Die UBS inmitten eines russischen Rosenkriegs

Bei der Scheidung eines Oligarchen-Paars geht es um ein riesiges Vermögen. 300 Millionen Franken wurden nun bei der UBS gepfändet.

Tatiana Akhmedowa (r.) lässt sich vor Gericht von Staranwältin Fiona Shackleton (l.) vertreten. <nobr>Foto: Dukas</nobr>

Tatiana Akhmedowa (r.) lässt sich vor Gericht von Staranwältin Fiona Shackleton (l.) vertreten. Foto: Dukas

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Es ist keine alltägliche Schlammschlacht. Bei ihr geht es um Firmenkonstrukte, Offshorekonten, teure Kunstwerke und eine Megajacht. Die Scheidung zwischen dem russischen Öl- und Gasmagnaten Farkhad Akhmedov und seiner ehemaligen Frau Tatiana Akhmedova bewegt die englische Öffentlichkeit seit Jahren. Das in London wohnhafte Ex-Paar einigte sich 2016 auf einen Vergleich im Umfang von mehr als 450 Millionen Pfund. Rund 40 Prozent seines Vermögens sollte der Geschäftsmann für die Trennung bezahlen. Damit gilt sie als eine der teuersten Scheidungen Grossbritanniens.

Farkhad Akhmedovs Vermögen wird vom US-Magazin «Forbes» auf als 1,4 Milliarden Dollar geschätzt. Es entstand zum Grossteil aus dem Verkauf seines Anteils am russischen Gasproduzenten Nortgas im Jahr 2012. Doch der Streit ist auch nach dem Vergleich noch lange nicht beigelegt.

Farkhad Akhmedov bestreitet die vom Gericht festgelegte Summe, Tatiana Akhmedova wehrt sich für ihr Recht. Das Londoner Gericht ordnete daher an, dass die Vermögenswerte weltweit gesperrt werden. Aus diesem Grund durfte Akhmedovs Jacht Luna den Hafen von Dubai monatelang nicht verlassen. Das 360 Millionen Dollar teure Schiff – Farkhad Akhmedov kaufte es einst vom russischen Geschäftsmann Roman Abramowitsch – war versiegelt.

360 Millionen Dollar teuer: Die Luna zählte zu den wertvollsten Besitztümern der Akhmedovs. Foto: Getty Images

Laut Medienberichten handelt es sich bei der Luna um eine der längsten Jachten der Welt. Sie verfügt über neun Decks, einen Helikopterlandeplatz, einen Pool und ein eigenes U-Boot. Das Schiff zählte einst auch zu den wertvollsten Besitztümern des Paars. Nun kann es wieder in See stechen – weil der englische Gerichtsentscheid in den Emiraten keine Gültigkeit hat, befand jüngst ein Gericht in Dubai. Tatiana Akhmedova soll auch alle Verfahrenskosten in Dubai tragen. Unklar bleibt aber, welche Häfen das Schiff nun noch anlaufen kann.

890 Millionen Dollar in der Schweiz

Der Streit des vermögenden Paars strahlt auch in die Schweiz aus. In einer Medieninformation von 2018 bezifferte der zuständige Richter Charles Anthony Haddon-Cave die Schweizer Gelder des Ehepaars auf 890 Millionen Dollar. Die eigentlichen Vermögenswerte seien aber schwierig abzuschätzen.

Es sei offensichtlich, dass der Ehemann zahlreiche ausgeklügelte Schritte unternommen habe, um sein Vermögen zu verbergen, heisst es in den Gerichtsunterlagen. Die Vermögenswerte des Paars wurden von Trusts und Firmen in Liechtenstein, den Bermudas, der Isle of Man oder Panama gehalten.

Vor wenigen Tagen liessen die Anwälte von Tatiana Akhmedova ein Vermögen von mehr als 280 Millionen Franken bei der UBS pfänden. Mitsamt Zins von 8 Prozent seit dem 6. Januar 2017. Dies geht aus einer im Schweizerischen Handelsamtsblatt veröffentlichten Pfändungsanzeige hervor. Mit Zins und Zinseszins dürfte der Betrag bereits um mehr als 50 Millionen Franken angewachsen sein.

Die Bank äussert sich nicht dazu. Wie gross der umstrittene Vermögensteil bei der UBS tatsächlich ist, bleibt damit offen. Sicher ist, dass der Bank dadurch kein Schaden entstehen wird. Sie ist nicht Partei in dem Ehestreit.

Schon die zweite Scheidung?

Die Episode in der Schweiz ist in diesem epischen Rosenkrieg nur ein Seitenast. Verheiratet war das Paar seit 1993. Es soll aber im Jahr 2000 in Russland bereits eine Scheidung gegeben haben soll, so die Anwälte von Farkhad Akhmedov. Diese wäre also erfolgt, noch bevor das Paar zu seinem grossen Vermögen kam. Der ganze Streit um das Geld wäre dann hinfällig.

Laut dem Londoner «Observer» habe sich sogar Interpol mit dieser ersten Scheidung auseinandergesetzt. Für das englische Gericht gibt es aber keine hinreichenden Belege, dass diese stattgefunden hat. Tatiana Akhmedova habe daher einen Anspruch auf das Geld.

Tatiana Akhmedova wird von der englischen Staranwältin Fiona Shackleton vertreten, die als eine Expertin auf ihrem Gebiet gilt. Auf sie setzte Prinz Charles bei seiner Scheidung von Lady Di, und sie stand auch auf der Seite von Ex-Beatle Paul McCartney im Scheidungsprozess von Model Heather Mills. Mills soll nach der Verhandlung so wütend auf die Anwältin ihres Ex-Manns gewesen sein, dass sie ihr einen Krug Wasser über den Kopf gegossen habe.

Erstellt: 22.07.2019, 14:51 Uhr

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