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Rekord-Deal im FrauenfussballWie ein TV-Vertrag Englands Männer das Fürchten lehrt

Für 31 Millionen Franken haben Sky und BBC die TV-Rechte an der englischen Frauen-Liga gekauft. Dabei spielt das Geld vorerst eine sekundäre Rolle.

Der neue TV-Deal dürfte für die Entwicklung der Women’s Super League bahnbrechend sein. Davon profitieren unter anderem auch die Schweizer Arsenal-Spielerin Lia Wälti und ihre Teamkollegin Jordan Nobbs.
Der neue TV-Deal dürfte für die Entwicklung der Women’s Super League bahnbrechend sein. Davon profitieren unter anderem auch die Schweizer Arsenal-Spielerin Lia Wälti und ihre Teamkollegin Jordan Nobbs.
Foto: Nigel French (Getty Images)

Lange her ist es noch nicht, da dachten die Herren im britischen Verband FA, Fussball spielende Frauen interessierten nur, wenn die Männer gerade Pause haben. 2010 war das, als die FA Women’s Super League (WSL) gegründet wurde: Der Sender ESPN übertrug einige Partien, die Saison dauerte von Mitte April bis Ende August. Weil in dieser Zeitspanne eine Lücke im britischen Fussballkalender gefunden wurde – die Sommerpause der männlichen Profis. Der Wettbewerb startete als semi-professionelle Liga mit der Aussicht, sie bei Erfolg zu einer professionellen aufzuwerten. Im Mutterland des Fussballs waren sie sich nicht sicher, dass ihr Volkssport auch zieht, wenn ihn Frauen ausüben. Nun, elf Jahre später, ist die Antwort darauf laut und deutlich gegeben.

Denn Anfang 2021 sind die Fernsehstationen Sky und BBC eingestiegen mit einer Vereinbarung, die in den britischen Medien als «Meilenstein» gefeiert wird. Ab der Saison 2021/22 werden mindestens 18 Ligaspiele live auf BBC1 oder BBC2 im Free-TV gezeigt, dazu kommen 44 Partien, die der Pay-TV-Sender Sky überträgt. Die Vereinbarung läuft über drei Jahre und ist total geschätzte 24 Millionen Pfund schwer, also umgerechnet rund 31 Millionen Franken. Zum Vergleich: Die Premier League der Männer erhält dank dem letzten Dreijahresvertrag kolportierte fünf Milliarden Pfund an TV-Geldern. Aus zwei Gründen interessiert diese massive Diskrepanz auf der Insel aber kaum.

Halb England schaute den WM-Halbfinal

Zum einen ist die Premier League so etwas wie das Paradebeispiel für die toxischen Auswüchse im Männerfussball – gerade auch wegen der exorbitanten Summen, die Medienunternehmen bezahlen, um Spiele zu übertragen. Die Summen sind derart fern von jeglicher Vernunft, dass es für die WSL gar nicht erstrebenswert ist, auch nur ansatzweise an solche Beträge zu denken. Im Gegenteil: je näher am Publikum, desto besser.

Und genau deshalb ist etwas fast wichtiger als die 24 Millionen Pfund, welche weltweit eine Rekordsumme im Frauenfussball bedeuten und zur Professionalisierung der Teams und Schiedsrichterinnen genutzt werden können: nämlich die Zusammenarbeit mit der BBC. Beim öffentlich-rechtlichen Sender verfolgten beispielsweise 11,7 Millionen Menschen bei der WM 2019 in Frankreich Englands Halbfinalniederlage gegen die spätere Weltmeisterin USA. Die BBC schätzte, dass knapp 47 Prozent der Bevölkerung zumindest einen Teil der Partie im TV oder via Stream verfolgt hatte. Nun hat die Liga mit vertrauten Teamnamen wie Manchester United, Arsenal, ManCity und Chelsea eine fast wöchentliche Plattform im Free-TV. «Ein Gamechanger», findet Kelly Simmons, Frauenfussball-Chefin bei der FA.

Denn bisher wurden die meisten Matches bei «BBC red button» gezeigt. Eine Variante, bei der ein BBC-Zuschauer den roten Knopf auf der Fernbedienung drücken musste, um sie zu sehen – sofern er gerade eine dafür geeignete Box besass und per Zufall wusste, dass gerade eine Partie läuft. Und dennoch schauten so im Schnitt 285’000 Menschen ein WSL-Match. Das ist vergleichbar mit der Einschaltquote bei BT Sport bei einem Spiel zwischen zwei Premier-League-Teams in der unteren Tabellenhälfte. Für Noëlle Maritz ist es «wirklich cool, wenn man so in der Öffentlichkeit stehen darf und sich so viele Leute für unsere Spiele interessieren». Die 25-jährige Schweizer Nationalspielerin wechselte vergangenen Sommer von Deutschlands Spitzenclub Wolfsburg zu Arsenal, wo mit Lia Wälti und Malin Gut zwei weitere Schweizerinnen im Kader stehen.

Beginnt sich der Männerfussball zu fürchten?

Gerade das grosse Interesse von Sky findet Maritz eine «Riesensache», Englands Fussballlegende Kelly Smith taxiert das Engagement als «Wendepunkt». Tatsächlich zahlt der Pay-TV-Gigant den Grossteil des vereinbarten Betrags, obwohl die frei empfangbare BBC mindestens dreimal mehr Zuschauerinnen anziehen dürfte. Vielleicht gehört das aber auch zum Masterplan von Sky: den bereits rollenden Schneeball weitere drei Jahre wachsen zu lassen, um sich dann die kompletten Übertragungsrechte zu sichern. Für die Liga hätte das den angenehmen Nebeneffekt, dass Sky für diese Exklusivität ein noch hübscheres Sümmchen locker machen dürfte.

Das Portal «football365» spekuliert sogar, dass Sky dafür in Kauf nehmen könnte, dem aufgeblasenen Männerfussball etwas finanzielle Luft rauszulassen. Offenbar scheint man sich in Männerkreisen bereits vor der neuen Konkurrenz zu fürchten – es ist der möglicherweise eindrucksvollste Beleg für die steigende Popularität der FA Women’s Super League.

18 Kommentare
    Reto Huber

    Von was genau sollten Männer Angst haben? Ich höre diese Feministische Propaganda so oft. Aber ich habe einfach keine Ahnung wovor. Ist doch gut wenn ihr Fussball spielt, das Problem ist wie Arogant ihr immer tut bei Frauen-Themen. Ihr vergiftet so die Geschlechter mit toxischer weiblichkeit.