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Neue Informationen zur Zürcher Impfstrategie«76 Prozent der Bewohnenden wollen sich impfen lassen»

Heute Montag startet die Impfkampagne in den Altersheimen. In Kürze werden auch 165 Zürcher Hausärzte impfen können ­ aber nur ausgewählte Patientinnen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Diesen Monat will die Gesundheitsdirektion ein neues Anmeldeformular für Personen ab 75 Jahren aufschalten. Sie werden nach der Voranmeldung kontaktiert und erhalten ein Aufgebot zur Impfung.

  • Noch ist zu wenig Impfstoff für alle verfügbar. Deshalb werden zuerst die Risikopatientinnen und -patienten geimpft.

  • Heute startet die Impfkampagne in 400 Alters- und Pflegeheimen sowie Pflegeeinrichtungen für Menschen mit Behinderungen.

  • Im Pilot-Wohnzentrum Fuhr in Wädenswil haben sich 76 Prozent der Bewohnenden und 60 Prozent des Personals für die Impfung angemeldet.

  • Wenn der Moderna-Impfstoff zur Verfügung steht, sollen auch Hausärzte impfen können. Der Kanton rechnet noch diese Woche mit dem Impfstoff.

  • Voraussichtlich werden diese Woche 165 Arztpraxen mit je 100 Impfdosen beliefert. Weitere 250 Praxen haben sich zum Impfen angemeldet. Sie erhalten den Impfstoff - ebenfalls je 100 Dosen - Anfang Februar

  • Ab dem 18. Januar werden die Hochrisikopatienten des Kantonsspitals Winterthur und des Zürcher Stadtspitals Triemli geimpft. Sie werden vom Spital direkt kontaktiert, Anmeldungen von extern können die Spitäler nicht annehmen. Das Personal, das Covid-19-Patienten betreut, kann ebenso geimpft werden. Der Kanton hat ein entsprechendes Kontingent zugeteilt.

  • Ab April soll die Impfung dann der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

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Ende der Medienkonferenz

Die Orientierung ist beendet.

Impfen nach durchseuchter Krankheit?

Man sollte sich auch dann impfen lassen, wenn man das Coronavirus durchgestanden hat, empfahl Bettina Bally. «Die Immunität hält gemäss heutigen Erkenntnissen etwa drei Monate an», sagte sie.

Neuigkeiten zum Impfzentrum?

«Wir haben Angebote, wir sprechen uns mit dem Gemeindepräsidienverband ab», sagte Markus Näf.

Lehrpersonen vorziehen?

Gemäss Stv. Kantonsärztin Bally ist nicht vorgesehen, die Lehrpersonen frühzeitig zu impfen.

Wie viel Moderna-Impfstoff ist zu erwarten?

Markus Näf erwartet für den Kanton Zürich bis Mitte März 140'000 Dosen des Moderna-Impfstoffs. Dieser soll in den nächsten Tagen zugelassen werden.

Wird die Impfquote bekannt?

Bettina Bally sagte, es sei geplant, in Zukunft regelmässig die Impfquote bekanntzugeben.

Ärzte: «Bitte geben Sie uns Zeit»

Ärztepräsident Josef Widler sprach von einem Silberstreifen am Horizont. Noch gebe es aber nicht einmal genügend Impfstoff für alle Risikopatientinnen und -patienten.

Widler bittet die Patientinnen und Patienten, nicht in die Praxen anzurufen wegen der Impfung. «Bitte geben Sie uns Zeit.» Die Ärztinnen und Ärzte müssten sich zuerst organisieren, manche sind beschäftigt mit Impfungen in den Heimen. Verschiedene Ärzte haben Infos auf ihren Homepages geschaltet, viele nehmen Mails an. Widler erinnerte daran, dass es auch andere Krankheiten gebe. Die Praxen seien voll.

165 Praxen bekommen den Impfstoff voraussichtlich im Verlauf dieser Woche, wobei jede Praxis 100 Impfdosen erhält. Die Hausärzte vergeben ihre Kontingente selbständig an ihre Hochrisikopatienten. Diese werden von den Ärzten kontaktiert.

Die Auswahl der Ärztinnen und Ärzte erfolgt durch die Gesundheitsdirektion zusammen mit der Ärztegesellschaft. Wichtige Kriterien sind die Impfbereitschaft, die Grösse der Praxis sowie eine möglichst breite regionale Abdeckung.

Ab Impfstart durch die Ärzte erhalten diese wieder die Möglichkeit, ihre Hochrisikopatientinnen und -patienten für eine Impfung im Pilot-Zentrum beim Institut für Reisemedizin am Hirschengraben anzumelden. Das Zentrum ist seit dem 4. Januar in Betrieb und vermag knapp 600 Menschen am Tag zu impfen.

