Winterthur

Kultur als Kernelement des Service public

Welche ­konkreten Folgen hat das neue Kulturleitbild? Antworten von Nicole Kurmann, ­Bereichsleiterin Kultur der Stadt Winterthur.

«Das Orchester hat in der Stadt nach wie vor einen hohen Stellenwert»: Nicole Kurmann, Bereichsleiterin Kultur.

«Das Orchester hat in der Stadt nach wie vor einen hohen Stellenwert»: Nicole Kurmann, Bereichsleiterin Kultur.

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Bei kulturpolitischen Fragen wurde seitens der Stadt gerne auf das neue Kulturleitbild verwiesen. Jetzt ist es da. Was hat es nun für konkrete Folgen?
Im Vorfeld des Prozesses stand unter dem Eindruck der allgemeinen Sparvorgaben vor allem die Frage einer grossen Umverteilung zur Debatte, nämlich: Will sich diese Stadt weiterhin ein Berufsorchester leisten oder nicht. Man ging dabei von der Annahme aus, dass es dann, wenn es das Orchester nicht mehr geben würde, für die übrigen Kulturschaffenden Millionen zu verteilen gäbe. Doch wäre es vollkommen offen, wie die politischen Instanzen über die Verwendung der freigespielten Mittel entscheiden würden und ob sie sie überhaupt weiterhin der Kultur zur Verfügung stellen würden. Bei der Erarbeitung des neuen Leitbildes hat sich nun gezeigt, dass das Orchester in der Stadt nach wie vor einen hohen Stellenwert besitzt, den man nicht preisgeben will.

Ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Erarbeitung einer kommunalen Rechtsgrundlage für die Kulturförderung – eine solche fehlt bisher. Wie wirkt sich das konkret aus, und was sind nun die nächsten Schritte?
Die juristische Seite der Fragen werden wir mit den Fachleuten genauer ansehen müssen. Ein entsprechendes Gesetz soll festlegen, dass Kulturförderung ein Kernelement des Service public darstellt. Damit erhält das Bekenntnis zur Kulturstadt Winterthur eine verbindliche Basis und die Kultur eine Stärkung. Das entspricht einer Erkenntnis, die in den Workshops zur Erarbeitung des Leitbildes gewonnen wurde.

Anfang 2014 wurden die Subventionsverträge mit den Institutionen provisorisch um ein Jahr verlängert. Wie lange sind sie jetzt noch gültig?
Die laufenden Verträge sind noch bis Ende 2016 gültig. Wir konnten den Gemeinderat davon überzeugen, dass die Verträge mindestens eine Laufzeit von drei Jahren haben müssen. Denn die Vertragspartner sind selbst Arbeitgeber, denken Sie etwa an das Fotomuseum, oder ihr Budgetjahr ist saisonal, lappt also über das Kalenderjahr hinaus. Die Verhandlungen für die neuen Subventionsverträge beginnen noch in diesem Jahr.

Da sind also jetzt nur noch kleine Veränderungen zu erwarten.
Das kann ich so nicht sagen. Es steht eine Neubeurteilung durch den Grossen Gemeinderat bevor. Aber wenn die Weichenstellung, wie sie im Kulturleitbild vorgegeben ist, beherzigt wird, so werden wohl die ganz grossen Umwälzungen ausbleiben.

Das Leitbild setzt den Schwerpunkt bei den Museen und bei der Musik. Welchen Stellenwert hat das Theater Winterthur?
Das Theater ist ein städtischer Betrieb und als solcher Bestandteil des städtischen Budgets. Das bleibt so, bis der Gemeinderat unter Umständen etwas anderes beschliesst. Zur hängigen Motion, die von uns verlangt, dass wir die Auslagerung überprüfen, haben wir Vorschläge eingereicht. Die muss der Gemeinderat nun diskutieren. Wenn es denn zu einer Auslagerung kommen sollte, ist es für uns klar, dass es einen Subventionsvertrag mit dem Theater ­geben muss.

Aber der Umstand, dass das Theater unter den Schwerpunkten nicht vorkommt, weist darauf hin, dass die Stadt für das Theater in Zukunft weniger Geld ausgeben möchte.
Das ist ja bereits heute der Fall. Das Theater Winterthur hat im Rahmen der Sparprogramme Effort 14+ und Balance bereits einen grossen Sparbeitrag geleistet, unter anderem durch die Verkürzung der Saison.

Das überarbeitete Museumskonzept ist für April angekündigt. Der wesentliche Punkt steht jetzt schon im Kultur­leitbild: Die von der Stadt unterstützten Museen sollen unter einer betrieblichen Leitung zusammengefasst werden. Was sind hier die nächsten konkreten Schritte?
Der Stadtrat muss das Konzept verabschieden, das ist der wichtigste Punkt, damit die Umsetzung beginnen kann. Es gibt drängende Probleme, die wir jetzt ­zügig angehen sollten.

Welches sind die wichtigsten Probleme?
Zum einen geht es um die Zukunft des Museums Oskar Reinhart. Zum andern stellt sich die Frage, wann das Geschäft betreffend Villa Flora wieder aufgenommen wird. Ferner gilt es zu regeln, wie die Bilder der Stiftung Briner in Zukunft gezeigt werden. Das Dach des ganzen Konstrukts soll der Kunstverein bilden, daran hat sich nichts geändert.

Erstellt: 06.04.2015, 10:19 Uhr

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