Fussball

Die Saison, die einfach besser sein muss

Im Wiler Bergholz beginnt für den FCW eine Saison, die eines sein muss: besser als die letzte. Mehr Stabilität und eine bessere Mentalität sind gefordert.

Kann Neuzugang Jordan Gele die Lücke füllen, die der Abgang Silvios im Angriff zweifellos gerissen hat? Das ist die grosse Frage.

Kann Neuzugang Jordan Gele die Lücke füllen, die der Abgang Silvios im Angriff zweifellos gerissen hat? Das ist die grosse Frage. Bild: Madeleine Schoder

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Der FCW – das ist der Verein, der seit drei Jahren ohne Präsidenten ist. Sein Gesicht ist Andreas Mösli, der altgediente Geschäftsführer. Und der Mann fürs Sportliche ist Oliver Kaiser. Er verantwortete damit zu einem guten Teil auch die missratene letzte Saison – er hat die Schlussfolgerungen daraus gezogen – und an deren Wirkung wird sich dann das Zeugnis fürs neue Jahr ablesen lassen. Eine Linie in der Transferpolitik lässt sich jedenfalls eindeutig erkennen: Es wurden vorwiegend Spieler verpflichtet, welche die Mannschaft stabiler und konstanter, mental stärker auch machen sollen. Der FCW soll nun über mehr Persönlichkeit verfügen. Diesbezügliche Mängel waren in den vergangenen Jahren zu oft festzustellen.

Stabiler, mehr Persönlichkeit?

Die Vernunft sagt einem, dass diese Mannschaft des FCW zumal defensiv stabiler sein muss als vor allem jene der zwei vergangenen Jahre, die in den Abstiegskampf involviert war – bis dieser durch die vorzeitigen Rückzüge Le Monts und Wohlens abgebrochen wurde. Die neuste Ausgabe des FCW müsste in der Tat an einschlägiger Erfahrung in der Challenge League, an grundsätzlicher Persönlichkeit reicher sein.

Die Namen dazu: zuvorderst natürlich jener Davide Callàs, der sich selbst beim Meister FC Basel den Ruf einer Spielerpersönlichkeit schuf, die mit ihrer offenen, zupackenden Art eine Mannschaft prägen kann – und einem Trainer eine entscheidende Hilfe in der Kabine. Dann sind da die beiden Rückkehrer auf den Positionen der Innenverteidiger zu nennen, Granit Lekaj und Sead Hajrovic. Beide sind mittlerweile gereifte Profifussballer; sie müssten fähig sein, einer Abwehr auf Dauer die für eine vernünftige Saison nötige Konstanz zu verleihen. Und dann ist da noch der neue Torhüter Raphael Spiegel, der einst im Kader der U-17-Weltmeister stand, später bei West Ham United durch eine solide Lehre für Berufsfussballer ging und nun den Eindruck erweckt, für diese Liga nicht nur das erforderliche Können auf der Linie, sondern auch eine sehr korrekte Berufsauffassung mitzubringen.

Spiegel im Tor, Lekaj und Hajrovic im Abwehrzentrum, Denis Markaj und Tobias Schättin als Aussenverteidiger – das ist mal eine Defensive. Davor soll mit Remo Arnold als «Sechser» einer die Achse fortsetzen, der mit seinen 21 Jahren zwar noch jung ist, aber sehr wohl die Perspektive eines künftigen Super-League-Spielers hat. Wozu er auch beiträgt mit seinen 1,90 m Grösse: Der FCW hat in der neuen Saison eindeutig mehr Zentimeter!

Callà und Luca Radice, einer mit mittlerweile über zehn Jahren Erfahrung in der Challenge League, besetzen die Flanken im Mittelfeld – ausgesprochene Routiniers auch sie. Ousmane Doumbia, der im vergangenen Winter gekommene Ivorer, wird im Zentrum leicht vor Arnold wirken. Ein bewährter Spieler in dieser Liga auch er. Aber wer kommt noch hinzu, wer füllt im Angriff die Lücke, die der Abgang Silvios nach 27 Toren in zwei Jahren zweifellos riss? Das ist die grosse Frage.