Die zweite Lieferung wird im Februar erwartet. Das reicht für weitere 250 Praxen. Bisher haben sich gut 400 Praxen als kleine Impfzentren gemeldet.

«Bitte geben Sie uns Zeit», bat Widler.
Jetzt wird es dezentral
«Bitte geben Sie uns Zeit», bat Widler.
Foto: Urs Jaudas
Froh um Impfung

Wenn das Virus ins Heim kommt, wird es schnell gefährlich, sagte Müller. Deshalb sei er froh, dass es jetzt losgehe mit dem Impfen.

Grosse Heime zuerst

Bisher sei man stark damit beschäftigt, die Einwilligungen zur Impfung einzuholen, sagte Müller. Heime, Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige seien involviert. Als erste werden Heime berücksichtigt, welche eigene Heimärzte haben.

Zuerst sind die grösseren Heime an der Reihe. Die kleineren Heime werden via mobilem Impfteam bedient. Diese mobile Truppe ist im Aufbau.

Am Wochenende wird vorläufig nicht geimpft. Man möchte möglichst bald wieder Ruhe in die Heime bringen, sagte Müller.

Hohe Impfquote im Pilot-Heim

André Müller vom Heimverband Curaviva sagte, dass alle Heime bis Mitte April durchgeimpft werden sollten. Er erwartet, dass sich etwa 70 Prozent der Heimbewohner werden impfen lassen. Das sind rund 40'000 Personen.

Im Kanton Zürich gibt es 358 Alters- und Pflegeheime und 33 Pflegeeinrichtungen für behinderte Menschen. Die Detailplanung sei abgeschlossen, sagte Müller. Sie wird in diesen Tagen an die Heime kommuniziert. Ein wesentlicher und anspruchsvoller Teil der Vorbereitung sei die Aufklärung und Information.

Im Pilot-Wohnzentrum Fuhr in Wädenswil, wo heute Montag geimpft wird, leben 75 Personen, die von 75 Personen betreut werden. 76 Prozent der Bewohnenden, also 57 Personen, haben sich für die Impfung angemeldet. 60 Prozent des Personals will sich ebenfalls impfen lassen.

André Müller vom Heimverband Curaviva sagte, dass alle Heime bis Mitte April durchgeimpft werden sollen.
Foto: Urs Jaudas
Besseres Anmeldesystem

Die Software für die Anmeldungen funktionierte bisher nicht wunschgemäss, weshalb das System beim letzten Anmeldeslot am 30. Dezember zusammenbrach. «Das tut uns leid», sagte Näf. Man arbeite unter Hochdruck an Verbesserungen. Es wird ein neues Anmeldeformular geben. Nach der Voranmeldung werden die Impfwilligen kontaktiert und erhalten eine Einladung.

Die Standorte der Impfzentren sind noch nicht genau definiert, so Näf. Falls mehr Impfstoff geliefert werde als erwartet, könne man das erste Zentrum - wohl in der Messe Zürich - im Februar in Betrieb nehmen.

Fokus auf Heime

Der jetzige Fokus liegt auf den Alters- und Pflegeheimen, so Näf. Dort leben besonders viele Risikopatienten. Bis Mitte März sollten sie und das Heimpersonal die erste Impfung erhalten haben.

KSW und Triemli impfen auch

Ab dem 18. Januar werden auch das Kantonsspital Winterthur und das Zürcher Stadtspital Triemli ihre Hochrisikopatientinnen und -patienten impfen. Sie werden direkt von den Spitälern kontaktiert und können keine externen Anmeldungen annehmen.

Der Kanton hat zudem ein Impfkontingent für das besonders stark ausgesetzte Personal in diesen Spitälern gesprochen.

Am Universitätsspital werden seit dem 5. Januar die Hochrisikopatientinnen und -patienten geimpft, die ebenfalls vom Spital aufgeboten werden.

325'000 Impfdosen bis Ende März

«Wir haben den Impfstart nicht verschlafen», sagte Projektleiter Markus Näf. Dieser Vorwurf sei aufgekommen. Die Impfzentren wären jetzt leer, da nicht genug Impfstoff vorhanden ist. Jede und jeder wird sich impfen lassen können, betonte er.

Bis Ende März will man möglichst viele Menschen über 65 Jahren und Jüngere mit Vorerkrankungen impfen. Das sind insgesamt 370'000 Personen. Dazu kommen noch etwa 100'000 Personen aus dem Gesundheitsbereich, welche Risikopersonen in irgendeiner Art betreuen.

