweiz Massentests durchführen?

«Wir schauen uns überall herum. Momentan benutzen wir unsere Tests aber nur für Personen mit Symptomen, oder allenfalls deren Angehörige», erklärt Virgine Masserey. Jede Person soll bei Symptomen auf jeden Fall einen Test durchführen lassen.

Brachten die lockeren Massnahmen der Wirtschaft Auftrieb?

«Ich würde das so nicht klar sagen», antwortet Ronald Indergand. «Aber wir können zumindest beobachten, dass ein weiterer wirtschaftlicher Einbruch bisher ausgeblieben ist.»

Wie kontrolliert der Bund möglichen Betrug bei der Härtefallklausel?

«Die Hoheit der Überprüfung liegt bei den Kantonen», sagt Martin Walker, Vizedirektor, Leiter Ausgabenpolitik, Eidgenössische Finanzverwaltung EFV, kurz und bündig.

Sind Chorproben wieder denkbar?

Für Thomas Steffen sind Chorproben für die kommenden Weihnachtsfeste weiterhin denkbar. «Aber wenn wir zu schnell auf den Rückgang der Fallzahlen reagieren, sind wir bald wieder bei zu laschen Massnahmen», sagt Steffen. «Wir sind noch gar nicht so weit, das überhaupt zu prüfen. Ich bin dafür, dass wir bei Lockerungen geordnet vorgehen.»

Wieso hat die Schweiz mehr Fälle als Deutschland?

Ein Grund für die hohen Fallzahlen ist gemäss Virgine Masserey die hohe Inzidenz, also die Anzahl der Infektionen pro 100'000 Menschen. «Diese ist beispielsweise höher als in Deutschland.»

Postfaktisches Leugnen

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Wie wird er am Ende der Krise dastehen? Der US-Immunologe Dr. Fauci – hier hinter Noch-Präsident Donald Trump.
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Foto: Getty Images

Wissenschaftler wie Dr. Fauci begleiten uns durch die Pandemie – und laufen damit Gefahr, zum Sündenbock zu werden.

Die WHO hat Remdesivir kritisiert. Was bedeut das für die Schweiz?

«Die neuen Erkenntnisse der WHO sind noch umstritten», sagt Virgine Masserey. «Allenfalls werden in Zukunft die Richtlinien dazu angepasst.»

Was sagen die Experten zur Kritik an den Schnelltests?

Die Fragerunde beginnt. Laut Virginie Masserey brauchen die Ärzte noch etwas Übung mit den Schnelltests. «Wir sind gerade dabei, das Übermittlungs-System zu verbessern.» Laut Masserey werden die Kosten für die Schnelltests vom Bund übernommen.

Kantonsarzt Thomas Steffen ergänzt, dass das System noch digitalisierter werden soll. «Das vereinfacht die Übertragung der Daten ans BAG, was vor allem für grosse Praxen wichtig ist», erklärt er. Der Schnelltest werde öfter in grossen Zentren eingesetzt werden.

Seco veröffentlicht wöchentlichen Index

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat erstmals einen neuen Index zur Messung der wöchentlichen Wirtschaftsaktivität publiziert. Bis Anfang November zeigt dieser trotz verschärfter Corona-Massnahmen keinen Rückgang der Wirtschaftsaktivität.

Für das dritte Quartal 2020 deutet der Index aber auf einen Rückstand von 2,8 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal hin.

Das Problem mit den traditionellen Konjunkturindikatoren liege in der Verzögerung, sagte Ronald Indergand, Leiter Ressort Konjunktur beim Seco. «Wir stehen jetzt Mitte November und kennen immer noch nicht die Entwicklung des BIP vom 3. Quartal, geschweige denn des 4. Quartals.» Das wirke sich gerade in Krisen besonders nachteilig aus.

Neuer «Hochfrequenzindikator»

Dem Problem begegne das Seco mit dem neuen «Hochfrequenzindikator». Dabei sollen diverse Tages- und Wochendaten früh erste Hinweise zum Wirtschaftsgang geben. In den Index fliessen etwa Bargeldbezüge und Kartentransaktionen ein, weitere Daten liefern der Elektrizitätsverbrauch, die Luftverschmutzung, die Tagesverkehrsleistung des Eisenbahngüterverkehrs, die registrierten Arbeitslosen, die SNB-Sichteinlagen und die Warenexporte und -importe.

Der neue Index zur Wöchentlichen Wirtschaftsaktivität (WWA) soll laut dem Seco als «experimenteller Konjunkturindikator» verstanden werden, nicht aber als wöchentliche BIP-Berechnung, da er sich stark von dieser unterscheide. Er mache die «grossen Bewegungen des Bruttoinlandprodukts» mit. Allerdings könne es grössere Ausschläge geben, die eventuell in den BIP-Quartalszahlen nicht mehr sichtbar seien, sagte Indergand.

Der Index zeige aber etwa, wie schnell und massiv der Einbruch im ersten Quartal 2020 ausgefallen war, auch die zügige Erholung im zweiten Quartal sei abgebildet worden, so Indergand. Die Erholung sei nun aber etwa seit dem September im Zuge der wiederansteigenden Corona-Fallzahlen und der Massnahmen zum Erliegen gekommen.

SDA/red

71 Kommentare
    Mark Müller

    Die Seco egal aus welchen Gründen sie das macht handelt aus meiner Sicht grobfahrlässig. In Anbetracht der steigenden Arbeitslosen Zahlen Firmen Schliessungen und dass ist erst der Anfang eines Finanz-Zunamis, deren rauschen durch die ständigen Interventionen der Notenbanken weltweit an den Börsen nicht zu hören ist. Nichts desto trotz wird das abkleben der Löcher im Schiffsrumpf auf die Dauer ein hoffnungsloses Unterfangen sein an deren Ende eine Weltwirtschaftskrise steht die dieser Planet noch nie gesehen hat.