Das taugt das Gratis-Internet in den SBB-Zügen

Die SBB bieten ab sofort kostenloses Internet auf zwei Linien des Fernverkehrs an. Das Angebot hat allerdings einen Haken.

Gratis surfen: Verläuft der Test erfolgreich, wollen die SBB das Angebot auf den Regionalverkehr ausweiten.

Gratis surfen: Verläuft der Test erfolgreich, wollen die SBB das Angebot auf den Regionalverkehr ausweiten. Bild: Christof Schuerpf/Keystone

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Der fehlende Gratis-Zugang zum Internet in den SBB-Zügen war lange ein Ärgernis für Schweizer Pendler, die sich von ausländischen Bahngesellschaften anderes gewohnt waren. Nun gibt es keinen Grund zur Klage mehr: Heute haben die Bundesbahnen mit dem Technologietest für «SBB Freesurf» begonnen. Das kostenlose Angebot ist in erster Linie fürs Smartphone gedacht.

Erhältlich ist «SBB Freesurf» auf 44 Intercity-Neigezügen, die mehrheitlich auf den Linien IC5 und IC51 von Zürich bis Genf, St.Gallen bis Lausanne sowie Basel bis Biel-Bienne verkehren. Dabei setzt die SBB auf die Mobilfunkversorgung entlang der Bahnstrecken, um die Verbindung zum Internet herzustellen. Es handelt sich also nicht um ein drahtloses lokales Netzwerk (Wlan), wie es in den meisten Haushalten eingerichtet ist.

Swisscom-Kunden ausgeschlossen

Beim Test mitmachen können jedoch nur Pendler, die Mobilfunkkunden bei Sunrise oder Salt sind. Marktführer Swisscom hat sich entschieden, nicht mit der SBB zusammenzuarbeiten. Damit sind etwa zwei Drittel der 11 Millionen Mobilfunkanschlüsse vom kostenlosen Internet in den Zügen ausgeschlossen. Das Unternehmen biete bereits eine sehr gute Abdeckung mit Mobilfunk an, begründet die Swisscom ihren Entscheid.

Die SBB wollen aber laut Informatikchef Peter Kummer alle drei Anbieter an Bord haben: «Mit der Swisscom laufen Gespräche. Wir bieten ihr sogar an, die Resultate des Tests zu zeigen.»

Die Redaktion Tamedia konnte heute Morgen das Gratis-Internet auf der Strecke von Biel-Bienne nach Zürich testen. Um gratis zu surfen, benötigt man die App «SBB FreeSurf». Nach erfolgter Anmeldung über die Handy-Nummer und Aktivierung via SMS erhält der Nutzer eine Bestätigung, dass er ab diesem Zeitpunkt kostenlos surfen kann. Beim Verlassen des Zuges oder beim Abschalten der Verbindung erhält der Pendler wieder eine Mitteilung, dass der kostenlose Zugang zum Internet nicht mehr aktiv ist.

Die Installation der App auf einem iPhone mit Sunrise-Abonnement und die Registrierung erfolgen ohne Schwierigkeiten. Die Verbindung zum Internet auf der Teststrecke ist jedoch instabil. Es kommt zu mehreren Unterbrüchen. Vor allem bei der Signalübergabe von einer schnellen 4G-Mobilfunkzelle zum langsameren 3G-Netz geht die Verbindung verloren.

Messungen zeigen Geschwindigkeiten von 16 bis 23 Megabit pro Sekunde an. Zum Vergleich: Um ein Video ruckelfrei zu schauen, sind etwa 10 Megabit pro Sekunde nötig.

Die SBB versprechen, die gesammelten Telefonnummern weder für Werbezwecke weiterzugeben noch damit Bewegungsprofile zu erstellen. «Der Datenschutz ist das höchste Gut, wir können uns als Staatsbetrieb keine Verstösse leisten», sagt Kummer. Zudem habe der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte den Test in dieser Form genehmigt.

Der Test ist auf mehrere Monate ausgelegt. Anschliessend prüfen die SBB, inwiefern sie das Gratis-Internet auf den gesamten Fernverkehr und später auch auf den Regionalverkehr ausweiten wollen. Ausschlaggebend dafür ist, wie intensiv die Kunden das neue Angebot nutzen. Der Ausgang des Versuchs wird ebenfalls entscheiden, ob die SBB den kostenlosen Internetzugang in ihre Haupt-App «SBB Mobile» integrieren.

Wlan für internationale Strecken

Für internationale Zugverbindungen prüfen die SBB hingegen den Einsatz von Wlan. Ab Ende 2019 stehen drahtlose lokale Internetverbindungen in Zugkompositionen der SBB zur Verfügung, die grenzüberschreitend verkehren. Im Gegensatz zur Schweiz sei die Mobilfunkversorgung entlang von Zugstrecken im Ausland weniger gut, heisst es bei den Bundesbahnen. Deshalb mache es in diesem Fall Sinn, auf Wlan zurückzugreifen.

Und so funktioniert es: Spezielle Netzwerkgeräte bündeln die jeweils vorhandenen Mobilfunknetze der verschiedenen Anbieter und erlauben so den mobilen Zugang zum Internet.

Erstellt: 28.05.2019, 12:13 Uhr

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