Ryanair: Wer streikt, fliegt raus

Die irische Billigfluglinie, die von Mittwoch an bestreikt werden soll, droht Mitarbeitern in Deutschland mit einem Stellenabbau.

Eine Maschine des Billigflug-Anbieters auf dem Rollfeld des Flughafens Weeze in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze. (Archiv)

Eine Maschine des Billigflug-Anbieters auf dem Rollfeld des Flughafens Weeze in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze. (Archiv) Bild: Wolfgang Rattay/Reuters

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Im erneuten Streik bei der Fluggesellschaft Ryanair zeichnet sich ein harter Arbeitskampf ab. Der Billigflieger konterte die Streikankündigungen der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und die für die Kabine zuständige Gewerkschaft Verdi für diesen Mittwoch mit Drohungen.

Sollten die Streiks weitergehen, könnten von kleineren deutschen Standorten Jobs für Piloten und Flugbegleiter wegfallen, erklärte Marketing-Chef Kenny Jacobs in einer Mitteilung an die Passagiere.

Jacobs machte die Vereinigung Cockpit für die Pleite von Air Berlin verantwortlich, ohne das näher zu begründen. Die Pilotengewerkschaft habe ferner bei der Lufthansa-Tochter Eurowings längst niedrigere Gehälter akzeptiert, als sie nun bei Ryanair fordere.

Erste Flüge bereits gestrichen

Anders als bei der vormaligen Streikwelle am 10. August hatte Ryanair das Flugprogramm der in Deutschland stationierten Flugzeuge beim aktuellen 24-Stunden-Streik zuerst nicht abgesagt. Man werde versuchen, den kompletten Flugplan zu erfüllen, hatte das Unternehmen angekündigt.

Nun hat das Unternehmen seinen Plan überdacht: Wegen des angedrohten Streiks des Flugpersonals hat Ryanair für diesen Mittwoch 150 Flüge von und nach Deutschland gestrichen. Die betroffenen Kunden würden umgehend informiert und entschädigt, kündigte Marketingchef Jacobs am Dienstag in Frankfurt an.

VC und Verdi haben für diesen Mittwoch einen ganztägigen Streik an den elf deutschen Basen angekündigt. Dort sind rund 400 Piloten und 1000 Flugbegleiter beschäftigt. Erstmalig versuchen damit die Gewerkschaften der beiden Berufsgruppen gemeinsam, Verbesserungen für die Beschäftigten des grössten Billigfliegers in Europa zu erzielen. Unter den Piloten gibt es nach VC-Einschätzung etwa ein Drittel, das nicht direkt bei Ryanair angestellt ist und daher nicht mitstreiken kann. Die Airline selbst hatte vor einem Monat erklärt, dass etwa 20 Prozent der deutschen Piloten nicht bei Ryanair angestellt seien.

Premiere für Verdi

Für Verdi ist es der erste Streik bei Ryanair. Die Gewerkschaft will weitere Streiks folgen lassen, wenn die irische Fluggesellschaft in den Tarifverhandlungen kein Entgegenkommen zeigt. «Das ist ein erster Warnstreik. Wie es weitergeht, hängt vom Verhandlungsverlauf ab», sagte Vorstandsmitglied Christine Behle am Dienstag in Berlin.

Verdi erwartet, dass bei den Streiks 300 bis 350 Flüge betroffen sein könnten. Ryanair habe an den zwölf Basen in Deutschland rund 1000 Flugbegleiter, davon seien 700 Leiharbeitnehmer, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier. «Der grösste Teil von ihnen ist inzwischen bei uns organisiert», ergänzte Behle.

Easyjet zahlt rund 1000 Euro mehr

Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro angehoben werden. Für vollzeitbeschäftigte Ryanair-Flugbegleiter liege es derzeit zwischen 800 und 1200 Euro brutto monatlich. Mit Flugstundenvergütung und Zuschlägen kämen sie auf etwa 1800 Euro, die Crew-Leiter auf 2700 Euro. Das Niveau liege um etwa 1000 Euro unter vergleichbaren Billigfliegern wie Easyjet.

Nach Angaben von Verdi haben alle Kabinenbeschäftigten irische Arbeitsverträge. Diese sicherten zum Beispiel keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit ab und erlaubten eine kurzfristige Versetzung an jeden andern Ryanair-Standort in Europa.

Die Gewerkschaften wollen mit dem Streik die Airline hart treffen. «Es wird für Ryanair am Mittwoch sehr schwierig, noch Flugzeuge aus Deutschland zu bewegen», sagte VC-Sprecher Markus Wahl der Deutschen Presse-Agentur. Man rechne aber damit, dass Ryanair Maschinen und Crews aus anderen Ländern kurzfristig nach Deutschland schicke, wie es bei einem ersten Warnstreik kurz vor Weihnachten geschehen war. Damals hatte Ryanair alle geplanten Flüge in die Luft bekommen.

Streiks ungerechtfertigt

Ryanair hält die auf die deutschen Basen beschränkten Streiks hingegen für ungerechtfertigt. Sprecher Kiely forderte die deutschen Piloten auf, ihrer Arbeit nachzugehen. «Da wir bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten haben, gibt es keine Rechtfertigung für weitere Störungen», sagte er.

Den geplanten Streik bezeichnet auch Marketingchef Kenny Jacobs als inakzeptabel. «Wir bedauern den angedrohten Streik, der unnötig ist, weil Ryanair sowohl einer unabhängigen Vermittlung als auch der Verhandlung deutscher Verträge und einem höheren Grundeinkommen für deutsche Piloten zugestimmt hat», so Jacobs. Der Streik beschädige das Geschäft von Ryanair in Deutschland und damit die Arbeitsplätze.

Hinzu komme, dass die Bezahlung der Ryanair-Piloten besser sei als bei anderen Airlines, deren Mitarbeiter VC vertrete. Es sei inakzeptabel, dass eine Gewerkschaft, die Piloten mit einem Jahresgehalt von bis zu 190'000 Euro vertrete, derart kurzfristig die Reisepläne von Urlaubern durchkreuze, so Jacobs.

Erst im August wurde gestreikt

Bei der ersten Streikwelle am 10. August hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Airline hatte in der Folge rund 400 Verbindungen abgesagt, rund ein Sechstel des für diesen Tag geplanten Europa-Programms. Betroffen waren damals rund 55'000 Passagiere.

In Deutschland fielen seinerzeit rund 250 Flüge aus. Rund ein Drittel der hierzulande geplanten Verbindungen konnte stattfinden, da die Maschinen und ihre Besatzungen aus dem nicht bestreikten europäischen Ausland gekommen waren. Auch die österreichische Laudamotion musste Flüge absagen, da sie auf Leihmaschinen von Ryanair angewiesen ist. (nag/sda)

Erstellt: 11.09.2018, 14:32 Uhr

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