Soziales Netzwerk zensiert Impf-Inhalte

Bei Pinterest erhalten Nutzer auf Suchanfragen zum Thema Impfen keine Ergebnisse mehr – wegen «verschmutzten Inhalten».

Inhalte zum Thema Impfen sollen nicht mehr auftauchen: Pinterest (Screenshot).

Inhalte zum Thema Impfen sollen nicht mehr auftauchen: Pinterest (Screenshot).

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Kaum ein Thema polarisiert derart wie das Thema Impfen. Besonders im Internet gehen die Wogen hoch, Impfbefürworter und -gegner teilen fleissig Inhalte dazu auf sozialen Medien. Nicht immer sind diese wissenschaftlich untermauert. Ein erstes Netzwerk hat sich nun für eine radikale Lösung entschieden: Wer bei Pinterest nach Suchbegriffen zum Thema Impfen sucht, soll keine Antworten mehr erhalten.

Pinterest funktioniert als virtuelle Pinnwand, Nutzer können Inhalte suchen, erhalten für ihre Eingabe Bilder oder verlinkte Artikel und können diese auf ihrer eigenen Pinnwand speichern. Inhalte zu Impfungen sollen zwar noch auf dem eigenen Konto gespeichert werden können, aktives Suchen danach soll aber nicht mehr möglich sein.

«Widerspricht medizinischer Forschung»

Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, dass es gegen die Verbreitung von falschen Informationen zu diesem Thema vorgehen möchte. Die meisten Inhalte auf Pinterest zum Thema hätten vor Impfungen gewarnt, was im Widerspruch zu etablierten medizinischen Richtlinien und der Forschung stehe, die gezeigt hätten, dass Impfstoffe sicher seien, erklärt die Firma.

Wer bislang auf der Plattform nach Inhalten zum Thema Impfen gesucht hatte, hatte beispielsweise Verlinkungen auf Artikeln mit Titeln wie «10 Gründe, ihr Kind nicht zu impfen» oder «Sehen Sie diese Horrorbilder von Kindern, die geimpft wurden» erhalten. Zunächst habe man versucht, Anti-Impf-Inhalte von der Plattform zu entfernen, teilte eine Sprecherin von Pinterest dem «Wall Street Journal» mit. Man habe es aber nicht geschafft, diese komplett von der Seite zu verbannen.

Nicht besonders strikt

Deshalb habe man bereits Ende letzten Jahres die Sperre eingeführt. Allerdings scheint diese nicht besonders umfassend zu sein: Wer auf Pinterest nach dem englischen Begriff «vaccination» (Impfung) sucht, erhält zwar einen Hinweis, dass dazu keine Inhalte gefunden wurden. Dazu erhält der Nutzer einen Link auf die Regeln des Netzwerks. Wer allerdings «vaccinate» (impfen) eingibt, findet weiterhin Inhalte zum Thema, genauso wie bei den deutschen Suchbegriffen «Impfungen» und «Impfen».

Pinterest bezeichnete die Sperre als temporäre, aber notwendige Lösung. An dieser werde man festhalten, bis das Unternehmen bessere Möglichkeiten finde, mit «verschmutzten Inhalten» – wie sie es nennen – umzugehen. Letztes Jahr wurden bereits Suchen nach dubiosen Krebstherapien blockiert.

Neue Dimension

Viele soziale Netzwerke schlagen sich derzeit mit der Frage herum, wie sie mit geteilten Inhalten auf ihren Plattformen umgehen sollen, und wann es Zeit ist, einzugreifen. Twitter und Facebook haben etwa angefangen, Inhalte auf Hass, Gewalt, Terrorismus-Rekrutierung oder sexuelle Belästigung zu überprüfen, und bereits Millionen von Konten geschlossen. Dies führte auch zu Vorwürfen, die Konzerne seien politisch voreingenommen, würden zensieren, und es fehle ihnen an Transparenz.

Der Vorstoss von Pinterest steht für eine neue Dimension in dieser Debatte: Bis vor kurzem hätten die meisten Social-Media-Firmen die Haltung vertreten, dass sie keine Schiedsrichter der Wahrheit seien, sondern passive Informationsgeber, sagte Samuel Woolley, Forscher des Thinktanks Institute for the Future, dem «Wall Street Journal».

Es gebe aber seit langem Druck auf die Unternehmen, zu reagieren. Denn die Realität sei, dass Fehlinformationen verbreitet würden. Dies könne insbesondere beim Thema Impfen im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich sein, so Woolley.

Nutzer sauer

Letzte Woche hatte auch der Demokrat Adam Schiff, Mitglied des US-Repräsentantenhauses, Google und Facebook angeschrieben und seine Sorge diesbezüglich zum Ausdruck gebracht. Die Algorithmen der Tech-Giganten würden Botschaften empfehlen, die Eltern davon abhielten, ihre Kinder zu impfen. Facebook teilte mit, man überlege, die Art anzupassen, mit der ihr Algorithmus den Nutzern Gesundheitsinformationen vorschlage. Dazu könnte auch gehören, dass Anti-Impfstoff-Inhalte nicht mehr oder weniger prominent geteilt würden.

Bei gewissen Nutzern kam Pinterests Änderung nicht gut an. Sie hätten das Gefühl, die Entfernung dieser Posts sei ein Übergriff, sagte Ifeoma Ozoma, Public-Policy- und Social-Media-Managerin bei Pinterest. Ein Nutzer, der 58-jährige Kevin Malone, sagte dem «Wall Street Journal», er beziehe alle seine medizinischen Informationen aus Podcasts und von Facebook. Er sei besorgt, dass die sozialen Medien komplett zensiert würden.

Erstellt: 21.02.2019, 14:25 Uhr

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