Trump sitzt in der Schuldenfalle

Trotz boomender Konjuktur steigt die Verschuldung der USA um mehrere Milliarden pro Tag. Kommt es bald zum Shutdown?

Schwer verschuldet: Ein Trump-Modellflugzeug wirft Geld über Kalifornien. Foto: Reuters / Mike Blake

Schwer verschuldet: Ein Trump-Modellflugzeug wirft Geld über Kalifornien. Foto: Reuters / Mike Blake

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Vereinigten Staaten haben ein Problem. Es ist 16 Billionen Dollar schwer und wächst. Zuletzt sogar exponentiell. Stieg der Schuldenberg 2015 täglich um 1,2 Milliarden Dollar, dürfte er im nächsten Jahr pro Tag 2,7 Milliarden Dollar zulegen. Für Mark Zandi, Chefökonom der Ratingagentur Moody’s, ist die Lage ernst. «Wenn wir nichts ändern, wird es eine Katastrophe geben», sagt er. Doch dafür bräuchte es eine überparteiliche Zusammenarbeit. Und die ist im Zeitalter von US-Präsident Donald Trump unwahrscheinlich. Ergo wächst der Berg weiter.

In zehn Jahren werden die US-Staatsschulden ausserhalb der öffentlichen Hand gemäss Schätzung des überparteilichen Congressional Budget Office (CBO) der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) entsprechen. So hoch war die Verschuldung zuletzt während des Zweiten Weltkriegs (vgl. Grafik 1). Für 2048 rechnet das CBO dann mit einer Verschuldung von 152 Prozent des BIP und einem Defizit von 8,4 Prozent. Derzeit beträgt es 3,9 Prozent.

1 Steigende Verschuldung

Grafik vergrössern

Aussergewöhnlich ist das Loch im Haushalt aus einem Grund: Die Konjunktur boomt. Für die Wirtschaft bedeutet dies Vollbeschäftigung und hohe Unternehmensgewinne, für die Regierung normalerweise reichlich Steuereinnahmen und einen Überschuss (vgl. Grafik 2). Doch die Regierung von Donald Trump hat dafür gesorgt, dass dem nicht so ist.

2 Untypischer Zeitpunkt

Grafik vergrössern

Dank der Steuerreform von Ende 2017 ist der effektive Steuersatz der Unternehmen laut Moody’s auf einen Rekordtief von 7 Prozent gesunken. Vor zwei Jahren war er noch doppelt so hoch. Zudem hat das Weisse Haus mit einem Stimuluspaket dafür gesorgt, dass die Ausgaben auch während des Konjunkturbooms kaum sinken (vgl. Grafik 3).

3 Stetes Defizit

Grafik vergrössern

Am Haushalt wird sich auch nach dem Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen nichts ändern. Laut Erik Weisman, Chefökonom des Vermögensverwalters MFS, hat «der Machtwechsel im Repräsentantenhaus keinen Einfluss auf die Entwicklung des Defizits und der Verschuldung. Der zukünftige Pfad ist mehrheitlich schon vorgezeichnet.» Von 10 Dollar gibt die US-Regierung 6 Dollar für staatliche Sozialleistungen wie die Krankenversicherungen Medicare und Medicaid aus (vgl. Grafik 4). 1 Dollar fällt für Zinszahlungen an, und 1.50 Dollar gibt sie für das Militär aus. Abzüglich der Militärausgaben sind demzufolge nur 15 Prozent der Ausgaben diskretionär.

Das sieht auch Trump so. Er hat vor einem Monat zwar angekündigt, das Defizit zu reduzieren, die zuvor genannten Bereiche wollte er aber nicht antasten. Brian Schaitkin, Ökonom des Researchinstituts Conference Board, zweifelt am Durchsetzungswillen von Trump. «Die Reduktion des Defizits ist keine hohe Priorität der US-Regierung», sagt er. So hat Trump auch in den letzten Wochen trotz angekündigtem Sparplan neue Ausgabenideen präsentiert.

