Uber nimmt Kurs auf die Börse – und warnt

Der US-Fahrdienstvermittler hat zwar die Weichen für seinen Börsengang gestellt. Aber die Firma selbst drückt auf die Erwartungsbremse.

Uber-Autos in New York: Gespannt wartet die Finanzwelt auf den Börsengang des Unternehmens. (27. Juli 2018)

Uber-Autos in New York: Gespannt wartet die Finanzwelt auf den Börsengang des Unternehmens. (27. Juli 2018) Bild: Mike Segar/Reuters

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Uber will seine Aktien zu einem der grössten Gänge aufs Parkett aller Zeiten an der New York Stock Exchange unter dem Tickerkürzel «UBER» listen lassen. Wann das genau sein wird, ist noch unklar. Vor dem mit Spannung erwarteten milliardenschweren Börsengang hat der Fahrdienstleister allerdings vor einer niemals endenden Verlustserie gewarnt. Angesichts deutlich steigender Kosten werde es «womöglich» nie dazu reichen, in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Dies teilte das vor zehn Jahren gegründete US-Unternehmen in einem Schreiben an die Börsenaufsicht SEC mit. Dabei zählt Uber monatlich inzwischen 91 Millionen Kunden und hat in vielen Regionen weltweit die Taxibranche auf den Kopf gestellt und die Art verändert, wie sich Menschen fortbewegen. Allerdings halten die Zweifel an, ob Uber ein nachhaltiges Geschäftsmodell betreibt.

Bisher verdient Uber an den Vermittlungsgebühren, die fällig werden, wenn ein Fahrer einen neuen Auftrag über die Onlineplattform erhält. Allerdings investiert das Unternehmen auch stark in neue Geschäftsfelder wie autonomes Fahren, die Auslieferung von Essen, Elektro-Fahrräder und -Scooter sowie Frachtangebote. Analysten halten es für unumgänglich, dass der Konzern deutlich wächst, um überhaupt irgendwann einen Gewinn zu schreiben.

Strategieänderungen

Im vergangenen Jahr stand ein bereinigter Verlust von rund zwei Milliarden Dollar in der Bilanz. Zudem war die letzte Zeit eher davon geprägt, dass sich Uber aus besonders stark umkämpften Regionen zurückzog. Allerdings deutete sich zuletzt mit dem drei Milliarden Dollar schweren Kauf des Rivalen Careem im Nahen Osten wieder ein Strategieschwenk an. Zu den weiteren Konkurrenten gehören Lyft auf dem Heimatmarkt, der kürzlich an der Wallstreet debütierte und dort bisher enttäuscht, sowie Didi in China und Ola in Indien.

Im vergangenen Jahr hatte sich das Wachstum von Uber deutlich abgeschwächt. Der Umsatz stieg um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. 2017 hatte es noch zu einem Plus von 106 Prozent gereicht.

Bisher ist unklar, wie gross der für Anfang Mai anvisierte Börsengang ausfallen wird. Reuters-Informationen zufolge könnte das kalifornische Unternehmen Aktien im Wert von rund zehn Milliarden Dollar verkaufen und damit zwischen 90 und 100 Milliarden Dollar bewertet werden.

Damit wäre es das grösste Aktienmarktdebüt seit der Neuemission des Amazon-Konkurrenten Alibaba vor fünf Jahren, bei dem der chinesische Konzern 25 Milliarden Dollar einsammelte. Es wird damit gerechnet, dass Uber in Kürze seinen Ausgabepreis bekannt gibt. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde war der Fahrdienstvermittler etwa 76 Milliarden Dollar wert.

Zukunftsvision Autonomes Fahren als Gefahr

Unter dem Firmengründer und langjährigen Chef Travis Kalanick wurde Uber lange von einer Skandalserie gebeutelt, die von sexuellem Missbrauch über Datenklau bis zu Bestechung und Problemen mit den Behörden reichte. Diese Zeiten sind vorbei, seit 2017 Dara Khosrowshahi die Firmenspitze übernommen hat. Er etablierte eine neue Kultur, hat aber auch noch keine Antwort auf den Zukunftstrend gefunden, der das Geschäftsmodell von Uber gefährden könnte: das autonome Fahren.

Während es auf der einen Seite deutlich geringere Kosten bedeuten dürfte, stellt es auch das gesamte Geschäftsmodell von Uber infrage, da es Fahrer unnötig macht. Zudem ist die Konkurrenz in diesem Feld noch grösser als bei Mitfahrdiensten. So steht Uber dort im Wettbewerb mit Firmen wie Tesla und der Alphabet-Tochter Waymo sowie allen traditionellen Autoherstellern.

Zumal mit Waymo ein bereits beigelegter Rechtsstreit noch unangenehme Folgen haben könnte: In dem SEC-Schreiben gibt Uber bekannt, dass dem Unternehmen regelmässige Lizenzzahlungen drohen. (fal/sda)

Erstellt: 12.04.2019, 11:50 Uhr

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