Brexit: Dyson geht nach Singapur, Sony nach Amsterdam

Gleich zwei Weltkonzerne vermelden ihren Wegzug aus Grossbritannien – aus Angst vor einem harten Brexit. Es hagelt Kritik.

James Dyson gilt als Brexit-Verfechter und gibt Asiengeschäfte als Grund für den Wegzug an. (Archiv)

James Dyson gilt als Brexit-Verfechter und gibt Asiengeschäfte als Grund für den Wegzug an. (Archiv) Bild: Alex Heimken/Keystone

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Aus Sorge vor den Konsequenzen eines harten Brexits verlegt der japanische Elektronikkonzern Sony seinen Europasitz von Grossbritannien in die Niederlande. Der Verwaltungssitz von Sony Europe werde bis Ende März von London nach Amsterdam verlagert, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch. Ziel sei es, «umständliche Zollprozeduren zu vermeiden», sollte Grossbritannien ohne ein Abkommen zu den künftigen Beziehungen aus der EU austreten. Auch die Staubsauger-Firma Dyson geht weg, verneint jedoch einen Zusammenhang mit Brexit.

Sony hatte im vergangenen Jahr eine neue Firma in den Niederlanden registrieren lassen und will seinen europäischen Sitz nun dort integrieren. Dabei handelt es sich um einen rechtlichen Schritt, um die europäische Vertretung von Sony «in der EU» zu belassen. Das in Grossbritannien für Sony arbeitende Personal und das tägliche Geschäft sollen nicht verlagert werden.

Sonys Konkurrent Panasonic hatte bereits im vergangenen Jahr seinen Europasitz von Grossbritannien in die Niederlande verlegt - aus Sorge vor Steuerproblemen rund um den Brexit. Grossbritannien soll die EU Ende März verlassen. Zuletzt war im britischen Parlament ein mit der EU ausgehandelter Ausstiegsplan gescheitert, damit droht nun ein ungeregelter Brexit.

Auch Sir James Dyson, einer der prominenten Verfechter des britischen EU-Austritts, zügelt das Hauptquartier seiner Firma ins Ausland – nach Singapur.

Auch die vor allem für ihre beutellosen Staubsauger bekannte Firma Dyson meldet die Verlagerung ihres Hauptquartiers von Grossbritannien nach Singapur. Das habe nichts mit dem Brexit zu tun, heisst es. Kritik in der Heimat hagelt es trotzdem.

Der Grund sei die zunehmende Bedeutung Asiens für das Dyson-Geschäft. In Asien befänden sich inzwischen eine wachsende Mehrheit der Dyson-Kunden und alle Produktionsstandorte, hiess es. Firmengründer James Dyson, der das Unternehmen nach wie vor kontrolliert, gehörte zu den prominenten Befürwortern des Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union.

Dyson arbeitet gerade an einem Elektroauto, das ebenfalls in Singapur gebaut werden soll. An der Investition von umgerechnet 257 Millionen Schweizer Franken in einen Technologiecampus am britischen Flugplatz Hullavington und anderen geplanten Ausgaben in Grossbritannien werde zugleich festgehalten.

Britische Standorte bleiben

Die britischen Standorte würden «auch in Zukunft das Kernzentrum der kreativen und ingenieurwissenschaftlichen Leistungen von Dyson sein». Die Produktion in Grossbritannien habe Dyson bereits 2003 eingestellt, schrieb die «Financial Times». Zugleich hiess es, mit der Verlagerung der Firmenzentrale würden nur zwei Topmanager nach Singapur umziehen: Der Finanzchef und der Chefjurist.

Für das Autoprojekt kommt der Nissan-Manager Roland Krüger an Bord, der dort für die Oberklasse-Marke Infiniti zuständig war. Auch er wird in Singapur arbeiten. Von britischen Oppositionspolitikern kam heftige Kritik an dem Umzug der Firmenzentrale. So warf der Labour-Abgeordnete Wes Streeting James Dyson «Heuchelei» vor: Er habe kein Gefühl der Verantwortung gegenüber seinen Arbeitern oder seinem Land. Sir James selbst äusserte sich nicht zu den Plänen.

Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte Dyson den Umsatz um 28 Prozent auf 5,6 Milliarden Franken. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um rund ein Drittel auf 1,4 Milliarden Franken, wie Dyson ebenfalls am Dienstag mitteilte. (sep/sda/afp)

Erstellt: 23.01.2019, 09:59 Uhr

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