Er hat einen Job in 125 Meter Höhe

Hauptsache schwindelfrei: Daniel Mader hat einen Arbeitsplatz mit fantastischer Aussicht.

Daniel Mader und sein Team haben einen Beruf mit Aussicht.
Video: Aline Bavier, Sarah Fluck

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«Da oben ist die Aussicht in die Berge traumhaft», sagt Daniel Mader und steigt in den grauen Klettergurt. Er steht dabei am Fuss des 125 Meter hohen Kamins, der als eines der Wahrzeichen der aargauischen Gemeinde Wildegg gilt. Nach dem Kernkraftwerk Leibstadt ist das Bauwerk der Jura-Cement-Fabriken AG das zweithöchste im Kanton. Aus ihm steigt kaum sichtbarer Wasserdampf, der nach der Abwärme der Zementproduktion und dem daraus erzeugten Strom übrig bleibt. «Schwingung bei Sturm: 15 cm», steht auf einem Schild am Fusse des Hochkamins. Mader macht dies wenig Eindruck: Das sei vergleichsweise wenig.

Der 42-Jährige aus Bönigen hatte einst Spengler und Sanitär gelernt und war daraufhin lange als Skilehrer und Sportkletterer aktiv. Inzwischen hat Mader über 10 Jahre Berufserfahrung in der Vertikalen gesammelt und zu diesem Zweck die Movement AG gegründet: «Wir sind Spezialisten für Montagen und Arbeiten an schwer zugänglichen Arbeitsorten – sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe», sagt er. Beim Hochkamin, den Mader und sein Arbeitskollege an diesem Tag erklimmen, steht die jährliche Kontrolle der Aussenliftbefahrung an. «Dies ist eine Art Gondel, die man auch vom Fensterputzen kennt», sagt Mader und erklärt, wie diese genutzt wird, um den Kamin auf Risse zu überprüfen, ihn frisch zu streichen oder um die Aussenbeleuchtung zu kontrollieren, die die Flugzeuge vor dem Turm warnt.

Nie allein

Einsätze in solchen Höhen gibt es für Mader und sein Team rund fünfmal im Jahr. «Nervenkitzel und Angst habe ich keine, doch Respekt ist immer dabei», sagt er. So werde man nicht übermütig. Aus Sicherheitsgründen klettert zudem niemand allein. Im Team könne man sich gegenseitig kontrollieren und habe ein Back-up, falls jemand gerettet werden müsse. «Bei uns war das glücklicherweise noch nie nötig», sagt Mader.

Um den Job auszuführen, sei kein sportlicher Hintergrund notwendig, einzig die sogenannte Ausbildung am hängenden Seil werde verlangt. Zudem sei ein handwerklicher Hintergrund von Vorteil, und auch Höhenangst dürfe man keine haben. Trotzdem würden die meisten seiner Mitarbeiter klettern oder bergsteigen, sagt Mader. Aber er sieht auch Unterschiede: «Zwar sind gewisse Techniken gleich», sagt Mader. «Aber in unserer Arbeit geht es nicht darum, sportlich aktiv zu sein, sondern darum, eine Leistung zu vollbringen.»

Und wo will einer wie Mader noch hinauf? «Ich fände es spannend, bei Umarbeiten einer grossen Schweizer Bergstation mitzuhelfen», sagt er. Und: «Eine Fensterreinigung des Burj-Khalifa-Wolkenkratzers in Dubai würde ich sogar kostenlos durchführen.» Sicher ist: Solange es die Gesundheit noch erlaubt und die Freude an diesem schwindelerregenden Beruf bleibt, wird Mader weiterklettern – hoch hinauf und tief hinunter. (saf/ab)

Erstellt: 16.07.2019, 13:19 Uhr

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