10'000 Menschen in Moldawien demonstrieren gegen Bankenskandal

In der kleinen Republik Moldawien haben tausende Menschen gegen den Verlust von einer Milliarde Dollar durch dubiose Transaktionen mehrerer Banken demonstriert. An dem Protest im Zentrum der Hauptstadt Chisinau beteiligten sich am Sonntag etwa 10'000 Menschen.

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Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Polizeiangaben. In Sprechchören wandten sich die Demonstranten gegen Korruption und forderten den Rücktritt des Generalstaatsanwalts sowie mehrerer Richter des Obersten Gerichtshofs und von Politikern, die in den Skandal verwickelt sein sollen.

Im April hatte die Zentralbank des Landes festgestellt, dass drei Banken Kredite im Gesamtumfang von einer Milliarde Dollar gewährt hatten, die nun offenbar verschwunden sind. Wer die Kredite bekam, die 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der armen Ex-Sowjetrepublik entsprechen, wurde nicht mitgeteilt. In dem Bericht eines Parlamentsausschusses wird Presseberichten zufolge vermutet, dass ein Teil des Geldes bei russischen Banken landete.

Bei den drei Geldinstituten - Banca de Economii, Banca Sociala und Unibank - sind etwa ein Drittel der Bankguthaben in Moldawien angelegt, darunter auch Gelder für Pensionszahlungen. Die beanstandeten Transaktionen wurden offenbar innerhalb weniger Tage kurz vor den Parlamentswahlen im November getätigt, bei der das proeuropäische Lager einen knappen Sieg über die prorussischen Parteien errang.

Die dubiosen Kreditgeschäfte drohten den gesamten Bankensektor des 3,5-Millionen-Einwohner-Staates zu destabilisieren. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein, zwei Verdächtige, deren Identität nicht öffentlich gemacht wurde, wurden festgenommen. Zudem wurden die Guthaben von weiteren Verdächtigen eingefroren.

Moldawien ist das ärmste Land Europas. Ähnlich wie die benachbarte Ukraine ist es zerrissen zwischen einer engeren Anbindung an die Europäische Union und einer Hinwendung zu Russland. Seit Juli 2014 ist die frühere Sowjetrepublik mit der EU durch ein Assoziierungsabkommen verbunden.

(sda)

Erstellt: 04.05.2015, 01:11 Uhr

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