Rezessionsangst schickt die Börsen auf Talfahrt

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession hat die Märkte fest im Griff. Das ist in New York nicht anders als in der Schweiz.

Negative Zahlen: Auch die US-Börse ist diesen Mittwoch abgesackt. Foto: Eduardo Munoz (Reuters)

Negative Zahlen: Auch die US-Börse ist diesen Mittwoch abgesackt. Foto: Eduardo Munoz (Reuters)

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Die Anleger zogen am Mittwoch nach einem Erholungstag wieder panisch die Reissleine. Die kurze Hoffnung im Handelskrieg mit China wich umgehend wieder der Konjunkturangst.

An der New Yorker Wallstreet verbuchten am Mittwoch alle drei Indizes Verluste von etwa 3 Prozent. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss bei 25,479 Punkten, der breiter gefasste S&P 500 bei 2840 Zählern und der Index der Technologiebörse Nasdaq bei knapp 7774 Punkten.

Auch der Schweizer Aktienmarkt rauschte in den Keller. Die Nervosität erstrecke sich mittlerweile über alle Anlageklassen, hiess es von Marktteilnehmern. Zu den Auslösern für den Ausverkauf zählen schwache Konjunkturdaten aus China und Deutschland. In Deutschland schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Frühjahr leicht um 0,1 Prozent. Sollte sie auch im laufenden Quartal zurückgehen, wäre der wichtige Absatzmarkt für Schweizer Unternehmen technisch betrachtet in einer Rezession. Auch Chinas Produktionsdaten aus der Industrie und Umsatzzahlen aus dem Detailhandel fielen schwach aus. Die Industrie im Reich der Mitte wuchs sogar so langsam wie seit 17 Jahren nicht mehr.

Schweizer Index taucht

Der Swiss-Market-Index (SMI) tauchte um 1,61 Prozent auf 9628,48 Zähler. Der 30 Aktien umfassende Swiss-Leader-Index (SLI) sank um 2,01 Prozent auf 1455,19 Zähler, der breite Swiss-Performance-Index (SPI) fiel um 1,52 Prozent auf 11’713,85 Punkte. Alle 30 SLI-Titel schlossen im Minus.

Genährt wurde die Rezessionsangst weiter von der Entwicklung am US-Anleihemarkt. Dort stieg die Rendite der zweijährigen Bonds erstmals seit 2007 und damit seit den Zeiten der Finanzkrise zeitweise über diejenige der zehnjährigen. Üblicherweise rentieren länger laufende Anleihen höher als kürzer laufende. Diese sogenannte inverse Zinskurve habe in sieben von neun Fällen einen Konjunkturabschwung korrekt vorhergesagt, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Allerdings dauere es meist ein bis zwei Jahre, bevor die Wirtschaft in eine Rezession rutsche.

Mixtur aus schlechten Nachrichten

«Der Zollstreit zwischen den USA und China hat bereits einen Einfluss auf die Konjunktur», sagte Christophe Barraud, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Market Securities. Die chinesische Industrieproduktion wuchs so langsam wie seit 17 Jahren nicht. Analyst Bernd Krampen von der NordLB führte den Einbruch auf eine Mixtur aus schlechten Nachrichten zurück, darunter die Sorgen um den Zollstreit und den Brexit sowie neuerdings die Unruhen in Hongkong.

Die Entwicklung an den Anleihemärkten setzte vor allem Banken zu, weil sie es ihnen erschwert, mit Krediten und Investitionen in Anleihen Geld zu verdienen. Und so rutschten in der Schweiz die Aktien von UBS (–3,7 Prozent), Julius Bär (–3,6) und Credit Suisse (–3,5) markant nach unten. Unter Verkaufsdruck gerieten auch die Technologiewerte. So verloren in den USA die Aktien der Chip-Hersteller Intel und AMD bis zu 5,8 Prozent. Die Papiere des iPhone-Machers Apple büssten knapp 3 Prozent ein.

Die Erholung vom Vortag ist damit an den tonangebenden US-Börsen wieder Geschichte. Angesichts drohender Preissteigerungen vor dem Weihnachtsgeschäft hatte die US-Regierung zwar am Dienstag die Einführung bereits angekündigter Strafzölle verschoben, doch viele Börsianer blieben auch hier nach den Erfahrungen der vergangenen Monate skeptisch. In der Nachlese machte sich nun auch eher die Auffassung breit, dass eine Lösung des Handelskonflikts mit solchen Massnahmen nicht näherrückt. (fal/sda)

Erstellt: 14.08.2019, 23:28 Uhr

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