Generikum kostet 6.95 Franken weniger – aber niemand wills

Obwohl sie wirken wie Originalmedikamente, sind Generika in der Schweiz nicht beliebt. Das Beispiel eines bekannten Schmerzmittels.

Dafalgan 1g kostet pro Packung 25.50 Franken; das wirkungsgleiche Paracetamol 1g nur 18.65 Franken.

Dafalgan 1g kostet pro Packung 25.50 Franken; das wirkungsgleiche Paracetamol 1g nur 18.65 Franken. Bild: pd

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Die Pharmabranche wird nicht müde, zu betonen, dass Originalmedikamente in der Schweiz heute nur noch minim teurer seien als im Ausland. Aktuell beträgt die Differenz sieben Prozent. Das zeigt ein neuer Auslandspreisvergleich, den der Branchenverband Interpharma gemeinsam mit Santésuisse, dem Dachverband der Schweizer Krankenkassen, heute in Bern vorgestellt hat.

Die beiden Verbände verglichen die Schweizer Preise der 250 umsatzstärksten krankenkassenpflichtigen Medikamente mit denjenigen in neun europäischen Ländern. Darunter waren Grossmärkte wie Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien – aber auch Länder wie Österreich, Belgien oder Niederlande, deren Märkte mit der Schweiz zu vergleichen sind.

Die Studie, die bereits zum zehnten Mal durchgeführt wird, stellte fest, dass die Lücke der Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem Ausland kleiner wird. Medikamente waren im Jahr 2018 im Schnitt zwei Prozent weniger teuer als 2017. René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma, rechnet vor, dass die Preissenkungen Einsparungen im Wert von 325 Millionen Franken ermöglichten.

Die Preisannäherungen gelten allerdings nur für bestimmte Arzneimittel. Nachahmerpräparate, sogenannte Generika etwa, sind in der Schweiz im Durchschnitt doppelt so teuer wie im Ausland. Das ist mit ein Grund, weshalb in der Schweiz solche Medikamente weiterhin viel weniger eingesetzt werden als Originalprodukte.

Verena Nold, Direktorin von Santésuisse, sagt: «Bei Generika lässt sich noch viel mehr sparen.» Sie rechnet mit weniger Ausgaben von mehreren Hundert Millionen Franken – ohne Qualitätsverlust – und fordert Regulierungsmassnahmen vom Bund, etwa mit der Einführung eines Referenzpreissystems. Danach würde staatlich festgelegt, wie viel die Krankenkassen für patentabgelaufene Arzneimittel und Generika mit demselben Wirkstoff bezahlen müssten. Will der Versicherte ein teureres Arzneimittel, muss er die Differenz zahlen.

Santésuisse rechnet vor, wie sich in einem solchen System viel Geld einsparen lässt. Zum Beispiel beim Schmerzmittel Dafalgan. 100 Filmtabletten à 1g kosten 25.50 Franken. Das in seiner Wirkung identische Produkt Paracetamol Sandoz 1g ist in derselben Menge für 6.95 Franken weniger zu haben. Doch trotz des deutlich höheren Preises ist Dafalgan viel beliebter: Von diesem Medikament wurden letztes Jahr rund 900'000 Packungen für 23,1 Millionen Franken verkauft; von Paracetamol 1g hingegen nur knapp 65'000 Packungen für 1,2 Millionen Franken. Hätten alle Krankenversicherten das billigere Arzneimittel bezogen, hätte das 7,4 Millionen Franken weniger Kosten verursacht. Dafalgan 1g kostet pro 100 Stück 25.50 Franken; das wirkungsgleiche Paracetamol 1g nur 18.65 Franken.

Warum trotzdem das teurere Produkt gekauft wird, ist mitunter ein Problem des heutigen Systems: Ärzte und Apotheken sind prozentual am Verkauf der Medikamente beteiligt. Das heisst: Je teurer ein Produkt, desto besser für ihre Kasse.

Das zeigt sich auch an den kontinuierlich steigenden Kosten der Arzneimittel. Ende 2008 gaben Versicherte im Schnitt jährlich 609 Franken für Medikamente aus; Ende 2018 waren es 819 Franken. Das ist ein Anstieg von 34,5 Prozent.

Erstellt: 16.04.2019, 09:30 Uhr

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