Bis am 29. März sind dem Kanton Zürich voraussichtlich 325'000 Impfdosen zugeteilt. Das reicht für 162'500 Personen, also 44 Prozent der 370'000 Seniorinnen und Senioren sowie Personen mit Vorerkrankungen.

Am meisten Impfstoff wird ab April vorhanden sein. Der Impf-Peak wird im Mai und Juni erwartet.

Froh sei man auch über die Möglichkeit, sich in Arztpraxen und Apotheken impfen zu lassen.

Wir haben den Impfstart nicht verschlafen, sagte Projektleiter Markus Näf.
Wir haben den Impfstart nicht verschlafen, sagte Projektleiter Markus Näf.
Foto: Urs Jaudas

Stellvertretende Kantonsärztin bittet um Geduld

Es ist immer noch zu wenig Impfstoff vorhanden, deshalb können nicht alle sofort geimpft werden, die wollen. Der Kanton Zürich fokussiert deshalb auf die Über-75-Jährigen und das Corona-Betreuungspersonal in den Gesundheitseinrichtungen.

Das sind rund 230'000 Personen. Wenn sich zwei Drittel impfen lassen, brauche es etwa 300'000 Impfdosen, sagte Bally. Zur Erinnerung: In einem ersten Schritt hatte der Kanton Zürich 16'000 Impfdosen von Pfizer/Biontech erhalten.

Besser wird die Lage, sobald der Moderna-Impfstoff zugelassen ist, sagte die Stv. Kantonsärztin Bettina Bally.

Die Impfstoffe machen nicht unfruchtbar, stellt sie klar. Dieses Gerücht sei kürzlich verbreitet worden.

Stellvertretende Kantonsärztin Bettina Bally.
Stellvertretende Kantonsärztin Bettina Bally.
Foto: Urs Jaudas
Neue Informationen um 10 Uhr

Am Montag ist der Impfstart in den Zürcher Alters- und Pflegeheimen.

Am Morgen informieren Bettina Bally, stellvertretende Kantonsärztin, und Markus Näf, Projektleiter Impfen im Kanton Zürich, über die weitere Umsetzung der Zürcher Covid-19-Impfstrategie (hier geht es zu einem Kurzporträt von Markus Näf).

André Müller, Präsident des Heimverbands Curaviva Kanton Zürich, referiert über den Impfstart im Pilot-Wohnheim Fuhr in Wädenswil und die Impfung in den Heimen allgemein. Wie viele Bewohnerinnen und Bewohner der Heime wollen sich impfen lassen?

Ärztepräsident Josef Widler wird die weiteren Schritte aus Arztsicht erläutern. Es wird erwartet, dass er mitteilt, wie viele der 3500 Zürcher Hausärztinnen und Hausärzte in ihren Praxen impfen werden und wie viele Hochrisikopatientinnen und -patienten zur baldigen Impfung angemeldet werden.

Lesen Sie dazu: «Wir sind bereit, im Januar erste Impfungen durchzuführen»

Markus Näf ist der Mann, der in Zürich die Verabreichung des Corona-Vakzins organisieren soll. Für ihn ist das eine «spezielle Herausforderung».
«Wir sind bereit, im Januar erste Impfungen durchzuführen»
Markus Näf ist der Mann, der in Zürich die Verabreichung des Corona-Vakzins organisieren soll. Für ihn ist das eine «spezielle Herausforderung».
Betreiber von Impfzentren gesucht

Für den Aufbau der grossen Impfzentren kommt es zu einer Hauruckübung. Eine E-Mail der Gesundheitsdirektion hat am Silvesterabend für Aufregung in den Städten und Gemeinden gesorgt. Nachdem Basel sein Impfzentrum bereits eröffnet hatte, verschickte der Zürcher Pandemiestab Bewerbungsunterlagen für potenzielle Betreiber von Impfzentren. Sie sollen die vier Zürcher Impfregionen abdecken und täglich 10’000 Corona-Impfungen garantieren.

Es eilt: Die Eingabefristen sind auf den 8. und am 15. Januar festgelegt. Gemeindepräsidenten fühlten sich angesprochen und setzten alle Hebel in Bewegung, um ein Projekt zu lancieren – bis sie erfuhren, dass private Player ihre Angebote längst platziert hatten. Ärger war die Folge.

Die Ärzte und Apotheker stellen die grossen Zentren ohnehin infrage, weil die Patientinnen und Patienten sich - wie sie vermuten - eher bei ihnen impfen lassen werden, sobald es genug Impfstoff gibt.

