Nun könnte es auch für Schweizer Bankkunden teuer werden

Die EZB hat ihre Negativzinsen weiter gedrückt. Schweizer Banken überlegen sich bereits, ob und wie sie Kunden stärker belasten.

Wer viel Bargeld auf seinem Konto hat, muss sich auf höhere Strafzinsen einstellen.

Wer viel Bargeld auf seinem Konto hat, muss sich auf höhere Strafzinsen einstellen. Bild: Martin Ruetschi/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die EZB legt vor, nun sind alle Augen auf die Schweizerische Nationalbank gerichtet: Wird auch sie ihren Negativzins weiter absenken von derzeit 0,75 Prozent? Bankkunden dürften in diesem Szenario stärker als bisher zur Kasse gebeten werden. «Wir werden mehr machen, sollte die SNB ihre Negativzinsen verschärfen», sagt ein Topmanager einer Grossbank. Noch sei aber nichts entschieden.

«Es gibt grundsätzlich mehrere Optionen, wie Banken reagieren können», erklärte Jörg Gasser, Geschäftsführer der Schweizerischen Bankiervereinigung auf einer Medienkonferenz. «Die Banken machen nichts oder sie reichen die negativen Zinsen an die Kunden weiter.»

Zudem würde in der Branche derzeit eine dritte Variante diskutiert. Diese sähe so aus, dass Banken ihren Kunden die Negativzinsen voll belasten. Banken wiederum liefern das Geld bei der Nationalbank ab. Ziel der Negativ-Zinsen sei aber primär, ausländische Gelder aus dem Frankenraum fern zu halten. Schweizer Sparer stehen nicht im Fokus. Daher würde erwägt, ob Schweizer Bankkunden die Zahlung von Negativzinsen steuerlich geltend machen können.

Bisher werden nur hohe Vermögen belastet

Derzeit belasten Banken ihre Endkunden nur in Ausnahmefällen, Kleinsparer sind bisher ausgenommen. Die UBS zum Beispiel verlangt ab November einen Strafzins von 0,75 Prozent, wenn ein Privatanleger Barbestände von mehr 2 Millionen Franken hält. Laut Bloomberg verlangt die Credit Suisse eine Abgabe von 0,4 Prozent ab einem Barvermögen von 1 Million Franken. Bei der Postfinance werden Strafgebühren ab 500’000 Franken fällig.

Die Bankiervereinigung betont, dass sie keine Empfehlung dazu aussprechen werde, ob und wie Banken steigende Negativzinsen an Kunden überwälzen können. «Das ist eine Entscheidung jeder Bank», betonte Geschäftsführer Gasser. Auch gäbe es derzeit noch keine Gespräche darüber, wie das Rückvergütungsmodell umgesetzt werden könne. Die SNB wollte auf Anfrage zu den Überlegungen keine Angaben machen.

Negativzinsen kosten Milliarden

Derzeit zahlen Schweizer Banken 2 Milliarden Franken pro Jahr wegen der Negativzinsen an die SNB, rechnete Bankenverbandspräsident Herbert Scheidt vor. «Das sind rund 5 Prozent der Bruttozinseinnahmen», das würde die Banken stark belasten. Sollte die SNB ihre Negativzinsen verschärfen, käme das die Banken noch teurer.

Schon jetzt sei ihr Schaden für die gesamte Volkswirtschaft grösser als der Nutzen. «Wir sind durchaus an diesem Punkt angekommen», sagte Scheidt. So würden Pensionskassen in riskantere Anlagen gedrängt, um überhaupt noch etwas Rendite zu erwirtschaften. Auf der anderen Seite «bleiben die erhofften zinsinduzierten Wachstumsimpulse aus». Stattdessen würden die Negativzinsen zu einem Risiko für die Altervorsorge. «Ein nochmaliges Herabsetzen des Zinses würde diese Problematik weiter verschärfen», warnte Scheidt.

Es sei besser, die Schweizer Notenbank würde mit Devisenmarktinterventionen gegen die Frankenstärke vorgehen, als die Negativzinsen weiter zu verschärfen, argumentierte Scheidt.

Notenbank kontert die Kritik

Die SNB kennt diese Kritik. Notenbank-Chef Thomas Jordan hatte bereits im Frühjahr dazu Stellung genommen. Würde die SNB im Alleingang die Zinsen erhöhen, so hätte dies negative Folgen für die Wirtschaft, weil der Franken stark aufwerten würde, argumentierte er.

Trotz positiver Leitzinsen, würden die langfristigen Kapitalmarktzinsen wegen der verschlechterten Wirtschaftsaussichten sehr tief bleiben. «Dadurch würde das Zinsniveau insgesamt niedrig bleiben, und langfristige Frankenobligationen würden weiterhin tiefe Renditen abwerfen. Unter dem Strich würde sich die Lage von Sparern, Pensionskassen, Lebensversicherungen und Banken also kaum wesentlich verbessern», sagte Jordan.

Erstellt: 12.09.2019, 19:58 Uhr

Artikel zum Thema

Draghi verschärft Negativzins, Trump giftelt – was tut die SNB?

Die Europäische Zentralbank gab die mit Spannung erwartete Entscheidung über die Geldpolitik bekannt. Wir berichteten live. Mehr...

Nationalbank soll Erträge aus Negativzinsen herausgeben

Milliarden von Franken erwirtschaftete die Nationalbank bis heute dank Negativzinsen. Nun werden Forderungen laut, dass sie dieses Geld dem Volk zurückgeben soll. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!