US-Märkte drücken Schweizer Börse noch tiefer ins Minus

Der SMI verliert zum Wochenstart deutlich. Der Franken wird stärker und die Anleger kaufen Bitcoins. Ein turbulenter Tag an den Märkten.

Seit Tagen geht es abwärts: Händler an der New York Stock Exchange. Foto: Drew Angerer/Getty/AFP

Seit Tagen geht es abwärts: Händler an der New York Stock Exchange. Foto: Drew Angerer/Getty/AFP

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Die Angst vor einer Eskalation im US-chinesischen Handelsstreit und damit vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft vertreibt die Anleger aus den Aktien. Händler verweisen auf die Ankündigung neuer Strafzölle gegen China durch US-Präsident Donald Trump. Im Gegenzug begeben sich Anleger in sichere Häfen wie Staatsanleihen oder den Franken. Das führte dazu, dass der Euro-Franken-Wechselkurs zwischenzeitlich klar unter die Marke von 1,09 fiel. Um 11:30 Uhr lag der Kurs bei 1.0869 (zum Artikel).

Seit ein paar Tagen geht es nur noch abwärts: Der Euro-Franken-Kurs hat heute die Marke von 1.09 deutlich unterschritten.

«Das ist keine Panik, aber eine ordentliche Verkaufswelle», schreibt Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners in einem Marktkommentar. Der Punkt sei längst erreicht, an dem der Konflikt der Weltwirtschaft grossen Schaden zufüge. «Statt den Konflikt zu lösen, setzt Trump noch einen drauf», kommentiert Marktanalyst Salah Bouhmidi vom Broker DailyFX.

Der Swiss Market Index (SMI) stand am späten Vormittag mit über 2 Prozent im Minus bei 9'602 Punkten. Der der breite Swiss Performance Index (SPI) gab ebenfalls nach. Alle 30 SLI-Titel notieren im Minus.

Die 10'000-Punkte-Marke zweimal geknackt, jetzt aber gehts abwärts: Der SMI-Verlauf in den letzten zwei Monaten.

Am Nachmittag eröffneten auch die US-Börsen tief im roten Bereich. Und damit zogen sie Europas Märkte noch weiter nach unten. Um 16.45 Uhr verlor der SMI bereits 2.42 Prozent und lag bei 9566.48 Punkten.

Nicht nur an der Schweizer Börse kam es zu Kursrückgängen. Auch andere Börsen in Europa gaben nach. Und auch in Japan ging es abwärts: Der japanische Nikkei-Index verlor am Montag ebenfalls 1,7 Prozent und die Börse Shanghai büsste 1,1 Prozent ein.

Handelsstreit zwischen USA und China eskaliert weiter

Der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert immer weiter. Nur wenige Tage nach der Ankündigung neuer Strafzölle durch Donald Trump konterte China am Montag mit einer Abwertung seiner Währung.

Zudem wies die Volksrepublik laut informierten Kreisen ihre Unternehmen dazu an, keine Agrargüter mehr aus den USA zu importieren. Die Einfuhren hatte sie vor einiger Zeit als Zugeständnis zugesagt, um den Konflikt etwas zu deeskalieren.

Ein Dollar kostete am Montag erstmals seit dem Jahr 2018 wieder mehr als sieben Yuan. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als «rote Linie», die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde.

Dass sie es jetzt doch zugelassen hat, rief bei Analysten Sorgen hervor: «Die brennende Frage lautet nun, ob China seine Währung zur Waffe stilisieren möchte, um in einem unübersichtlichen Handelskrieg zurückschlagen zu können», sagte Commerzbank-Experte Hao Zhou.

Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von der Notenbank Chinas in Grenzen gesteuert. Die Notenbank führte die Entwicklung in einer Stellungnahme auf protektionistische Tendenzen zurück, was als Umschreibung für den Handelsstreit mit den USA gelten kann.

Trump bezichtigt China der Währungsmanipulation

Donald Trump hat die jüngste Abwertung der chinesischen Landeswährung Yuan als einen «schwerwiegenden Verstoss» kritisiert. Ein solches Vorgehen werde gemeinhin als Währungsmanipulation bezeichnet, schrieb Trump am Montag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Dass die Notenbank die Abwertung des Yuan jetzt doch zugelassen hat, rief bei Analysten Sorgen hervor: «Die brennende Frage lautet nun, ob China seine Währung zur Waffe stilisieren möchte, um in einem unübersichtlichen Handelskrieg zurückschlagen zu können», sagte Commerzbank-Experte Hao Zhou.

Notenbank Chinas dementiert

Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von der Notenbank Chinas in Grenzen gesteuert. Diese versicherte jedoch, die heimische Währung nicht als Mittel im Handelskonflikt zwischen den USA und China einzusetzen. China strebe keinen Abwertungswettlauf an und werde die Landeswährung Yuan auch nicht als Instrument in einem Handelsstreit einsetzen, sagte der Gouverneur der Notenbank, Yi Gang, einer am Montag veröffentlichten Mitteilung zufolge.

Vielmehr führte die Notenbank in Peking die Entwicklung in einer Stellungnahme auf protektionistische Tendenzen zurück, was als Umschreibung für den Handelsstreit mit den USA gelten kann.

Zusammen mit Europa hatte Trump China in den vergangenen Wochen mehrfach vorgeworfen, die eigene Währung abzuwerten, um sich damit Vorteile im internationalen Wettbewerb zu verschaffen.

Zehn Prozent Strafzölle

Laut informierten Kreisen hielt die Volksrepublik am Montag ihre Unternehmen zudem dazu an, keine Agrargüter mehr aus den USA zu importieren. Die Einfuhren hatte sie vor einiger Zeit als Zugeständnis zugesagt, um den Konflikt etwas zu deeskalieren. Trump hatte vor wenigen Tagen jedoch weitere Strafzölle von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar angekündigt. Er hatte seine Ankündigung auch damit begründet, dass China nicht - wie eigentlich zugesagt - mehr Agrarprodukte aus den USA kaufe. Im Falle einer Ausweitung wären faktisch alle chinesischen Einfuhren in die USA mit Strafzöllen belegt.

Bitcoin steuert auf 12'000-Dollar-Marke zu

Wegen der anhaltenden Talfahrt an den weltweiten Aktienmärkten decken sich Anleger verstärkt mit Bitcoin ein. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise verteuerte sich am Montag um bis zu 14 Prozent auf 11'856 Dollar. Das ist der höchste Stand seit einem knappen Monat.

«In und vor stürmischen Zeiten zeigt sich Bitcoin einmal mehr als vermeintlich klassischer Schutz», sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Der Kryptowährung spiele die Eskalation im Zollstreit zwischen den USA und China sowie mögliche weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed in die Hände. (aru/sda)

Erstellt: 05.08.2019, 10:36 Uhr

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