Nun muss der Fed-Chef liefern

Jerome Powell wird am Notenbanker-Treffen in Jackson Hole von Erwartungen Donald Trumps und der Märkte getrieben. Kann das gut gehen?

Macht er am Freitag nicht klar, dass weitere Zinssenkungen der US-Notenbank kommen, dürften die Märkte scharf reagieren: Fed-Chef Jerome Powell. Foto: JAMES LAWLER DUGGAN/REUTERS

Macht er am Freitag nicht klar, dass weitere Zinssenkungen der US-Notenbank kommen, dürften die Märkte scharf reagieren: Fed-Chef Jerome Powell. Foto: JAMES LAWLER DUGGAN/REUTERS

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Am Donnerstag treffen sich in Jackson Hole in den Bergen des US-Bundesstaates Wyoming die Notenbanker der Welt und eine Reihe weiterer einflussreicher Banker und Ökonomen zum jährlichen Stelldichein. Aus der Schweiz reist mit Fritz Zurbrügg Thomas Jordans Stellvertreter im Präsidium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an.

Die Vorzeichen stehen auf Sturm. Davon zeugt bereits das Motto der Tagung: Challenges of Monetary Policy – Herausforderungen der Geldpolitik. Davon gibt es tatsächliche viele. Unter besonderem Druck steht der Chef der US-Notenbank Jerome Powell, der die Eröffnungsrede in Jackson Hole halten soll. Was immer Powell sagen wird – US-Präsident Trump und die Märkte sind nur an einer Botschaft interessiert: Sie erwarten klare Hinweise auf weitere Zinssenkungen in den USA. Fehlen solche, dürften beide heftig reagieren. Powell wird kaum enttäuschen – davon ist man zumindest unter Beobachtern überzeugt.

Donald Trump macht seit langem deutlich, dass er mit dem von ihm gewählten Fed-Chef äusserst unglücklich ist. Die im Juli eingeleitete Zinssenkung um 0,25 Prozent auf ein Zielband zwischen 2 und 2,25 Prozent geht ihm viel zu wenig weit. Per Tweet und TV-Interviews zweifelt er immer wieder an Powells Einschätzungsfähigkeit und wirft ihm vor, der US-Wirtschaft und damit politisch ihm selbst zu schaden.

Trump machte auch schon deutlich, dass er Powell wieder von seinem Posten entfernen könne. Gemäss geltender Rechtsaufassung ist dies angesichts der Unabhängigkeit des Fed unmöglich. Powell selbst hat erklärt, dass er einer entsprechenden Aufforderung des US-Präsidenten nicht nachkommen werde.

Gemessen an der aktuellen Stärke der US-Wirtschaft gäbe es wenige Gründe für eine weitere Zinssenkung nach jener im Juli. Die von Trump unmittelbar nach der letzten Entscheidung des Fed angekündigte Verschärfung des Handelskriegs (mit der Ankündigung von höheren Zöllen auf praktisch allen Importen Chinas in die USA) befeuert die Ängste vor einer deutlichen Abkühlung der Wirtschaft. Warnsignale liefern auch Daten zu einem Wachstumseinbruch in China und Deutschland. Die Deutsche Bundesbank warnte gestern sogar vor einer Rezession im dritten Quartal. Die Ängste haben die Flucht in als sicher geltende Staatsanleihen weiter angetrieben, was auf deren Rendite drückt. Weltweit liegt diese bei Anleihen im Wert von 17 Billionen Dollar im negativen Bereich.

Dass die Rendite der längerfristigen Anleihen in den USA unter jene mit einer kürzeren Laufzeit gefallen ist, deuten viele als Signal einer kommenden Rezession. Das erhöht den Druck auf Powell zusätzlich.

Verschärft wird das Dilemma des Fed-Chefs durch den Umstand, dass Zinssenkungen im Entscheidungsgremium der Notenbank auf Widerstand stossen. Einige Mitglieder halten die Gründe nicht für ausreichend.

Die anderen Notenbankchefs, die sich in Jackson Hole versammeln, haben ähnliche Probleme. Die europäischen Notenbanker stehen vor allem unter Erklärungsdruck, weil sie ihre deutlich tieferen Leizinsen angesichts einer sich eintrübenden Wirtschaft weiter zu senken gedenken. Einerseits sieht der US-Präsident darin einen Versuch, die eigene Währung zum Schaden der USA zu beeinflussen und droht mit Gegenmassnahmen. Andererseits steigen angesichts immer tiefer in den negativen Bereich fallenden Leitzinsen die Ängste vor gefährlichen Nebenwirkungen.

SNB interveniert

Sorgen wecken absehbar neue Aufkäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. Auch die Schweizerische Nationalbank bläst derzeit ihre Bilanz mit Devisenkäufen weiter auf. Aus am Montag veröffentlichten Daten zu den Giroeinlagen der Banken bei der SNB ist ersichtlich, dass diese letzte Woche so stark an den Märkten interveniert hat wie seit dem Frühling 2017 nicht mehr.

Die Einlagen sind um 3,7 Milliarden Franken angestiegen und damit seit Mitte Juli bereits um rund 10 Milliarden Franken. Devisenkäufe lassen die Girokonten ansteigen, weil die SNB den Devisenkauf über die Banken abwickelt und die neu geschaffenen Franken den Instituten gutschreibt.

Erstellt: 19.08.2019, 20:18 Uhr

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