Chef von Problemfirma Publibike geht

Millionenverluste, Pannen und Dauerkritik – nun wechselt bei der Postauto-Tochter die Leitung.

Verlässt auf Ende Jahr Publibike: Bruno Rohner an der Eröffnung des Veloverleihsystem «Velo Bern». (28. Juni 2018)

Verlässt auf Ende Jahr Publibike: Bruno Rohner an der Eröffnung des Veloverleihsystem «Velo Bern». (28. Juni 2018) Bild: Keystone

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Immer wieder steht der Veloverleih Publibike in der Kritik. Die Negativschlagzeilen der Firma, die zu Postauto gehört, handeln von geknackten Veloschlössern, tiefroten Geschäftszahlen und Klagen von Konkurrenten. Auf Publibike-Geschäftsführer Bruno Rohner lastete ein enormer Druck. Er leitete den Veloverleih seit Oktober 2015 und verlässt nun das Unternehmen «per Ende 2018», wie Publibike schreibt. Es sei sein Entschluss gewesen, heisst es mit Verdankung seiner Leistung. Interimistisch übernimmt der bisherige Stellvertreter Tobias Ebinger die Leitung.

Bereits im Juni kam es bei Publibike zu einem prominenten Abgang. Verwaltungsratspräsident Roman Cueni musste per sofort gehen. Er war gleichzeitig Geschäftsleitungsmitglied von Postauto und wurde wie alle anderen im Gremium wegen der Subventionsaffäre freigestellt.

Umkämpfter Zukunftsmarkt

Mit dem Postauto-Skandal wurde auch bekannt, wie es um die Publibike-Finanzen steht. Aus dem Untersuchungsbericht zur Aufarbeitung der Affäre ist zu entnehmen, dass der Veloverleih von 2012 bis 2015 einen Verlust von 3,8 Millionen Franken anhäufte.

Die Angelegenheit ist pikant, denn mehrere Anbieter buhlen im Zukunftsmarkt Veloverleih um Kunden – darunter O-Bike, Velospot, Lime oder Smide. O-Bike ging im Sommer pleite und stellte den Betrieb ein. Konkurrenten werfen Postauto vor, mit Publibike den Markt zu verzerren, denn diese will sich hauptsächlich durch die Einnahmen aus dem Veloverleih finanzieren. Dazu sollen Gelder von Sponsoren und der Vermarktung von Werbeflächen am Fahrrad kommen.

Der Beitrag der Gemeinden ist auf ein Minimum beschränkt. «Das Geschäftsmodell kann nicht aufgehen», kritisiert François Kuonen von Intermobility (Velospot). Er ist überzeugt, es brauche mehr Einnahmen von den Städten. «Dies zeigen unsere Erfahrungen, aber auch die Beispiele aus dem Ausland», sagt Kuonen. Im französischen Lyon würde die Region 4000 Euro pro Velo und Jahr zahlen.

Laut Post gibt es keine Hinweise auf eine Quersubventionierung von Publibike durch Postauto. Die Finanzierung erfolge über einen Kreditvertrag mit der Post.

Der Druck auf Publibike-Chef Rohner nahm in den letzten Wochen zu, wie Recherchen dieser Zeitung zeigen. Kunden meldeten Probleme mit der Technik und telefonierten genervt der Hotline. Und diese Woche betrieb ein früherer Entwicklungspartner Publibike wegen offener Rechnungen von «einigen 100 000 Franken». Gleichzeitig wächst der Druck im Markt: Grosskonzerne wie Google und Uber drängen immer stärker ins Geschäft mit der Mikromobilität, also mit Velos und E-Trottinetts.

Erstellt: 22.12.2018, 08:15 Uhr

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