4 Inflexible Staatsausgaben

Grafik vergrössern

Ein Höhepunkt dürfte 2019 das Erreichen der Schuldenobergrenze sein. Dann müssen sich die Demokraten, die Republikaner und Präsident Trump auf eine neue Ausgabenlimite einigen. Schaffen sie das nicht, steht die Regierung still, wie zuletzt 2013. Damals hatten die Republikaner unter der Führung der Tea Party die demokratische Regierung von Barack Obama in die Knie gezwungen. «Die Androhung der Stilllegung der Regierung ist ein Mittel bei der Verhandlung», sagt Schaitkin. Ein Government Shutdown sei aber unwahrscheinlich: «Das würden die Wähler nicht goutieren.» Das sieht auch Weisman so. «Niemand will für den Shutdown verantwortlich sein», sagt er. Denn 2020 sind bereits wieder Wahlen.

Verdopplung der Zinslast

Bis dahin wird sich laut Zandi «nichts ändern». Die Verschuldung steigt weiter und mit ihr die Zinslast. Die Konsequenzen sind verheerend. Zandi vergleicht den Schuldenberg mit dem Klimawandel. Beide richten einen grossen Schaden an: «Für jede Erhöhung der Verschuldung um 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts steigt die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen 2 bis 3 Basispunkte.» Das erhöht die Kosten der amerikanischen Regierung für die Bedienung der Schulden. Sie sollen sich gemäss dem CBO bis 2025 verdoppeln und alle diskretionären Ausgaben ohne diejenigen für das Militär übertreffen.

Die steigenden Zinsen haben aber auch für Unternehmen Konsequenzen. Laut Zandi haben sich wegen der höheren Staatsverschuldung die Kapitalkosten erhöht und somit den positiven Effekt der niedrigen Steuerbelastung neutralisiert. Zudem locken die sicheren Staatsanleihen dank der höheren Verzinsung Gelder von Investoren an, die sonst in Unternehmensanleihen geflossen wären. Schaitkin sieht noch weitere Probleme. «Die hohe Verschuldung und die steigenden Zinszahlungen erschweren es, ein Investitionspaket für die Infrastruktur zu schnüren und in einer Rezession reagieren zu können. Zudem nehmen sie anderen Ausgaben den Platz weg», sagt der Ökonom.

Das Finanzministerium plant im laufenden Fiskaljahr, 1,3 Bio. Dollar an Staatsschulden zu emittieren.

An den Märkten zeigt die rasant steigende Verschuldung noch keine grosse Wirkung. Laut Weisman wird es noch lange dauern, bis die Investoren «den Markt der US-Staatsanleihen anders bewerten». Ein Grund für die weiterhin hohe Nachfrage ist der Mangel an Alternativen. «Der Markt für Treasuries ist der breiteste, tiefste und liquideste Markt der Welt», sagt er. Zudem dürfte es im nächsten Jahr laut Weisman bei Treasury-Substituten wie deutschen Bunds, japanischen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen ein geringeres Angebot geben.

Anders sieht es bei den US-Treasuries aus. Das Finanzministerium plant im laufenden Fiskaljahr, 1,3 Billionen Dollar an Staatsschulden zu emittieren. Das ist doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Gleichzeitig kürzt die amerikanische Zentralbank ihre Bilanz und verkauft einen Teil der Treasuries, die sie hält. Eins ist also sicher: Für ein reichliches Angebot an US-Schuldscheinen in den nächsten Jahren ist gesorgt.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 30.11.2018, 18:51 Uhr

Artikel zum Thema

Trumps erstes Haushaltsdefizit: 779'000'000'000 Dollar

Der US-Präsident befeuert die brummende US-Konjunktur mit massiven Steuersenkungen. Die Zinserhöhungen der Notenbank hält er für «verrückt». Mehr...

Das Wichtigste


  • Der US-Staatshaushalt verschlechtert sich rapide. Eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

  • Ab 2025 dürften die Zinskosten alle diskretionären Ausgaben ohne diejenigen des Militärs übertreffen.

  • Wegen des prozyklischen Defizits kann die Regierung in einem Abschwung kaum reagieren.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.