Schweizer Firma aus Werbe-Affäre schuldete 1,7 Millionen

Der Werbeschwindel im Fussball weitet sich aus: Der Zuger Sportvermarkter Infront bezahlte dem Deutschen Fussball-Bund jahrelang nichts für Extrawerbung im Stadion.

Beim Spiel Deutschland gegen Peru am 9. September 2018 leuchteten die Logos auf den Werbebanden nur 29 statt 30 Sekunden lang auf. Foto: Bongarts/Getty Images

Beim Spiel Deutschland gegen Peru am 9. September 2018 leuchteten die Logos auf den Werbebanden nur 29 statt 30 Sekunden lang auf. Foto: Bongarts/Getty Images

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Können 1,7 Millionen Euro einfach so vergessen gehen, so ganz ohne Absicht? Diese Frage stellt man sich dieser Tage beim Deutschen Fussball-Bund DFB. Denn so viel Geld hat der Schweizer Sportvermarkter Infront den Deutschen nicht ausbezahlt – während Jahren. Dies stellt den im Sommer aufgeflogenen «Sekundenklau» bei Bandenwerbung an Fussballspielen, die Infront verkauft hat, in ein neues Licht. War wirklich nur ein Einzeltäter am Werk, wie Infront glauben machen will – oder liegt beim Sportvermarkter mit Hauptsitz in Zug mehr im Argen, als zugegeben?

Doch der Reihe nach: Im Juli deckte diese Zeitung zusammen mit dem «Spiegel» auf, wie Infront-Kunden um Millionen geprellt wurden. Infront vermarktet die Werberechte an Spielen der deutschen Fussball-Nationalmannschaft. Bei der Bandenwerbung bezahlten bekannte deutsche Konzerne wie Bauhaus oder Telekom Sequenzen à 30 Sekunden – doch erhalten haben sie nur 29 Sekunden. Die abgezwackte Werbezeit soll laut Infront ein 2018 entlassener Manager auf eigene Rechnung weiterverkauft haben. Gegen ihn ermittelt die Thurgauer Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Vermögensdelikte und Urkundenfälschung.

Werbeteppiche nicht bezahlt

Letzten Frühling erhielt der DFB einen Insider-Tipp, dass da noch mehr ist. Damit sind wir bei den 1,7 Millionen Euro. Infront hatte mit dem DFB weitere Vereinbarungen. Eine davon regelte Zahlungen für zusätzliche Stadionwerbung des DFB-Premiumpartners Mercedes. Dabei ging es um Flächen rund um die Tribünenausgänge oder um Werbeteppiche hinter den Toren. Abgemacht war, dass Infront für jedes Spiel, in dem Mercedes diese Extra-Werbefläche belegen würde, 45'000 Euro an den DFB überweist. So ist es in der Vereinbarung von 2012 nachzulesen. Ab 2013 waren es dann 50'000 Euro pro Spiel.

Kunden seien teilweise «ganze Werbesequenzen gestrichen» worden.

Doch Infront hat die vereinbarte Summe oft nicht bezahlt. Das bestätigt der DFB auf eine Anfrage des «Spiegel» und dieser Zeitung. Zwischen 2012 und 2018 blieb Infront dem DFB so rund 1,7 Millionen Euro schuldig. Erst im Mai 2019 überwies Infront die Summe nach Deutschland.

Der Verdacht wiegt schwer. Hat Infront das viele Geld absichtlich zurückbehalten, in der Hoffnung, dass es beim DFB niemandem auffällt? Gemäss einer Vertragsklausel war Infront verpflichtet, spätestens sieben Tage vor einem Länderspiel zu melden, dass Mercedes die Extra-Werbung beansprucht. Ob das jeweils geschehen ist, kann der DFB heute «nicht konkret nachvollziehen», wie er schreibt. Infront behauptet, der DFB sei über die Umsetzung der Stadionwerbung «jederzeit informiert» gewesen. Es sei der DFB gewesen, der die Forderungen «nicht – wie sonst üblich – in Rechnung gestellt» habe.

Es gab Mitwisser

Noch etwas nährt Zweifel an der Infront: Der 2018 entlassene Manager aus der «Sekundenklau»-Affäre agierte nicht alleine. Ein «Senior Director» einer Infront-Abteilung hat nämlich über seine Anwältin eingeräumt, dass er das Geschäftsgebaren «mitgetragen» habe, was er «zutiefst bedauert». Er habe ausführend daran «mitgewirkt», dass Kunden «weniger Werbezeit als vertraglich vereinbart» erhalten hätten. Neben verkürzten Einblendungen sei es sogar vorgekommen, dass Kunden «ganze Werbesequenzen gestrichen» worden seien. So steht es in einem Schreiben an die Thurgauer Staatsanwaltschaft vom 5. Juli.

Bei Infront sieht man die Schuld indes nach wie vor allein beim entlassenen Manager. Man gehe davon aus, dass er «für den mutmasslichen Betrug verantwortlich war und alleinig davon profitierte», schreibt das Unternehmen. Alle weiteren Personen hätten «auf seine Anweisung gehandelt».

Erstellt: 13.09.2019, 16:02 Uhr

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