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ZUgespitztWie das Fitnessband
an die Küchenmaschine kam

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen die ZU-Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Martin Liebrich, Redaktionsleiter.
Martin Liebrich, Redaktionsleiter.
Foto: Johanna Bossart

Es muss schon etwa 15 Jahre her sein, seit ich meiner Freundin eine Küchenmaschine geschenkt habe. Bevor Sie jetzt «Macho!» denken: Ich habe die Maschine auch für mich selbst gekauft. Für meine damaligen Verhältnisse war das Ding astronomisch teuer. Aber es hat sich gelohnt. Die Maschine brauchen wir seither beide regelmässig. Unterdessen sind wir eine Familie, und dank dem Teil haben wir immer selbst gebackenes Brot im Tiefkühler, selbst gemachte Glaces, selbst gebackenen Zopf, Schlangenbrotteig für Ausflüge mit den Kindern, und natürlich regelmässig Kuchen.

Nur leider ist jetzt ein Verschlussteil an dem Gerät kaputt, sodass der Knet-Arm ab und zu nach oben klappt, obwohl er den Teig kneten sollte. Das ist unschön, und es verteilt den Teig auf unschöne Weise an Orten, die dafür nicht vorgesehen sind. Also brachte ich das gute Familienstück dem Fachhändler. Der schickte es ein. Zurück kam wie angekündigt ein Kostenvoranschlag. Vorweg: Wenn jemand bei einem Fachhändler «Kostenvoranschlag» sagt, ist eigentlich gemeint: Kaufen Sie ein neues Gerät. Das würde 899 Franken kosten, ein Jahr Garantie inklusive. Die Reparaturkosten des alten? – Raten Sie mal! Schlappe 652 Franken.

Ich fragte nach. 652 Franken für ein rein mechanisches Verschlussteil, das ein gewiefter Bastler in zwei Minuten anlöten kann, schienen mir nämlich nicht gerade ein Schnäppchen. Aber vielleicht wollten sie ja eines aus Diamanten einbauen. «Nein, Sie», lautete die Antwort. Gewechselt würden auch die Standfüsse, der Halter für die Teigschüssel, der Antrieb, der Motor, eigentlich alles ausser das Gehäuse. «Aha», sagte ich. «Aber wenn ich mein Auto in den Service bringe, erwarte ich auch nicht, dass einfach der Motor gewechselt wird und der Unterboden und drei Türen dazu.»

Jäää, das habe eben mit Produktehaftung zu tun, lautete die Antwort. Das seien alles Sachen, über die man einmal abgestimmt habe. «Gut», sagte ich, «dann unterschreibe ich eine Verzichtserklärung für den Fall, dass ein Schaden entsteht durch das Gerät.» Sie sollen gern nur den Verschluss neu machen. Die Dame, sie tat mir schon etwas leid, da sie ja nicht von der Herstellerfirma war und für das Fiasko nichts kann, bot mir an, nachzufragen, ob die Herstellerfirma nur den Verschluss machen könne. «Gerne», sagte ich. «Und falls nicht, sollen sie die Maschine unverrichteter Dinge zurückschicken.» Die zweite Offerte kam auf 352 Franken zu stehen. Was mir immer noch zu teuer war.

Wir behelfen uns jetzt mit einem Fitnessband aus Gummi. Das hält den Knet-Arm tiptop unten. Und wir sind gespannt, ob der Motor nicht doch nochmals 15 Jahre lang durchhält.