Winterthur

Der alte Eisenfuss ist zurück in der Stadt

Rolf Bollmann, einst bekannt als beinharter FCW-Verteidiger, ist jetzt Blochers Mann in Winterthur.

Einst verteidigte er für den FCW. Nun sitzt Rolf Bollmann mit Christoph und Rahel Blocher im Verwaltungsrat der Swiss Regiomedia AG.

Einst verteidigte er für den FCW. Nun sitzt Rolf Bollmann mit Christoph und Rahel Blocher im Verwaltungsrat der Swiss Regiomedia AG. Bild: Dieter Seger

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Rolf Bollmann ist als Manager und als Gesprächspartner so unzimperlich und so fadengerade, wie er als Verteidiger gewesen sein muss. Der «Arbeitersohn aus Wislig» (O-Ton Bollmann) galt als «Eisenfuss beim FC Winterthur» (Volksmund). Dass er von seiner fussballerischen Härte und Bissigkeit nichts verloren hat, bewies er am Mittwochabend auf der Bühne im Music-Club Albani.

Anlass bot der regelmässig dort stattfindende KMU-Apero. Und Bollmanns direkte unprätentiöse Art kam an beim Publikum. Egal ob er von seinem einzigen Spiel in der Nationalmannschaft erzählte, vom Cupfinal 1975 gegen Basel oder von seinem ersten Telefongespräch 2012 mit Christoph Blocher.

«Christoph Blocher hier, ich möchte sie treffen»

Dieses Telefon erreichte Bollmann daheim in Seuzach. Er schob damals «eine ruhige Kugel in der Unternehmensleitung von Tamedia», wie er sagte, und als es aus dem Hörer schallte «Blocher hier», da traute er seinen Ohren nicht. «Was Blocher?», habe er gefragt. «Christoph Blocher, ich möchte sie treffen», kam es zurück.

So kam es zum ersten Meeting der beiden Männer in Männedorf. Blocher brauchte Bollmann, weil er damals in Basel viel Geld verlor mit seinem Zeitungshaus. Bollmann entschied sich trotz des bequemen Sessels für einen Wechsel nach Basel und tat, was er schon in Zürich getan hatte: Restrukturieren und Leute entlassen.

«Blocher nimmt das Geld»

Damit gehörte Bollmann zu Blochers Entourage und gab über diese Bekanntschaft bereitwillig Auskunft. «Er hat schon ein Charisma», sagte er oder auch das: «Wenn sich für Blocher die Frage stellt: Politischer Einfluss via Zeitung oder ein gutes Geschäft? Dann nimmt er das Geld.»

Zu Christoph Blochers Medienimperium gehören heute zwei Dutzend Gratiszeitungen, darunter das «Tagblatt der Stadt Zürich» und die «Winterthurer Zeitung». Werden die jetzt zu SVP-Blättern, fragte der Moderator.

Und Bollmann legte los: 70 bis 80 Prozent der Journalisten seien linksorientiert und würden selber immer Medienvielfalt fordern. Blocher sorge für diese Vielfalt und fürs Gleichgewicht. Aber sicher gebe es keine SVP-Blätter. «Beim Tagblatt in Zürich sind die Vorgaben sehr eng, um Publikationsorgan zu bleiben.»

Gibts eine Strategie für die Gratisblätter? Mehr online wie bei den Bezahlmedien? «Die Gratiszeitungen verlieren keine Leser, und im Internet liest uns niemand. Die Online-Nutzerzahlen tendieren gegen Null.»

Und dann waren da noch die Andekdoten aus der Aktivzeit von Eisenfuss Bollmann. Es blieb beim einzigen Länderspiel, 1974 gegen Belgien in Genf. Brillenträger Bollmann hatte die Linsen im Hotel vergessen, getraute sich aber nicht, das dem Trainer zu sagen.

«Ich spielte zwar 90 Minuten durch, verpasste aber einige Kopfbälle, und das wars dann für mich in der Nati.» Beim Cupfinal 1975 gegen Basel, den der FCW erst in der Verlängerung verlor, habe man ihm ohne sein Wissen ein Mittel in den Kafi geschüttet, «um den Bollmann scharf zu machen». Er hätte eigentlich den Basler Mittelstürmer Othmar Hitzfeld bewachen sollen. «Doch mir war schlecht, und ich rannte die ersten zehn Minuten nicht Hitzfeld nach, sondern unserem Libero.»

Erstellt: 21.02.2019, 13:20 Uhr

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