Arbeitslose: Historisch tiefe Quote im Juli

Ende des letzten Monats waren 97'578 Personen bei den RAV als arbeitslos eingeschrieben. Die Seco-Ökonomen geben eine Prognose fürs ganze Jahr ab.

97'578 Personen waren Ende Juli bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos eingeschrieben. Foto: Gaetan Bally/Keystone

97'578 Personen waren Ende Juli bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos eingeschrieben. Foto: Gaetan Bally/Keystone

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Der Schweizer Arbeitsmarkt trotzt der Eintrübung des Konjunkturumfeldes. Die Arbeitslosenquote verharrt auf historisch tiefem Niveau und dürfte auch weiterhin tief bleiben - auch wenn nun im Juli die saisonale Wende eingetreten ist.

Im Juli verharrte die Arbeitslosenquote bei 2,1 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mitteilte. «Es zeichnet sich ab, dass der Boden allmählich erreicht ist», sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Seco, an einer Telefonkonferenz vom Freitag. Die Arbeitslosigkeit dürfte nun zunehmen. Schuld daran ist aber nicht die Konjunktur, sondern die Jahreszeit.

Bis zur Jahresmitte drückt der saisonale Effekt die Arbeitslosigkeit üblicherweise: Auf dem Bau und im Gastgewerbe gibt es mehr Arbeit. Wenn sich im Spätsommer Schul- und Lehrabgänger auf die Jobsuche machen, steigen die Arbeitslosenzahlen dann wieder.

Auch diesen Juli erhöhten sie sich saisonal bedingt, allerdings nur geringfügig. Ende Juli waren 97'578 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos eingeschrieben. Das sind 0,4 Prozent mehr als im Juni und zugleich 8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. «Die aktuelle Zunahme der Arbeitslosigkeit ist nicht sehr ausgeprägt und liegt unter unseren Erwartungen», sagte Zürcher. Die Erholung am Arbeitsmarkt setze sich fort, verlangsame sich aber ein wenig.

Im Kanton Bern liegt die Arbeitslosenquote mit 1,6 Prozent deutlich unter der schweizweiten Quote.

Schwierigeres Fahrwasser für Industrie

Zuletzt hatten Frühindikatoren eine Eintrübung der Wirtschaft signalisiert. Das KOF-Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich zeigt eine unterdurchschnittliche Dynamik an.

Besonders die Industrie leidet unter den Folgen des von den USA angezettelten Handelsstreits mit China und der EU. So fiel auch der Einkaufsmanagerindex (PMI) auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Dieser gilt als wichtiger Vorlaufindikator für die Industrie.

Auch die Seco-Ökonomen erwarten, dass die Schweizer Wirtschaft ihr Wachstumstempo in diesem Jahr drosseln dürfte. Sie rechnen gemäss ihren im Juni aktualisierten Prognosen damit, dass die Schweizer Wirtschaft 2019 noch um 1,2 Prozent wächst - das wäre noch halb so schnell wie im letzten Jahr. Damals sei das Wachstum allerdings überdurchschnittlich gewesen, sagte Zürcher. «Wir sprechen daher von einer Normalisierung.»

Gute Aussichten für den Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote dürfte bis Jahresende tief bleiben. Laut der Seco-Prognose soll sie für das ganze Jahr 2019 bei 2,4 Prozent liegen. Derzeit beträgt die saisonbereinigte Quote 2,3 Prozent.

Auch die offenen Stellen deuten auf gute Aussichten am Arbeitsmarkt hin: Die Zahl der den Arbeitsämtern gemeldeten offenen Stellen stieg im Juli um 2,8 Prozent auf 38'236. Rund zwei Drittel der jetzt im Juli gemeldeten Jobs fielen allerdings unter die Meldepflicht, die vor einem Jahr für Berufsarten mit einer Arbeitslosenquote von mindestens 8 Prozent eingeführt wurde.

Für eine grosse Auswahl an offenen Stellen spricht aber auch der KOF-Beschäftigungsindikator. Laut diesem Anfang August veröffentlichten Indikator plant eine Mehrheit der Firmen in inlandorientierten Branchen, in den nächsten Monaten ihre Beschäftigung zu erhöhen.

Auch wenn sich die Konjunktur noch stärker eintrüben würde, schlüge dies erst spät auf den Arbeitsmarkt durch: Unter anderem aufgrund von Kündigungsfristen machten sich Abschwünge erst mit einer Verzögerung von ein, zwei oder manchmal sogar drei Quartalen bemerkbar, sagte Zürcher.


Die Schweiz ist nur noch Mittelmass Bei der Erwerbslosenquote sind wir auf Rang 18 abgerutscht. Da gibt es Länder, die viel besser als die Schweiz dastehen.




(aru/sda)

Erstellt: 09.08.2019, 09:30 Uhr

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