Erste Airline fordert Entschädigung von Boeing

Nach dem Grounding des Typs Boeing 737 Max 8 schickt eine europäische Fluggesellschaft dem US-Hersteller eine gesalzene Rechnung.

Verharren am Boden: Flugzeuge der Typs Boeing 737 Max 8 in Stockholm. (12. März 2019)

Verharren am Boden: Flugzeuge der Typs Boeing 737 Max 8 in Stockholm. (12. März 2019) Bild: Johan Nilsson/Keystone

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Der US-Flugzeugbauer Boeing sieht sich nach dem Absturz einer Maschine von Ethiopian Airlines mit einer ersten Schadenersatzforderung konfrontiert. Als erste Airline fordert Norwegian Air Shuttle von Boeing Schadenersatz wegen des Flugverbots für das Modell 737 MAX nach dem Absturz einer solchen Maschine in Äthiopien.

«Wir erwarten von Boeing, diese Rechnung zu übernehmen», erklärte der Billigflieger am Mittwoch in Oslo. Die Behörden in Europa untersagten am Dienstag den Einsatz der 737 MAX wegen Zweifeln an der Sicherheit, nachdem ein solches Flugzeug am Sonntag zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres kurz nach dem Abflug abgestürzt war.

Norwegian strich am Mittwoch rund drei Dutzend Abflüge aus Skandinavien, buchte die Passagiere um und setze andere Flugzeuge ein. Die finanziell angeschlagene Airline gehört zu den grossen Abnehmern der neuen, spritsparsameren Version der Boeing 737 in Europa. In Branchenkreisen hiess es, auf Boeing kämen nach dem Absturz der Maschine von Ethiopian Airlines hohe Schadenersatzforderungen zu.

Der Konzern und die US-Luftfahrtbehörde FAA betonen bisher, das Flugzeug sei sicher. Die Aufsicht ist im Fall des ersten Absturzes einer 737 MAX in Indonesien im Oktober noch nicht zu einem abschliessenden Ergebnis über die Unglücksursache gekommen. Nach Ansicht der FAA gibt es keine Verbindung zwischen den beiden Abstürzen.

Bei dem Unglück in Äthiopien kamen alle 157 Menschen an Bord ums Leben. Die am Montag am Absturzort gefundene Black Box der Unglücksmaschine soll im Ausland ausgewertet werden.

US-Politiker für Flugstopp

Von den grossen Luftfahrtländern liessen zuletzt nur die USA und Japan Boeing-Maschinen dieses Typs weiter abheben. Auf den Flugzeugbauer und die US-Flugsicherung wächst aber der Druck, zu handeln. Die drei grossen US-Fluglinien Southwest Airlines, American Airlines und United Airlines bekräftigten, sie hätten Vertrauen in ihre Boeing-Flotten. Nach ihren Flugdaten sei das Flugzeug sicher.

Mehrere US-Senatoren, darunter der Vorsitzende des Unterausschusses für Luft- und Raumfahrt im Kongress Ted Cruz, drängen ebenfalls zum Flugverbot. Es wäre klug, die Flugzeuge vorübergehend nicht mehr abheben zu lassen, bis die FAA bestätigen könne, dass sie sicher seien. Der Republikaner Cruz plant eine Anhörung zu den beiden Abstürzen.

In Branchenkreisen hiess es, in Europa hätten ebenfalls Politiker, als erstes in Grossbritannien, die Aufsichtsbehörde zum Handeln getrieben. Deutschland, Frankreich und andere Länder folgten binnen Stunden, ehe die europäische Behörde EASA ihre Schlüsse habe ziehen können. Das sorge für Ärger unter den Aufsichtsbehörden in Europa.

(fal/sda)

Erstellt: 13.03.2019, 11:35 Uhr

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