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Time out mit…«Wir erklären den Kindern: Das haben auch wir noch nie erlebt»

Simone Niggli-Luder war die beste Orientierungsläuferin der Schweiz. Zur Zeit muss sie zwischen Homeschooling und Athletenbetreuung vor allem eines: Flexibel bleiben.

Simone Niggli-Luder ist 23-fache Weltmeisterin. 2013 trat sie vom Wettkampfsport zurück.
Simone Niggli-Luder ist 23-fache Weltmeisterin. 2013 trat sie vom Wettkampfsport zurück.
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«Eigentlich wäre ich im Endspurt. Beim abgesagten OL-Weltcup-Saisonauftakt vom 20. bis zum 24. Mai in Neuenburg hätte ich die technische Leitung innegehabt. Obwohl wir in der Vorbereitung sehr weit waren, mussten wir Mitte März coronabedingt kapitulieren. Zum Glück war nicht alles für die Katz. Von der IOF, dem internationalen OL-Verband, haben wir die Zusage erhalten für nächstes Jahr.

Von der aktuellen Situation betroffen bin ich auf diversen Ebenen. Mit der Familie, im Homeschooling unserer drei Kinder und der Aufgabe von meinem Mann Matthias und mir, die Kinder altersgerecht zu informieren. Wir sagten ihnen: So etwas haben auch wir noch nie erlebt. Wir betonen das Wesentliche. Statt im Café einer Behindertenstiftung einen halben Tag zu bedienen, gehe ich jetzt dort putzen. Das ist nicht das, was ich mir wünsche, aber es nützt wenigstens etwas. Auf Eis gelegt ist auch die wöchentliche Spinning-Lektion, die ich leite.

Und natürlich fehlt der OL. Die Saison war Anfang März eben angelaufen. Für jedes Wochenende waren Wettkämpfe geplant. Der ganzen Familie fehlt nun etwas. Auch die Kontakte. Die Möglichkeit zum Plaudern, das Persön­liche – und natürlich die Wettkämpfe. Unsere Älteste, sie ist 11, hat begonnen zu chatten. Als Familie behelfen wir uns so gut wie möglich. Matthias als langjähriger Chef des Nationalteams ist erprobt im Organisieren. Er kreiert OL-Trainings für die Familie in den umliegenden Wäldern. Das ist wertvoll, aber eben doch nicht das Gleiche. Froh bin ich über unsere Möglichkeiten in der Schweiz. Wir dürfen raus.

Spezieller ist es für Spitzensportler. Ich spüre auch bald sieben Jahre nach meinem Rücktritt, wie sich das anfühlt. Diese Ausnahmesituation verlangt viel. Es gilt, neue Ziele zu definieren. «Meine» Athletinnen und Athleten lasse ich an meinem Emp­finden teilhaben. Zum Beispiel Elena Roos, die Nationalteamläuferin, die ich betreue. Mit ihr definierte ich ein physisches ­Alternativprojekt. Ende Monat will sie in einem Testlauf über 5000 Meter auf der Bahn eine klare neue Bestzeit aufstellen.

Fragen stellen wir uns zu unserem Familienabenteuer. Letzten Herbst entschieden wir, in diesem Sommer für ein Jahr nach Schweden zu ziehen. Ich werde am OL-Gymnasium in Hallsberg als Coach arbeiten, Matthias kann seine OL-Projekte für die IOF auch von dort machen. Und die Kinder besuchen die Schule. Geplant ist, dass wir Mitte Juli mit einem Kleinbus hochfahren. Aber auch diesbezüglich müssen wir flexibel bleiben.»