«Bleiben Sie zu Hause!» – Schweizer Firmen warnen vor Virus

Novartis, ABB und Schindler haben Filialen in der abgeriegelten Metropole Wuhan. Sie sorgen sich um ihre Kollegen. Laut dem EDA leben acht Schweizer in der Stadt.

Gesichtsmasken tragen ist in Wuhan zur Normalität geworden. Foto: Reuters

Gesichtsmasken tragen ist in Wuhan zur Normalität geworden. Foto: Reuters

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Homeoffice machen, Gesichtsmasken tragen und regelmässiges Händewaschen – mit derartigen Empfehlungen versuchen Schweizer Firmen ihre Angestellten in China vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Novartis, ABB und Schindler haben sogar Niederlassungen in der betroffenen Metropole selbst.

«Wir haben eine Abteilung, die verfolgt, wie sich die Situation entwickelt», sagt ein Novartis-Sprecher. Der Vertriebsstandort des Pharmakonzerns in Wuhan ist derzeit wegen des chinesischen Neujahrsfestes ohnedies geschlossen. Um die Beschäftigten in ganz China möglichst gut zu schützen, hat Novartis ihnen empfohlen, von zu Hause aus zu arbeiten, und Informationsblätter mit Hygienehinweisen verteilt. Pandemiepläne wie diese hat das Unternehmen für den Ernstfall bereits in der Schublade.

«ABB sind gegenwärtig keine Infektionen bei eigenen Mitarbeitenden bekannt.»Sprecher ABB

Der Technologiekonzern ABB beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter an seinem Verwaltungsstandort in Wuhan – in ganz China hat ABB 20’000 Beschäftigte. Die Produktion in dem wichtigen Markt sei von dem Ausbruch bislang nicht beeinflusst, sagt ein Sprecher. Ebenso dürfte sich nach den zuletzt vorliegenden Informationen kein Mitarbeiter angesteckt haben. Reisen nach Wuhan hat die Firma ihren Beschäftigten aber entsprechend der Anweisung der chinesischen Regierung untersagt. Bislang sind am Virus fast 600 Menschen erkrankt, 17 Menschen kamen ums Leben.

Schindler rät von Reisen nach Wuhan ab

Der Aufzughersteller Schindler ist ebenfalls mit einer eigenen Niederlassung in Wuhan vertreten. Der Konzern hat einen prestigeträchtigen Auftrag als Hauptlieferant für Aufzüge und Rolltreppen für den Wolkenkratzer Wuhan Greenland Center erhalten. Die Mitarbeiter seien weltweit dazu aufgerufen, nur im äussersten Notfall nach China zu reisen.

Nestlé hat ein eigenes Team abgestellt, um die Situation zu beobachten, und ist in engem Kontakt mit den Niederlassungen in den betroffenen Gebieten, sagt eine Sprecherin. Pharmafirma Roche gibt Mitarbeitern, die nach China reisen oder aus dem Land kommen, ebenfalls spezielle Hinweise, erklärt ein Sprecher.

Zu den in Wuhan lebenden Schweizern sagt das EDA zum «Blick»: «Die Schweizer Botschaft in China verzeichnet acht angemeldete Schweizer Staatsangehörige in der Provinz Hubei. Diese leben allesamt in der Stadt Wuhan. Das EDA verfolgt die Lage in China im Zusammenhang mit dem Corona-Virus weiterhin aufmerksam und unterstützt Schweizer Staatsangehörige bei Bedarf im Rahmen des konsularischen Schutzes.»

«Kein Grund zur Panik»

Wuhan in Zentralchina ist ein wichtiges Industriezentrum – vor allem für die Eisen- und Stahlindustrie. Grund dafür ist unter anderem der grosse Binnenhafen am Jangtsefluss und die gute Anbindung an das chinesische Hochgeschwindigkeitsbahnnetz.

Die Schweizer Wirtschaftsverbände haben bislang noch keine Auswirkungen auf die hiesige Wirtschaft festgestellt. Es gebe sicherlich noch keinen «Grund zur Panik», sagt Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft bei Economiesuisse. Heute sei die Welt insgesamt wohl besser auf solche Ereignisse vorbereitet als noch im Jahr 2003 beim Ausbruch von Sars, so Atteslander.Auch hätten die Behörden in China und in weiteren asiatischen Ländernschnell reagiert.

Exportunternehmen mit Geschäften in China sollten sich sehr genau über allfällige Verlautbarungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und auch über Reisehinweise des Bundes informieren, heisst es bei der offiziellen Schweizer Exportförderungsorganisation Switzerland Global Enterprise (S-GE). Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die in China tätig sind, verfügten zudem sehr oft über Vertriebspartner vor Ort. Man rate den KMU generell, sich mit allfälligen lokalen Partnern auszutauschen und sich auch zu überlegen, wie dringlich eine Reise nach China tatsächlich sei, so S-GE-China-Experte Daniel Bont.

Börsen in Asien brechen ein

An den Aktienbörsen hat der Ausbruch der Krankheit jedoch bereits seine Spuren hinterlassen. In der Volksrepublik brachen die Aktien zeitweise um 3,9 Prozent ein – das ist der grösste Kursverlust seit Mai 2019, als US-Präsident Donald Trump mit zusätzlichen Zöllen gedroht hatte. In Hongkong ging es um gut zwei Prozent abwärts, der japanische Nikkei schloss ein Prozent schwächer.

mit Material von awp/sda/Reuters

Erstellt: 23.01.2020, 14:24 Uhr

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