Swiss verliert vor höchstem Gericht Serbiens

Eine Mitarbeiterin hatte einen schwierigen Passagier als «Schwuchtel» bezeichnet. Die Airline hatte den Fall weitergezogen.

Angeblich diskriminierende Äusserungen: Die Swiss unterliegt in einem Rechtsstreit. (Keystone/Steffen Schmidt/Symbolbild)

Angeblich diskriminierende Äusserungen: Die Swiss unterliegt in einem Rechtsstreit. (Keystone/Steffen Schmidt/Symbolbild)

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Ein bizarrer Rechtsstreit endet für die Fluggesellschaft Swiss mit einer Niederlage. Das höchste serbische Gericht in Belgrad kommt zum Schluss, dass eine Mitarbeiterin der Airline den serbischen Schönheitschirurgen Marko Lens wegen seiner Homosexualität diskriminiert hat.

Die Swiss wird letztinstanzlich zu einer Schadenersatzsumme von umgerechnet 5000 Franken verurteilt. Sie zog das Urteil weiter, nachdem sie bereits von der Vorinstanz für schuldig befunden worden war.

Der Streit zwischen der Fluggesellschaft und dem serbischen Arzt, der in London lebt, beginnt 2011. Auf einem Swiss-Flug war Lens mit dem Service unzufrieden. Es entbrannte ein Disput zwischen ihm und einem Flight-Attendant. Dieser soll Lens als «serbisches Schwein» bezeichnet haben. So erzählt es Lens.

Happige Vorwürfe

Zwei Jahre später trifft Lens in Belgrad auf Margrit Meier (Name geändert), die Verantwortliche für die Swiss und Austrian Airlines in Belgrad, die über den Vorfall Bescheid weiss. «Sie sehen nicht aus wie ein Schwein, aber sie sind definitiv ein Serbe», soll diese auf Englisch gesagt haben.

Gemäss Gerichtsunterlagen bezeichnete sie den homosexuellen Lens auch mehrmals als «faggot» oder, im Gespräch mit einer Mitarbeiterin, als «ugly faggot» (hässliche Schwuchtel). Lens spricht von einem «skandalösen Verhalten» und einem «Angriff nicht auf mich, sondern auf alle Serben und die ganze LGBT-Community».

Er klagte in Belgrad gegen die Swiss und in Wien gegen Austrian Airlines, da beide Gesellschaften ein Flugverbot gegen ihn aussprachen. Den Prozess in Wien gewann Lens schon im letzten Jahr.

Fluggesellschaft moniert «inhaltlich falsches» Urteil

«Die Swiss akzeptiert das Urteil, ist aber der Ansicht, dass es inhaltlich falsch ist», sagt eine Sprecherin zum letztinstanzlichen Urteil in Serbien. Sie bezeichnet Lens als Einzelperson, die «eigennützige Ziele verfolgt». Zu den Details des Tatverlaufs will sich die Swiss nicht genauer äussern. Die Fluggesellschaft weist aber den Vorwurf, man würde Homosexuelle diskriminieren, weit von sich.

Wieso hat die Mitarbeiterin den Serben derart beleidigt? Gerichtsunterlagen aus Österreich legen den Schluss nahe, dass der Schönheitschirurg selber nicht ganz einfach ist im Umgang. Das Gericht im Wiener Prozess spricht von einem «auf Erfüllung von Sonderwünschen abzielenden Verhalten des Klägers».

Lens reagiere «beleidigend und herablassend, sobald er mit irgendetwas am Service nicht einverstanden sei», machte Austrian Airlines vor Gericht geltend. Die Rede ist von «lautstarken Beschwerden» über ein Hotel, das ihm nicht passte oder über Mitarbeiter, die ihm seinen Koffer nicht zum Taxi trugen.

Lens wiederum bezeichnet diese Vorwürfe als «skandalös». Er habe einzig eingefordert, was ihm zugestanden sei. «Ich habe ein Glas Orangensaft verlangt, und sie sagen, ich hätte mich anstössig verhalten», sagt er. Unterdessen fliegt der Serbe wieder mit der Swiss. In den letzten Monaten habe es keine Zwischenfälle mehr gegeben.

Erstellt: 23.06.2019, 12:28 Uhr

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