Erste Impfung am 4. Januar

Offizieller Impfbeginn war am 4. Januar. Um 11.20 Uhr erhielt Frau Stüssi aus Wetzikon als erste Zürcherin die begehrte Injektion in den linken Oberarm. Kurz darauf wurde ihr Ehemann im Referenz-Impfzentrum beim Institut für Reisemedizin am Hirschengraben in Zürich gepikst. Es ist imstande, knapp 600 Personen am Tag zu impfen.

Historischer Akt: Frau Stüssi erhält die erste Impfung im Kanton Zürich.
Historischer Akt: Frau Stüssi erhält die erste Impfung im Kanton Zürich.
Samuel Schalch

Auch Prominente liessen sich impfen, um die Bevölkerung zu ermutigen, es ihnen gleich zu tun. Unternehmerin Esther Michel, Kabarettist Franz Hohler, Schauspieler Walter Andreas Müller und Alt Ständerat Hans Hofmann erhielten die Injektion.

Walter Andreas Müller macht beim Impfen grosse Augen.
Walter Andreas Müller macht beim Impfen grosse Augen.
Ennio Leanza/Keystone

Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Zürcher Universitätsspital am 5. Januar mit dem Impfen der betagten Hochrisikopatientinnen und -patienten beginnt, welche bei ihm in Behandlung sind. Sie Personen, die infrage kommen, werden vom Spital angefragt.

Der nächste öffentliche Anmeldetermin wurde auf den 18. Januar festgelegt. Dann sollte wieder mehr Impfstoff vorhanden sein. Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli versprach ein verbessertes Anmeldeprozedere.

Schwieriger Start

Der Start war holprig. Die IT-Systeme hielten dem Ansturm nicht stand. 100'000 Zugriffe auf die Meldeplattform wurden gezählt, dazu 60'000 Anrufe aufs Ärztefon. Die wenigsten Seniorinnen und Senioren kamen durch und konnten sich einen Termin ergattern. Das sorgte für Ärger. Zum Teil kam es zu Missverständnissen, weil die impfwilligen Personen überzeugt waren, einen Termin zu haben, die erforderliche Bestätigung aber fehlte. Sie erschienen später umsonst beim Impfzentrum.

Auch die Ärzte kamen nicht durch, erhielten aber bald eine separate Hotline. Ihr Kontingent war aber ebenfalls sehr schnell ausgeschöpft, was zu Frustrationen bei den Patienten führte.

Lesen Sie unseren Kommentar dazu.

Ankündigung der Impfkampagne

Die Zürcher Impfkampagne wurde mit einer Vorinformation kurz vor Weihnachten gestartet. Am 30. Dezember sollten sich die Über-75-Jährigen online anmelden oder einen Termin über das Ärztefon (0800 33 66 55) vereinbaren.

Impfdosen stehen für 8000 Personen zur Verfügung. Ein Kontingent davon wurde für Hausärzte reserviert, die je drei Patientinnen und Patienten mit schweren Erkrankungen anmelden durften.

Zu den Risikopersonen gehören aber 370’000 im ganzen Kanton: 130’000 Personen ab 75 Jahren, 133’000 zwischen 65 und 74 Jahren und geschätzte 110’000 Personen unter 65 Jahren mit Vorerkrankung. Das Gesundheitspersonal umfasst rund 100’000 Personen. Die 470’000 Personen entsprechen etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung.

Bettina Bally, Stellvertetende Kantonsärztin, und Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli informierten über die Zürcher Impfkampagne.
Bettina Bally, Stellvertetende Kantonsärztin, und Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli informierten über die Zürcher Impfkampagne.
Alexandra Wey/Keystone

Eine Reihenfolge wurde definiert. Neben den Über-75-Jährigen sollten Hochrisikopatienten zuerst geimpft werden. Diese sollten durch die Hausärztinnen und Hausärzte separat angemeldet werden. Dann sind die 65- bis 74-Jährigen an der Reihe, darauf das Gesundheitspersonal und Personen, die viel Kontakt haben zu vulnerablen Menschen. Ab April folgt die restliche Bevölkerung, in vier bis sechs grossen Impfzentren verteilt über den ganzen Kanton, und bei den Hausärzten sowie in den Apotheken.

Beginn des Live Tickers
81 Kommentare
    hans marti

    Macht es wirklich Sinn, dass nur ü75 jährige sich für das Impfzentrum anmelden können während die jüngeren Risikopatienten dezentral bei den Ärzten geimpft werden? Letztere haben zwar chronische Krankheiten (Diabetes, Bluthochdruck, Herzkranke etc.) sind aber eben jünger und wohl auch mobiler, als über-75 jährige.