SGB: Zunahme der Temporärarbeit ist besorgniserregend

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert von Politik und Unternehmen Massnahmen zur Eindämmung der «potenziell prekären Beschäftigungsform».

Die Gewerkschaft fordert zudem, dass Bund und Kantone die Bewilligungen für Temporärbüros systematisch überprüfen sollen.

Die Gewerkschaft fordert zudem, dass Bund und Kantone die Bewilligungen für Temporärbüros systematisch überprüfen sollen. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Wer in der Schweiz einer Temporärarbeit nachgeht, der ist meistens schlechter gestellt als ein Festangestellter in gleicher Position. Die Gewerkschaften fordern eine Reihe von Massnahmen, die zur Gleichbehandlung von Temporärarbeitern beitragen.

Anteilsmässig arbeiten in der Schweiz immer mehr Erwerbstätige in einem Temporärarbeitsverhältnis. Die Entwicklung sei besorgniserregend, warnte der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) am Montag vor den Medien in Bern. Seit 1995 habe sich der Anteil dieser «potenziell prekären» Beschäftigungsform am gesamten Arbeitsvolumen auf 2,6 Prozent verfünffacht.

Besonders aufmerksam verfolgt man beim SGB die Entwicklung in Service Public-Branchen, wo der Anteil der temporär Arbeitenden etwa bei der Post, der Swisscom oder den SBB wachse.

Auf dem «Schleudersitz»

Temporärarbeit sei deshalb problematisch, weil die Angestellten ohne festen oder nur mit befristeten Arbeitsverträgen quasi auf einem «Schleudersitz» sässen, sagte Vania Alleva, Präsidentin der Schweizer Gewerkschaft Unia. Nebst kurzem Kündigungsfristen seien tiefere Löhne, tiefere oder gar keine Zulagen sowie flexiblere und teils längere Arbeitszeiten die Regel.

Zwar seien mit dem 2012 unterzeichneten und kürzlich bis 2020 verlängerten Gesamtarbeitsvertrag für temporär Angestellte wichtige Fortschritte erzielt worden. Doch es brauche weitere Verbesserungen, forderte SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard. «Ob Migranten, Uber-Taxifahrer oder Temporärangestellte: allen Arbeitnehmenden müssen die gleichen sozialen Rechte gewährt werden, und sie müssen für die gleiche Arbeit am gleichen Ort den gleichen Lohn erhalten», sagte der SGB-Präsident.

Mindestlöhne einhalten

Der Forderungskatalog der Gewerkschaften ist lang. «Wir wollen Temporärarbeit nicht verbieten», sagte Alleva. Doch müssten Temporäre mit Arbeitenden in regulären Anstellungsverhältnissen bezüglich Lohn, Arbeitszeiten, Sozialversicherungsrechten und Kündigungsbestimmungen gleichgestellt werden.

Vor allem bezüglich der Einhaltung der Mindestlöhne zählt Alleva auf die Sozialpartnerschaft. Im vergangenen Herbst hatte der Verband der Personaldienstleister Swissstaffing das Prinzip «Equal minimum Pay» lanciert. Nun müssten die Arbeitgeber den Worten Taten folgen lassen, forderte die Unia-Präsidentin.

Von Bund und Kantonen fordert der SGB, dass Obergrenzen für den Temporäranteil im Beschaffungswesen festgelegt und Temporärbüros systematisch überprüft werden. Weiter sollen Temporäre spätestens nach einem Einsatz von sechs Monaten den Anspruch auf eine Festanstellung erhalten. Und Temporär-Plattformen aus dem Ausland sollen gemäss SGB hierzulande gesperrt werden.

Das Gleichbehandlungsprinzip wollen die Gewerkschaften in den Gesamtarbeitsverträgen realisiert und gesetzlich festgeschrieben haben. Zudem brauche es bessere Präventionsmassnahmen bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, fügte SGB-Chefsekretär Daniel Lampart an. Und auch da seien mehr und bessere Kontrollen notwendig.

Swissstaffing will keine Beschränkung

Swissstaffing setzt sich derweil gegen eine Beschränkung oder gar ein Verbot von Temporärarbeit ein. Dies blende nicht nur die Realitäten in der Wirtschaft und Gesellschaft aus, sondern verstosse auch gegen die Wirtschaftsfreiheit, hielt der Verband am Montag in einer Stellungnahme fest.

Flexibles Arbeiten sei in den Industrieländern ein wachsendes Bedürfnis und in der Schweiz würden die Personaldienstleister mit Mindestlöhnen dem Lohndruck entgegentreten. Seit 2012 seien die Minimallöhne für ungelernte Temporärarbeitende um knapp 16 Prozent und jene für gelernte Arbeitskräfte um 7,8 Prozent erhöht worden.

Bei Swissstaffing ist man darüber hinaus davon überzeugt, dass vielen Erwerbstätigen über die Temporärarbeit der Weg in eine Festanstellung eröffnet wird. Im letzten Jahr hätten rund 240'000 Arbeitslose dank Temporärarbeit zurück auf den Arbeitsmarkt gefunden und jeder zweite Temporäre auf Feststellensuche sei innerhalb von 24 Monaten fündig geworden, hiess es. (nag/sda)

Erstellt: 13.05.2019, 13:59 Uhr

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