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AfD entlässt langjährigen Sprecher«Wir können die nachher immer noch alle erschiessen»

Ein hoher AfD-Funktionär hat in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch über die Vergasung von Migranten gesprochen. Nun handelt die Partei.

Entlassen wegen Berichten über menschenverachtende Äusserungen: AfD-Fraktionschef Alexander Gauland (rechts) distanziert sich von Christian Lüth.
Entlassen wegen Berichten über menschenverachtende Äusserungen: AfD-Fraktionschef Alexander Gauland (rechts) distanziert sich von Christian Lüth.
Keystone

Die AfD-Fraktion im deutschen Bundestag hat ihren früheren Sprecher Christian Lüth nach Berichten über menschenverachtende Äusserungen in der TV-Dokumentation «Deutsch, rechts, radikal» entlassen. Den grössten politischen Sprengstoff im Film birgt das Treffen eines AfD-Spitzenfunktionärs, von dem nicht offiziell bestätigt ist, das es sich um Lüth handelt, mit Lisa Licentia. Die Youtuberin gilt zum Zeitpunkt des Gesprächs als Star der rechtsextremen identitären Bewegung und wird von der Partei hofiert. Was der AfD-Funktionär nicht weiss: Licentia will sich offenbar von den Identitären und der AfD lossagen – sie sind ihr nun doch zu extrem.

Licentias Treffen mit dem AfD-Funktionär wird am 23. Februar 2020 ohne dessen Wissen mit versteckter Kamera gefilmt. Aus rechtlichen Gründen wird er in der Doku nicht namentlich genannt und auch nicht im Bild gezeigt. Klar wird einzig, dass es sich um jemanden handelt, der in der Bundestagsfraktion der AfD an wichtiger Position tätig ist, zumindest zum Zeitpunkt des Gesprächs.

Dieses wurde für den Film als Nacherzählung aufbereitet. Im Glauben mit Licentia auf gleicher Wellenlänge zu sein und sie zur Mitarbeit bewegen zu können, äussert sich der Funktionär zur Strategie der Partei – und das zunehmend in schärferem Tonfall: «Wir müssen dafür sorgen, dass es Deutschland schlecht geht.» Warum? «Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD. Das ist natürlich scheisse, auch für unsere Kinder. Aber wahrscheinlich erhält uns das.»

Gauland distanziert sich

Seine Gesprächspartnerin fragt ihn dann laut dem Bericht, ob es in seinem Interesse wäre, dass noch mehr Migranten kommen. Darauf sagt der Parteifunktionär: «Ja. Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschiessen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!»

«Zeit online» will Lüth enttarnt haben und begründet die Namensnennung mit dem «besonderen öffentlichen Interesse». AfD-Fraktionschef Alexander Gauland sagt zur Enthüllung: «Die Herrn Lüth zugeschriebenen Äusserungen sind völlig inakzeptabel und in keiner Weise mit den Zielen und der Politik der AfD und der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag vereinbar.»

Lüth war nach der Gründung der AfD erst Sprecher der Partei und später Pressesprecher der Bundestagsfraktion. Im Frühling wurde er freigestellt, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, er habe sich als «Faschist» bezeichnet. Zuletzt war er offenbar für eine andere Funktion in der Fraktion im Gespräch.

nlu