Gele – das grosse Fragezeichen

Kann es in der Tat Jordan Gele sein, der 26-jährige Franzose, der mit 1,92 Metern ebenfalls sehr viele Zentimeter einbringt, aber ein Jahr lang überhaupt nicht gespielt hat und vorher, im «Zwei» von Nantes oder in Mulhouse, in der 4. oder 5. Liga Frankreichs. Der es zwar mal nach Clairefontaine ins nationale französische Ausbildungszentrum brachte, dort aber nicht reüssierte. Der in Boulogne-sur-Mer vorübergehend zur selben Zeit in der fussballerischen Ausbildung war wie N’Golo Kanté. Der spielte dann allerdings im «Eins» und nicht, wie Gele, im «Zwei» – und ist heute Weltmeister.

Jordan Gele (ausgesprochen: Schelee) hat eine Knieverletzung ein Jahr gekostet. Jetzt sei er, sagt er, wieder fit. Er brauche noch etwas Spielpraxis, «aber gut genug für diese Liga» sei er, fügt er bei. Reüssiert er, wird er mit seiner physischen Präsenz zur «Trouvaille» des FCW, dann haben Kaiser und sein Trainer Ralf Loose ein grosses Problem weniger. Aber trifft er nicht, müssen sie wohl – wie es der Jargon nennt – «nachrüsten». Fakt ist, dass heute in Wil sechs Neue beginnen werden – fünf als klare Stammspieler gedacht, dazu Gele. Auf der Bank sitzen wird Roberto Alves, der als junge Alternative für die Seite gesehen wird. Nicht zum Aufgebot gehört Taulant Seferi, der achte und letzte Neue: Der 22-jährige U-21-Nationalspieler Albaniens, der auch einen mazedonischen Pass hat, kam am vergangenen Sonntag mit Leistenproblemen von den Young Boys. Er wurde untersucht, es wurden gar Ansätze einer Schambeinentzündung gesehen. Also wurde Seferi aus dem Trainingsbetrieb genommen, in zwei Wochen soll er für den Wiedereinstieg bereit sein – als Alternative für die Offensive.

Der Ruf des Langsamstarters

Man kann die Perspektiven des FCW 2018/19 also positiv sehen – wenn die neuen Leader und Routiniers eine vor allem in der Defensive stabile Achse bilden und Gele reüssiert. Aber es gibt neben der Frage zu Gele auch jene, wie lange Spieler brauchen, in Form zu kommen, die in der vergangenen Saison wenig oder gar nicht spielten – wie Spiegel in Porto, Arnold nach seinem Kreuzbandriss in Luzern oder Callà in seinem letzten FCB-Jahr. Umso wichtiger wird ein vernünftiger Start sein, einer, der nicht gleich wieder Druck erzeugt – wie als Extremfall das vergangene Jahr mit den 1:3 gegen Wohlen und in Rapperswil-Jona. Der FCW ist ja ohnehin ein – zurückhaltend formuliert – Langsamstarter. In den letzten 15 Jahren hat er nur vier Startspiele gewonnen (zuletzt vor vier Jahren mit Jürgen Seebergers 4:0 gegen den FC . . . Wil), aber gleich zehn verloren.

In Wil solide starten und daraus entwickeln, was auf Dauer verlässlich erscheint – das ist das erste Ziel. Von Klassierungen oder gar Dingen wie «oberer Tabellenhälfte» wollen sie auf der Schützenwiese nicht reden, gezeichnet von den letzten Erfahrungen. Also ist so zurückhaltend wie vernünftig, was Leiter Sport Kaiser formuliert: «Eine Saison wie die letzte darf sich nicht wiederholen. Mit dem Abstiegskampf dürfen wir nichts zu tun haben.» Fürs Erste soll das mal gelten, es ist angemessener Realismus. Oder wie es Loose formuliert: «Es muss jeder gewarnt sein in diesem Verein.»

Erstellt: 21.07.2018, 10:18 Uhr

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