Ein Angriff aus dem Hinterhalt auf Peter Kurer

Aktionäre wollen den Sunrise-Verwaltungsratspräsidenten loswerden. Wer wirklich dahintersteckt, ist noch unklar.

Peter Kurer, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der UBS und seit 2016 bei Sunrise, soll abgewählt werden.

Peter Kurer, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der UBS und seit 2016 bei Sunrise, soll abgewählt werden. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Übernahme von UPC Schweiz durch Sunrise ist der grösste Übernahmekampf in der Schweizer Wirtschaft seit langem. Die Fronten zwischen dem Grossaktionär Freenet und Sunrise sind verhärtet. Jetzt wird der Übernahmekampf persönlich, denn Verwaltungsratspräsident Peter Kurer ist ins Visier eines Sunrise-Aktionärs geraten.

Die luxemburgische Fondsgesellschaft Axxion will die Abwahl von Peter Kurer und Jesper Ovesen an einer ausserordentlichen Generalversammlung als Traktandum aufnehmen lassen. Ovesen ist Verwaltungsrat und Präsident des Prüfungsausschusses von Sunrise und beaufsichtigt die finanziellen Angelegenheiten des Unternehmens. Einen genauen Termin gibt es für die ausserordentliche Generalversammlung nicht, sie soll im Herbst stattfinden.

Neuer Grossaktionär

Axxion will sich auf Anfrage nicht zur Causa Sunrise äussern. Die Luxemburger Firma hält nach eigenen Angaben ein Portfolio im Wert von rund 9 Milliarden Euro verteilt auf 150 Fonds. Sie bietet Private-Label-Fonds an. Bei solchen Fonds übergeben Auftraggeber die Verwaltung eines Fonds an Axxion und bleiben selber im Hintergrund.

Deshalb stellt sich nun die Frage: Wer steckt hinter dem Angriff auf Kurer und Ovesen?

Es könnte die deutsche Beteiligungsgesellschaft Active Ownership Capital (AOC) sein. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat sich AOC mit weniger als drei Prozent an Sunrise beteiligt. AOC wollte sich dazu auf Anfrage nicht äussern.

Der aktivistische Investor hat schon einmal eine Aktionärsrevolte angeführt: So hatte AOC vor einigen Jahren beim deutschen Generika-Hersteller Stada gegen den damaligen Aufsichtsratschef mobil gemacht. AOC konnte damals andere Aktionäre überzeugen, den Stada-Präsidenten abzuwählen. Vermutlich dürfte AOC jetzt im Kampf um Sunrise das Lager von Freenet stärken, welches sich gegen die geplante UPC-Übernahme stemmt.

Sunrise will UPC für insgesamt 6,3 Milliarden Franken vom US-Konzern Liberty kaufen. Um den Deal zu finanzieren, plant Sunrise eine Kapitalerhöhung um 4,1 Milliarden Franken. Sunrise erhofft sich von der UPC-Übernahme den Einstieg in das Kabelgeschäft. Doch seit ihrer Ankündigung steht die Milliardenfusion in der Kritik.

Sunrise-Grossaktionär Freenet verkündete im August, dass das deutsche Unternehmen gegen den Deal auf der Generalversammlung stimmen wird. Das Wort von Freenet hat Gewicht. Das Unternehmen hält gut einen Viertel aller Aktien an der Telekomgesellschaft.

Nach Freenets Kampfansage verkündete Sunrise-Präsident Kurer, dass fortan die beiden Freenet-Vertreter im Verwaltungsrat von Sunrise den Raum verlassen müssen, wenn die Übernahme von UPC besprochen wird. Freenet suche den kurzfristigen eigenen finanziellen Vorteil «auf Kosten von Sunrise», begründete Kurer den Schritt.

Freenet zufrieden

Freenet sieht sich nun durch den neuerlichen Angriff gegen Sunrise und seinen Präsidenten bestätigt. Freenet-Chef Christoph Vilanek spricht von mehreren Aktionären, die sich an ihn gewandt hätten, nachdem das deutsche Unternehmen seine Opposition gegen den UPC-Deal publik gemacht hatte.

Ob Freenet auch den Antrag unterstützt, Peter Kurer zu stürzen, lässt Vilanek offen. «Zuerst müssen wir abklären, was das Interesse dieser Gruppe ist. Erst dann entscheiden wir uns», sagte Vilanek. Er ergänzt, dass Freenet selbst nicht hinter dem Abwahl-Antrag stehe.

An der Börse gab die neue Bewegung im Kampf um Sunrise der Aktie des Telekom-Unternehmens Auftrieb. Doch noch ist offen, ob Freenet oder die Sunrise-Führung obsiegen wird. Denn es ist unklar, wie viele andere Aktionäre Freenet unterstützen werden. Abgerechnet wird auf der Generalversammlung.

Erstellt: 10.09.2019, 21:16 Uhr

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