Winterthur

Spielzeugschiffe der preussischen Prinzen in Winterthur entdeckt

Nach «Petit Prince»-Skizzen und dem Schmuck der mexikanischen Kaiserin vermeldet die Stefanini-Stiftung einen weiteren bemerkenswerten Fund.

Offenbar noch schwimmfähig: Zehn der insgesamt 13 Schiffe aus royalem Nachlass. Foto: Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte

Offenbar noch schwimmfähig: Zehn der insgesamt 13 Schiffe aus royalem Nachlass. Foto: Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte

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Vor einigen Monaten startete die Winterthurer Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte des verstorbenen Sammlers Bruno Stefanini eine professionelle Aufarbeitung der gesammelten Objekte. Und offenbar scheinen die Experten nur da eine verschlossene Türe und dort eine verstaubte Truhe öffnen zu müssen und schon fliegt ihnen eine Trouvaille zu. Beim neuesten Fund handelt es sich um ein «spannendes Konvolut von Spielzeugschiffen», wie auf der Website der Stiftung zu lesen ist.

Die 13 Metall-Schiffe, die teils mit einem Schlüssel aufgezogen oder an einer Schnur übers Wasser gezogen wurden, bespielten einst zwei kleine Buben mit royalem Hintergrund: Wilhelm von Preussen und Louis Ferdinand von Preussen, ihres Zeichens Prinzen und Enkel von Wilhelm II., dem letzten deutschen Kaiser.

Ans Militär gewöhnen

Die Modelle seien historischen Schiffen der kaiserlichen Marine nachempfunden, schreibt die Stiftung. Und die Objekte seien historisch interessant, da sie die militärisch ausgerichtete Erziehung der Preussen aufzeigten. Die kleinen Prinzen sollten so schon früh mit dem Militär vertraut gemacht werden.

Die beiden kleinen Prinzen Wilhelm und Louis Ferdinand wurden mit den Schiffen ans Militär gewöhnt. Bild: SKKG

Prinz Wilhelm von Preussen (1906–1940) absolvierte denn auch eine militärische Laufbahn. Er nahm 1940 am Frankreichfeldzug der Wehrmacht teil, wurde verwundet und starb in einem Feldlazarett. Die grosse Anteilnahme der Bevölkerung führte zum sogenannten Prinzenerlass: Adolf Hitler entband alle Prinzen der bis 1918 regierenden Fürsten- und Königshäuser vom Dienst in der Wehrmacht.

Von diesem Erlass profitierte der jüngere Bruder Prinz Louis Ferdinand von Preussen (1907–1994), der als Oberleutnant der Luftwaffe nicht einrücken musste. Von ihm ist bekannt, dass er Verbindung zum Widerstand unterhalten haben soll. Seine genaue Rolle in der NS-Zeit wurde in verschiedenen Gutachten aber unterschiedlich beurteilt.

Wie die Spielzeug-Schiffe der zwei Prinzen in Bruno Stefaninis Besitz gelangten, ist nicht bekannt.

Schlagzeilen weltweit

Erst vor einem Monat gab die Stiftung den Fund von vier Schmuckstücken bekannt, die der Prinzessin Charlotte von Belgien, Kaiserin von Mexiko, gehörten. Das Ensemble aus Diadem, Collier, Haarkamm und Brosche zählt 89 Smaragde, die 400 Karat wiegen.

Und im August meldete die Stiftung, die heute unter der Führung der Gründer-Tochter Bettina Stefanini steht, dass Skizzen des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry für sein bekanntestes Werk, den Kleinen Prinzen, aufgetaucht seien. Die Meldung machte international Schlagzeilen.

Erstellt: 01.11.2019, 10:25 Uhr

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