Wie die Swiss Schweizer Passagiere schröpft

Für identische Flüge bezahlen Kunden auf der Website von Swiss teils mehr als doppelt so viel wie bei Lufthansa.

Die Differenz kann Hunderte Franken oder mehr betragen: Wer den genau gleichen Umsteigeflug direkt bei Swiss Bucht, fliegt mitunter deutlich teurer als beim Kauf bei Lufthansa. Foto: Keystone

Die Differenz kann Hunderte Franken oder mehr betragen: Wer den genau gleichen Umsteigeflug direkt bei Swiss Bucht, fliegt mitunter deutlich teurer als beim Kauf bei Lufthansa. Foto: Keystone

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Bei dem Preis dürfte so mancher seine Flugscham verlieren. Für 271.95 Franken gibt es den Hinflug von Zürich in die thailändische Hauptstadt Bangkok derzeit auf der Website von Lufthansa. Das Umsteigen in München müssen Reisende beim Schnäppchen in Kauf nehmen.

Der exakt gleiche Flug erscheint auch auf der Internetseite der Lufthansa-Tochter Swiss. Doch da kostet er nicht 271.95 Franken, sondern 522 Franken. Das zeigt eine Stichprobe für einen Abflug Anfang November.

Schweizer Kunden, die bei ihrer nationalen Fluggesellschaft buchen, zahlen damit 250 Franken mehr als die deutschen Nachbarn bei Lufthansa. Das gleiche Muster zeigt sich bei einer Verbindung via München nach Bangkok im Dezember. Swiss.com kassiert einen Aufschlag von 230 Franken im Vergleich zu Lufthansa.com.

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Auffällig: Der Umsteigeflug ist auf dem Swiss-Portal nur wenig günstiger oder sogar teurer als der Direktflug, den die Swiss ab Zürich nach Bangkok anbietet. Würde auf der Website von Swiss der tiefere Lufthansa-Preis erscheinen, wäre die Versuchung gross, auf die lediglich halb so teure Verbindung via München zu klicken.

Auch wer ab Zürich über Deutschland nach Las Vegas fliegt, kann sich Spielgeld für die Casinos beiseitelegen, wenn er auf der deutschen Internetseite bucht. Bei der Swiss ist der Flug am Stichtag im Januar 215 Franken teurer.

Eine Swiss-Sprecherin begründet den Aufschlag mit den Informatiksystemen innerhalb der Lufthansa-Gruppe. In den genannten Beispielen fliegt die Lufthansa-Tochter Eurowings die Langstrecke mit einer Flugnummer der Lufthansa beziehungsweise der Swiss. Das sind sogenannte Code-Share-Flüge. Zwischen solchen Partnern und den Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines gebe es «unterschiedliche Systeme». Nur bei solchen Code-Share-Flügen könnten die Preisdifferenzen entstehen, sagte die Swiss in einer ersten Stellungnahme.

Doch nicht nur bei Code-Share-Verbindungen, sondern auch bei von Lufthansa durchgeführten ­Flügen sind die Buchungen auf Swiss.com mitunter deutlich teurer. Für einen Flug von Zürich nach Seoul via Frankfurt auf dem Hinflug und Umsteigen in München auf dem Rückflug bezahlen Kunden auf der Lufthansa-Website 831.65 Franken. Die genau gleiche Verbindung mit kurzen Umsteigezeiten auf dem Portal von Swiss kostet am Stichtag im Januar 3115 Franken – nicht etwa in der Business-, sondern in der Economy-Klasse. Den günstigeren Tarif von rund 800 Franken erhalten die Kunden von Swiss an den ausgewählten Tagen nur, wenn sie eine Flugverbindung mit längerer Wartezeit in München wählen. Statt einer Stunde müssen die Reisenden so fast drei Stunden auf den Weiterflug warten.

Swiss nimmt Aussagen zurück

Dabei ist gerade Seoul bei Schweizern eine beliebtes Reiseziel. Swiss-Chef Thomas Klühr hatte die südkoreanische Hauptstadt lange als Favorit für einen neuen Langstreckenflug ab Zürich bezeichnet. Stattdessen wird die Airline ab März nun aber Osaka und Washington D.C. anfliegen.

Bei den eigenen Informatiksystemen hat die Swiss offenbar den Durchblick verloren. Auf den Preisunterschied für die Verbindung nach Seoul angesprochen, muss die Swiss ihre ursprünglichen Aussagen «zurücknehmen.» Es seien nicht nur Code-Share-Flüge betroffen. «Auf den Internetseiten von Lufthansa und Swiss können generell Preisunterschiede für Umsteigeverbindungen auftreten», sagt eine Sprecherin nun. «Grund für die Preisunterschiede ist, dass die verschiedenen Systeme noch nicht hinreichend aufeinander abgestimmt sind.»

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«Begründung der Swiss ist haarsträubend»

Für Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz ist es unverständlich, dass Preise aus dem gleichen Konzern derart auseinanderdriften. «Die Begründung der Swiss ist haarsträubend. Wenn Unternehmen etwas nicht erklären wollen oder können, dann schieben sie oftmals technische Unwegsamkeiten vor.»

Die Swiss gelobt Besserung. Aktuell arbeite man im Verbund der Fluggesellschaften der Lufthansa-Gruppe an einer einheitlichen Buchungsplattform. Damit wolle die Gruppe «künftig Website-übergreifend für sämtliche Flugverbindungen einheitliche Preise abbilden». Einen Zeitrahmen, innerhalb dem das geschehen soll, will die Airline nicht nennen. «Wir arbeiten jedoch daran», so die Swiss-Sprecherin.

Bis dahin gilt für Schweizer Kunden, die für Flugbuchungen gewohnheitshalber auf die Internetseite der Swiss gehen, der Rat: Besser auch noch bei der Lufthansa reinschauen. Das kann das Reisebudget um Hunderte von Franken entlasten.



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Erstellt: 11.08.2019, 07:28 Uhr

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