Lufthansa bietet im letzten Moment für Alitalia

Zuerst Air Berlin, jetzt Alitalia: Die Swiss-Mutter hat der taumelnden italienischen Airline doch noch ein Angebot unterbreitet.

Eine Maschine der Lufthansa vor Alitalia-Flieger auf dem Tarmac des Flughafens von Milan. (Archiv)

Eine Maschine der Lufthansa vor Alitalia-Flieger auf dem Tarmac des Flughafens von Milan. (Archiv) Bild: Antonio Calanni/AP/Keystone

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Nach dem Zuschlag für einen Grossteil der insolventen Air Berlin will sich die Lufthansa Teile der ebenfalls taumelnden Alitalia einverleiben. Auch die britische Fluggesellschaft Easyjet bietet mit.

Die Swiss-Mutter kündigte am Montag kurz vor Ablauf der Bieterfrist ein Angebot für die nationale italienische Fluglinie an. Es sei ein Konzept für eine neu strukturierte Alitalia mit einem fokussierten Geschäftsmodell eingereicht worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. «Damit hat sich die Lufthansa Group gegen die Abgabe eines Angebots für die gesamte Airline entschieden», hiess es weiter.

Belegschaft würde halbiert

Über Details der Offerte sei Stillschweigen vereinbart worden. Den Bericht der Tageszeitung «Corriere della Sera», nach dem der deutsche Branchenprimus 500 Millionen Euro für Flugzeuge samt Crews und Verkehrsrechte der Alitalia ausgeben will, kommentierte die Lufthansa nicht.

Die Kranich-Airline erklärte, sie interessiere sich für Teile des weltweiten Netzverkehrs und Direktflüge innerhalb Europas. Wie «Corriere della Sera» weiter berichtete, wäre mit dem Plan der Lufthansa eine Halbierung der Belegschaft auf rund 6000 Stellen verbunden. Die derzeit mit dem Management der Airline betrauten Staatskommissare lehnten den Plan der Lufthansa ab.

Mehr Zeit für Abschluss

Die Regierung hatte erst vergangene Woche betont, Alitalia als Ganzes verkaufen und nicht den Flugbetrieb von den Bodendiensten trennen zu wollen. Allerdings scheint fraglich, ob es überhaupt jemanden gibt, der Alitalia als Ganzes übernehmen würde – die Fluggesellschaft gilt als unsanierbar. Der Billigflieger Ryanair hatte Ende September sein Interesse zurückgezogen.

Easyjet bekundete zwar gemäss einer Mitteilung vom Montagabend ebenfalls Interesse. Allerdings will auch die britische Billigfluggesellschaft nur für bestimmte, zu ihrer Strategie passende Teile von Alitalia bieten.

Bis es zu einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft der seit Jahren in der Krise steckenden Airline kommt, dürfte es ohnehin noch dauern. Am Freitag hatte die Regierung in Rom die Frist für den endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses verschoben: Ende April 2018 soll alles unter Dach und Fach sein.

Mit einer Verlängerung der Laufzeit des Brückenkredits von November dieses Jahres auf September 2018 und 300 Millionen Euro zusätzlich soll die Linie in der Luft gehalten werden. Spekuliert wird, dass eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Airline so lange hinausgezögert wird – und der Staat die Linie so lange am Leben hält –, bis Italien ein neues Parlament wählt. Derzeit wird der 4. März als möglicher Wahltermin gehandelt.

Insolvenz im Frühjahr

Die immer wieder strauchelnde Alitalia, die so wie Air Berlin die arabische Fluggesellschaft Etihad als Grossaktionär hat, wird seit dem Frühjahr mit einem öffentlichen Überbrückungskredit gestützt. Das Geld, das nach Medienberichten noch nicht angetastet werden musste, soll erst Ende September 2018 zurückgezahlt werden.

Die italienische Fluggesellschaft musste im Frühjahr in Insolvenz gehen, nachdem die Mitarbeiter sich gegen einen von Gewerkschaften und Management ausgehandelten Rettungsplan gestellt hatten. Der Sanierungsplan sah den Abbau von 1700 Jobs beim Bodenpersonal und die Kürzung der Gehälter beim Flugpersonal von acht Prozent vor.

Die Lufthansa wurde schon vor Monaten als Käufer ins Spiel gebracht. Doch der deutsche Konzern lehnte es ab, die einstige Staats-Fluglinie mit ihren milliardenhohen Schulden zu übernehmen. Nun habe die Lufthansa ein Konzept für eine neu strukturierte «NewAlitalia» vorgelegt.

Mehrere Übernahmen

In der vergangenen Woche hatte sich die Lufthansa mit Air Berlin auf eine Übernahme von rund 80 der insgesamt gut 130 Flugzeuge der zweitgrössten deutschen Fluglinie geeinigt. Damit soll vor allem die Flotte der Billigtochter Eurowings von 160 auf 210 Flugzeuge ausgebaut werden.

In den vergangenen Jahren hatte der Kranich schon die Schweizer Swiss, die belgische Brussels Airlines und die österreichische Austrian Airlines unter seine Fittiche genommen. Italien ist für die Lufthansa der zweitwichtigste Auslandsmarkt nach den USA. Ihr Marktanteil ist hier noch gering.

(mch/sda)

Erstellt: 16.10.2017, 19:48 Uhr

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