Politik

Franco Albanese kehrt CVP den Rücken

Der Winterthurer Gemeinde- und Kantonsrat wechselt per sofort die Partei: Der 39-Jährige ist aus der CVP aus- und in die SVP eingetreten.

Die Farben auf dem Plakat werden sich künftig ändern: Franco Albanese wechselt von der CVP zur SVP.

Die Farben auf dem Plakat werden sich künftig ändern: Franco Albanese wechselt von der CVP zur SVP. Bild: Marc Dahinden

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Der Winterthurer CVP-Präsident Andreas Geering wusste gestern Mittag noch nichts vom Parteiaustritt und -übertritt des Franco Albanese. Erst der Anruf des «Landboten» informierte ihn. Der CVP-Fraktionspräsident im Kantonsrat, Philipp Kutter aus Wädenswil, erfuhr die Neuigkeit zeitgleich mit den Medien.

Beide, Geering wie Kutter, zeigten sich gestern überrascht vom Austritt Albaneses. Übereinstimmend sagen sie, nichts davon geahnt zu haben, sie seien völlig überrascht. Bestens informiert waren hingegen einzelne SVP-Exponenten. Der Winterthurer SVP-Präsident Simon Büchi sagt: «Natürlich hat es im Vorfeld Gespräche gegeben, und zwar nicht erst am letzten Wochenende.» Albanese selber sagt zu dieser Art der Kommunikation: «Es war mir nicht anders möglich, ich war in einer schwierigen Situation.»

Neuer CVP-Kurs schreckt ihn

Er habe, begründet der Abtrünnige seinen Parteiwechsel, gespürt, dass sich in der Winterthurer CVP und in deren Gemeinderatsfraktion eine neue Richtung durchzusetzen beginne, die nicht seiner «wirtschaftsliberalen und wertkonservativen» Haltung entspreche. «Durch den bedauerlichen Rücktritt meines engsten Mitkämpfers Matthias Baumberger» werde «die CVP-Fraktion ihren wirtschaftspolitischen Kurs nicht aufrechterhalten». Dazu ist ergänzend festzuhalten, dass neu Iris Kuster Anwander in dieser Fraktion mitwirkt, die Frau des lokalen Arbeitgeberpräsidenten.

Die letzten Jahre waren in der lokalen CVP-Politik in der Tat geprägt gewesen vom stramm rechten Triumvirat Baumberger/Harlacher/Albanese. Die drei Gemeinderäte verfolgten einenbetont wirtschaftsfreundlichen Kurs und prägten damit die Positionen der Partei. Frühere, liberal und sozial denkende CVP-Exponenten wie Haymo Empl oder Franz Scherrer kehrten ihrer Partei ob dieser Entwicklung den Rücken. René Harlacher hatte sich dann als Erster des Trios vor zwei Jahren von der Politik verabschiedet, eben trat Matthias Baumberger, Sohn des früheren CVP-Nationalrats, aus dem Gemeinderat zurück. Nun mag Albanese also nicht allein weitermachen.

Kutter fordert: Tritt zurück!

Sein Chef in der CVP-Kantonsratsfraktion, Philipp Kutter, findet, Albanese müsste jetzt gleichzeitig mit dem Parteiwechsel aus dem Kantonsrat zurücktreten, «denn die CVP-Wähler in Winterthur haben einen Anspruch darauf, vertreten zu sein». Albanese aber denkt nicht daran, zurückzutreten; er sei gewählt worden mit dem Programm, das er weiterhin zu vertreten gedenke. Auch seine Funktion in der Kantonsratskommission für Wirtschaft und Abgaben will er behalten. Die CVP wäre dann dort nicht mehr vertreten, wohl aber die SVP mit neu 6 von 15 Sitzen.

Mitte des gestrigen Nachmittags hatten sich die CVP-Gremien nach Albaneses Überraschungscoup wieder gefangen und versandten ihrerseits ein Communiqué. Man erwarte seinen Rücktritt aus dem Gemeinde- wie dem Kantonsrat; in Zürich wäre der erwähnte Matthias Baumberger der Nächste aus der CVP-Liste. Ein Rücktritt aus allen Ämtern, so die Spitzen der CVP, sollte «auch im Sinn der SVP sein, diean einem unbelasteten Verhältnis interessiert sein müsste».

In den SVP-Fraktionen im Kantons- und im Gemeinderat allerdings, schreibt Albanese in seiner Übertrittsmeldung, sei er herzlich aufgenommen worden. Hier finde er die «gradlinige Politik, welche ich unterstützen kann». Simon Büchi, Gemeinderat und SVP-Präsident in Winterthur, freut sich über den Zuwachs: «Er ist ein Supertyp, ein Unternehmer, wir nehmen ihn gerne auf.» Im Gemeinderat hat die CVP damit derzeit noch drei Vertreter, im Kantonsrat deren acht.

Erstellt: 05.09.2016, 14:25 Uhr

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