Winterthur

Betsy DeVos kommt nach Winterthur

Die USA schicken ihre umstrittene Bildungsministerin an den 3. Internationalen Berufsbildungskongress, der Anfang Juni in Winterthur stattfindet. Auch Singapur ist hochrangig vertreten.

Mit der amerikanischen Bildungsministerin kommt eine Frau nach Winterthur, die umstrittene Ansichten vertritt.

Mit der amerikanischen Bildungsministerin kommt eine Frau nach Winterthur, die umstrittene Ansichten vertritt. Bild: Keystone

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Auf dem Papier ist es ein kleiner Coup: Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) konnte die amerikanische Bildungsministerin Betsy DeVos als Referentin für den nächsten Berufsbildungskongress gewinnen, der vom 6. bis 8. Juni in Winterthur stattfindet. DeVos allerdings geniesst trotz ihrem hohen Amt in zweifelhaften Ruf.

DeVos kämpft gegen die Rechte von Lesben und Schwulen

Vor allem die US-Demokraten kritisieren die 60-Jährige als inkompetent und behaupten, sie verdanke ihr Amt allein den Familienmilliarden, die der Vater mit einem Automobilzuliefererkonzern in Michigan verdient hat.

DeVos gilt als Fürsprecherin des in den USA wuchernden Privatschulwesens. Sie besuchte selbst private, christliche Schulen, in einer öffentlichen Schule war sie weder jemals eingeschrieben, noch hat sie in einer unterrichtet oder eines ihrer Kinder in eine solche Schule geschickt.

Bevor sie im Februar 2017 Trumps Bildungsministerin wurde, war DeVos Vorsitzende der Republikaner in Michigan. Ihre Familie zählt zu den prominentesten Spendern der Lobbyorganisation Alliance Defending Freedom (AFD), die zum Ziel hat, einen «Krieg gegen christliche Werte» zu bekämpfen und die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender-Menschen zu beschneiden.

Peinlicher Auftritt

Zu internationaler Bekanntheit gelangte DeVos, mit ihrem Auftritt vor dem Senat vor ihrer Wahl zur Bildungsministerin. Die Unternehmerin offenbarte bei der Anhörung gravierende Wissenslücken, was das Bildungssystem der USA angeht. Sie hatte sich in Michigan für die Verbreitung von Charter Schulen eingesetzt, private Schulen, die mit öffentlichem Geld finanziert werden.

DeVos peinlicher Auftritt vor dem Senat, hielt die Republikaner nicht davon ab, sie als Bildungsministerin zu wählen.

Auf die Frage eines Senators, ob alle Institutionen, die Steuergelder erhalten, gleichermassen rechenschaftspflichtig sein sollten, antwortete sie nur: «Ich bin für Rechenschaft» - einen Satz, den sie auf alle Nachfragen stupid wiederholte. Heute sind diese Schulen mehrheitlich nicht verpflichtet, aufzuzeigen, wie sie das öffentliche Geld einsetzen, was beispielsweise Gegenstand ihres Lehrplans ist.

Ein Senator aus Connecticut, wo sich das Massaker an der Primarschule Sandy Hook ereignet hatte, fragte, ob Waffen an Schulen zugelassen werden sollten. DeVos wich zuerst aus und sagte dann: «Es gibt eine Schule in Wyoming, die wahrscheinlich eine Waffe hat, um sich gegen Grizzly-Bären zu verteidigen.»

Auf Nachfrage teilte diese Schule mit, sie habe einen Zaun und einen Pfefferspray. Das genüge, um mit diesem Problem fertig zu werden. DeVos wurde zum Gespött der Late-Night-Talker. Obwohl der Widerstand gegen sie aufgrund ihres Auftritts auch politisch gross war, wurde sie gewählt. Vize-Präsident Mike Pence löste mit seiner Stimme eine Pattsituation im Senat auf.

Schweizer Vergangenheit

Weniger umstritten, aber auch weniger bekannt ist der zweite hochrangige Gast am diesjährigen Berufsbildungskongress, Ong Ye Kung, der Bildungsminister von Singapur. Vor seinem Eintritt ins Kabinett 2015 war der 48-Jährige Konzernstratege beim Mischkonzern Keppel Corporation, davor Generalsekretär des nationalen Gewerkschaftskongresses und zuvor in verschiedenen Funktionen für die Regierung Südkoreas tätig.

Ye Kung hat an der London School of Economics und am International Institute for Management Development in Lausanne studiert, und damit einen Bezug zur Schweiz.

Der hochrangige Besuch am Berufsbildungskongress, der vom House of Winterthur im Auftrag des Bundes organisiert wird, hat bereits Tradition. Johann Schneider-Ammann (FDP), der als oberster Bildungsminister wiederum die Landesregierung vertritt, empfing hier 2016 bereits EU-Kommissarin Marianne Thyssen sowie den serbische Premier Aleksandar Vucic. 2014 war Jill Biden, die Frau des damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden in Winterthur zu Gast.

Erstellt: 27.04.2018, 10:59 Uhr

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