Leichtathletik

Ein Hauch von Weltklasse in Winterthur

Halb Jugendsportförderung, halb Marketing-Event: Jeweils zwei Tage vor dem Diamond-League-Meeting im Zürcher Letzigrund geben nationale und internationale Grössen aus der Leichtathletik Showtrainings für Kinder – am Dienstag in einer stabhochsprunglastigen Auswahl auch in Winterthur.

Auf Tuchfühlung mit einer Sportgrösse: Am Jugendtraining von Weltklasse Zürich auf dem Deutweg haben am Dienstag Kinder mit ihren Sportidolen trainiert.
Video: David Gonzalez

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Und ich habe extra neue Schuhe angezogen.» Angelica Moser sagt es mit Schalk und schüttelt den Sand aus ihren Sneakers. Das Training mit den Kindern auf dem Sportplatz Deutweg ist vor­über, die Sonne steht tief. Jetzt folgt im goldenen Abendlicht noch die Autogrammstunde.Wirklich schlimm ist die Sache mit den Schuhen für die Andelfingerin nicht. Als amtierende U-23-Europameisterin hat Moser einen Ausrüster, das heisst viele Schuhe. «Wie viele denn?» – «Auf jeden Fall genug», sagt sie.

Wenns ums Sponsoring geht, werden die Antworten auf dem Leichtathletikparkett unscharf. Und um Sponsoren geht es irgendwie immer bei diesem Sport. Die über 100 Kinder und ihre Eltern, die den Weg auf den Sportplatz Deutweg gefunden haben, werden von grossen UBS-Bannern begrüsst. Die freiwilligen Helfer von der Leichtathletik Vereinigung Winterthur tragen grün-weisse T-Shirts mit Erdgaslogo. Sie stammen vom Veranstalter von «Weltklasse Zürich», der dieses Training mit den Kindern ausrichtet. Das Shirt anziehen, sagt ein Helfer beiläufig, sei eine Pflicht. «Die wollen das eben so.»

Die Wett-Anekdote

Kinder, die mit Leichtathletikstars eine gute Stunde lang trainieren, motiviert werden für den Sport und nebenbei positive Bilder für die Medien produzieren. Dieses Konzept hat das Zürcher Leichtathletik-Meeting unterdessen auf sieben Städte ausgeweitet. Winterthur stand dabei vielleicht nicht zuoberst auf der Prioritätenliste. So haben etwa Zürich und Langnau gleich zwei Olympiasieger in ihrem Aufgebot.

Der Deutweg kann dafür mit Schweizer Sportgrössen aufwarten. Nebst Moser ist das die 800-Meter-Läuferin Selina Büchel, die 2015 und 2017 die Hallen-Europameisterschaften gewinnen konnte. Und dann sind auch zwei Amerikaner da: Evan Jager, 3000-Meter-Steeple-Läufer, und Sandi Morris, Stabhochspringerin. Beide holten bei den Olympischen Spielen 2016 Silber.

Vor dem Warm-up mit den «Kids» gibts einen kleinen Talk mit der Profirunde. Gut eingelaufene Anekdoten. Jager erzählt, er habe als Kind erst Fussball gespielt und sei immer allen davongerannt, also wechselte er auf Leichtathletik. Morris fand über eine Wette zum Sport. Sie hatte einen Jungen zu einem Laufduell herausgefordert, es ging um einen Quarter, sie gewann. Ihre Eltern, beide Athleten, schickten sie mit 7 Jahren zur Leichtathletik, die in den USA wenig Aufmerksamkeit bekommt. «Ihr macht das hier in Europa besser», sagt Morris.

Büchel und Moser beantworten in der Runde auch eine Kinderfrage. Erst ist keine verfügbar, dann meldet sich noch jemand. «Was ist euer Lieblingsessen?» Büchel hat sich nicht festgelegt. «Italienisch mag ich gerne.» «Lasagne», sagt Moser. «Und Schokolade.»

Ein ganz schön schwerer Stab

Trainingsbeginn: In vier Gruppen durchlaufen die Kinder die Stationen. Bei Büchel werden Beweglichkeit und Koordination trainiert, mit Ausfallschritten, Hüpfvarianten. Schwierig. Nach einer Viertelstunde wandelt sich alles in eine kompetitive Stafette, mit kleinen Hindernissen, Fusswechseln und dergleichen.

Morris bringt ihrer Gruppe bei, wie man den Trainingsstab hält und damit läuft. Ein Helfer übersetzt. Sie kann gut mit Kindern. Das eingebaute Lächeln wirkt je länger, je gelöster. Sie klatscht ab, lobt. «There we go. Like that. Right. Perfect.» Einfach ist die Aufgabe nicht. Der Stab sei ganz schön schwer, sagt Laurin, sieben Jahre alt, Fussballer beim FC Neftenbach. Mila, Sechstklässlerin im Altstadtschulhaus, lobt die Trainerin. «Sie hat viel Geduld.»

Das Training eins zu eins braucht allerdings zu viel Zeit, zu viele Kinder sitzen herum. Morris ist nicht zufrieden, will das Konzept ändern. Der Helfer, längst um den Stab gewickelt, sagt: «But you are the main attraction.»

Moser hat derweil den Trainingsdreh raus. In ihrer Gruppe springen die Kinder an der Übungsstange in den Sand, mit einer 180-Grad-Drehung in der Luft. Zur Sicherheit führt sie den Stab mit der Hand. «Ist das, zwei Tage vor dem Wettkampf, nicht etwas anstrengend?» «Wenn sie selbst abspringen, geht es», sagt sie. «Wenn ich sie hochziehen muss, ist das weniger gut.»

Der Fun-Faktor ist hoch. Nur eben: Jetzt sind Mosers Schuhe «sandy». Und mit Sandi Morris und den anderen beiden geht es zur Autogrammstunde. «Eine Unterschrift und ein Handyfoto pro Person», erklärt der Speaker. Es klingt knausrig, aber das Training ist von den Eltern in Bild und Video für die Nachwelt bereits dutzendfach dokumentiert.

Gleich geht die Autogrammstunde los. Es muss nur noch kurz der Volunteer-of-the-year-Preis vom Sponsor Erdgas verliehen werden.

Erstellt: 29.08.2018, 09:02 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!