Stadlers Börsendebüt bringt Spuhler rund 1,5 Milliarden

Die Aktien des Zugbauers von Peter Spuhler übersteigen den gesetzten Ausgabepreis klar. Der Anteil des Alt-SVP-Nationalrats sinkt unter 50 Prozent.

Der Schweizer Unternehmer und Alt-SVP-Nationalrat Peter Spuhler am Sechseläuten. (8. April 2019) Bild: Keystone

Der Schweizer Unternehmer und Alt-SVP-Nationalrat Peter Spuhler am Sechseläuten. (8. April 2019) Bild: Keystone

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Der Börsengang des Thurgauer Zugbauers Stadler an der Schweizer Börse ist erfolgreich über die Bühne gegangen. Die Aktien des Börsenneulings eröffneten am Freitag an der SIX Swiss Exchange unter dem Tickersymbol SRAIL mit 42 Franken und lagen damit deutlich über dem Ausgabepreis von 38 Franken. Zuvor hatte das Unternehmen eine Preisspanne von 33 bis 41 Franken festgelegt, die später wegen der grossen Nachfrage auf 36 bis 39 Franken eingeengt wurde.

Der Kurs sank in den Minuten nach der Eröffnung zwischenzeitlich ab, nur um später die 42-Franken-Marke sogar noch zu durchbrechen. In den Stunden nach Eröffnung tanzte der Kurs denn auch knapp über und unter der 42-Franken-Marke weiter. Dieses Niveau konnten die Titel mit dem Tickersymbol SRAIL verteidigten und sprangen zum Handelsschluss nochmals klar darüber. Der Schlusskurs betrug 43,10 Franken, gut 13 Prozent mehr als der Ausgabepreis. Der aktuelle Börsenwert des Unternehmens beläuft sich somit auf etwa 4,2 Milliarden Franken, was Stadlers Debüt gemäss der Medienmitteilung der SIX zum bislang grössten europäischen IPO dieses Jahr macht. Vergleicht man den Schweizer Fahrzeughersteller direkt mit der Konkurrenz, so ist Stadler trotzdem eher ein kleiner Fisch.

Der Kurs des Börsenneulings um 15 Uhr (im Bild sind die Zeitangaben um eine Stunde versetzt). Bild: Screenshot «Finanz und Wirtschaft»

Hauptaktionär und Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler, der das Unternehmen 1989 gekauft hatte, hielt bisher 80 Prozent an der Firma. Mit dem Börsengang wird sein Anteil nun auf knapp 40 Prozent sinken. Der Alt-SVP-Nationalrat will auch nach dem Börsengang Ankeraktionär und Verwaltungsratspräsident bleiben.

Sämtliche der platzierten Aktien stammen aus seinem direkten und indirekten Besitz. Frisches Kapital sammelte Stadler im Rahmen des Listings also nicht ein. Spuhler verdient mit dem Börsengang gemäss ersten SRF-Berechnungen somit rund 1,5 Milliarden Franken.

Spuhler hatte vor dem Börsenstart selbst davon gesprochen, dass er eine «Volksaktie» schaffen wolle und Freude hätte, wenn auch viele Kleinaktionäre die Titel kaufen würden. Platziert wurden die Aktien nun aber vor allem bei institutionellen Anlegern wie Pensionskassen oder Anlagefonds, wie dies bei Börsengängen üblich ist, hiess es aus Marktkreisen.

In einer ersten Reaktion zeigte sich Spuhler mit dem Börsengang zufrieden. «Ich bin natürlich glücklich, dass wir bereits 10 Prozent im Plus liegen», so der Unternehmer in der «Tagesschau am Mittag» von SRF. «Von dem her gesehen, ja, ich bin zufrieden.» Dass vor allem Kleininvestoren keine Aktie erwerben konnten, könne er jetzt auch nicht ändern. «Da die Aktie x-fach überzeichnet worden ist, gibt es natürlich massive Kürzungen in der Zuteilung. Das ist jetzt halt so. Da können wir jetzt auch nichts dagegen unternehmen», so Spuhler weiter. «Aber ich hoffe schon, dass die breite Bevölkerung da mitpartizipieren kann.»

Spuhler hatte den Börsengang unlängst in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» erklärt. Er bereite damit Stadler und seine private PCS Holding auf einen möglichen neuen Wachstumssprung vor. «Das Geld ist nicht für mich, sondern bleibt in der PCS Holding», so der Unternehmer. «Es könnte sein, dass durch die Konsolidierung unserer Branche Übernahmen möglich werden. Auch müssen wir genügend Kapital bereitstellen, um in neue Technologien investieren zu können, zum Beispiel die Signaltechnik.» In der von SIX verbreiteten Medienmitteilung erwähnt Spuhler zudem, dass in gewissen Märkten der Ruf eines börsennotierten Unternehmens wichtig sei.

Auf die Frage, ob er sich selbst an einem weiteren Unternehmen beteiligen wolle, sagte Spuhler: «Ich hätte sicher Freude, so eine Sanierungsübung wie bei Aebi Schmidt und Rieter noch einmal durchzuziehen und die Firma strategisch wieder aufzubauen. Am ehesten dort, wo ich etwas davon verstehe, also im Maschinen- und Fahrzeugbau. Und der Werkplatz Schweiz liegt mir besonders am Herzen. Zurzeit läuft die Wirtschaft aber hervorragend, und es gibt keine Möglichkeiten.»

Für 2020 rechnet der Alt-SVP-Nationalrat bereits mit einem Umsatz von rund vier Milliarden Franken. Für die Jahre nach 2020 will Stadler Rail das Nettoumsatzniveau von 4 Milliarden Franken dann festigen und im mittleren einstelligen Prozentbereich weiter wachsen.

«Es gibt viel zu wenige Aktien»

Im Vorfeld des Börsengangs hatte sich ein grosses Interesse abgezeichnet. Die Nachfrage sei immens, hatte es am Markt geheissen. «Es gibt viel zu wenige Aktien, damit alle, die mitmachen wollen, auch etwas erhalten», hatte ein Händler bereits vor einer Woche gegenüber AWP gesagt.

Privatanlegern hatte er jedoch geraten, abzuwarten, wie sich die Aktie nach dem Börsenstart entwickelt. Letztlich gelte aber, dass «Stadler Rail eindeutig das Zeug zu einer Volksaktie hat», so der Börsianer.

Dem fulminanten Start konnten allerdings nicht viele Journalisten beiwohnen. Wie «Cash» und der «Blick» berichten, erhielten ihre Mitarbeiter keinen Zugang zur Börse. «Wie der Börsengang vor sich geht, entscheidet das Unternehmen, in dem Fall Stadler», erklärte sich ein SIX-Sprecher gegenüber dem «Blick». Zugang zum «Privatanlass» habe als einziges Medium das Schweizer Fernsehen SRF erhalten, berichten die beiden Ringier-Medien.

Spuhlers Tochter durfte zur Eröffnung die Glocke läuten. Bild: Screenshot SRF

Stadler stellt unter anderem Regionalzüge, Hochgeschwindigkeitszüge, U-Bahnen und Trams her. Eine starke Position hat das Unternehmen in Europa, wo es gemäss eigenen Angaben drittgrösster Hersteller von Schienenfahrzeugen ist. Derzeit arbeiten 8500 Mitarbeiter für Stadler. Vor 30 Jahren, als Spuhler die Firma übernahm, waren es noch deren 18.

(mac/sda)

Erstellt: 12.04.2019, 07:37 Uhr

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