Tesla gerät in China-Falle

Der Handelsstreit mit China behindert Tesla auf dem Weg in die Gewinnzone. Hindernisse baut auch die US-Regierung auf.

Auch die für Tesla eminent wichtige Gigafactory 3 in Shanghai, welche im Herbst eröffnet werden soll, steht auf der Kippe. Foto: Reuters

Auch die für Tesla eminent wichtige Gigafactory 3 in Shanghai, welche im Herbst eröffnet werden soll, steht auf der Kippe. Foto: Reuters

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Die letzte Infusion von frischem Geld hat Tesla nicht belebt. Im Gegenteil: Nachdem Elon Musk Anfang Mai an den Kapitalmärkten 2,7 Milliarden Dollar aufgenommen hatte, wachsen die Zweifel der Anleger rapide. An der Börse zeigen die Tesla-Aktien nur noch in eine Richtung: nach unten. Zu Wochenbeginn lag der Titel bei 205.36 Dollar, dem tiefsten Wert seit Dezember 2016.

Und das obwohl Automobil-Experten dem «Volks-Tesla» drei Bestnoten gegeben haben und Musk zugesichert hat, noch dieses Jahr in Shanghai eine Gigafabrik zu eröffnen und so das seit langem versprochen Ziel von 500'000 Autos erreichen zu können.

Die Eskalation des Handelsstreites war in den Plänen von Musk nicht vorgesehen. Auch nicht, dass die Regierung Trump mit der Erhöhung der Importzölle auf chinesischen Importen auf 25 Prozent keine Rücksicht auf den Autohersteller nehmen würde. Das US-Handelsministerium lehnte dieser Tage ein Gesuch von Tesla und anderen US-Autoherstellern ab, vom erhöhten Zoll ausgenommen zu werden.

Keine Alternative in den USA

Betroffen bei Tesla ist das «Computergehirn» des Autopilotsystems des Modells 3. Es wird vom chinesischen Zulieferer Quanta Shanghai gefertigt und in Kalifornien für den westlichen Markt programmiert. Es sei unmöglich, innert nützlicher Zeit in den USA einen Hersteller zu finden, der eine Elektronik von gleicher Qualität produzieren könne, hält Tesla fest. Ein anderer Hersteller würde die Sicherheit des Autos infrage stellen und somit die Akzeptanz durch die Kunden beeinträchtigen. Sollten die Strafzölle bestehen bleiben, so Tesla, wird das die Kosten erhöhen und die Profitabilität beeinträchtigen.

Das Handelsministerium liess sich aber nicht erweichen. Die Autopilot-Elektronik müsse als «strategisch wichtiger» Teil des staatlichen Wirtschaftsprogramms «made in China 2025» betrachtet werden, heisst es in der Begründung. Die US-Regierung fürchtet, dass China das Know-how von Tesla für das gigantische Aufbauprogramm nutzen könnte, das die USA als technologische Weltmacht verdrängen will. Neben Tesla lehnte das Handelsministerium weitere Ausnahmegesuche von US-Firmen für mehr als tausend aus China importierte Güter ab.

Keine Freunde in der Regierung

Ungemach droht aber auch durch die Verhärtung der Handelsgespräche selber und den jüngsten Entscheid der US-Regierung, den Telecomausrüster Huawei auf eine schwarze Import-Liste zu setzen. Will eine US-Firma Huawei mit Technologie beliefern, braucht sie künftig eine Lizenz der Regierung, die aber mit Verweis auf nationale Interessen verweigert werden dürfte.

Solchen Eskalationen sei Tesla wie kaum ein zweites US-Unternehmung hilflos ausgeliefert, meinen Analysten. Tesla habe keinen Hebel, sich gegen Sanktionen oder Behinderungen durch die chinesische Regierung zu wehren.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Beziehungen zwischen Musk und den US-Aufsichtsbehörden wegen seiner irreführenden Tweets und persönlichen Attacken stark belastet sind. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als Tesla trotz der jüngsten Schwäche an der Börse gemäss den Analysten von Evercore ISI noch immer das höchstbewertete aller Autounternehmen ist. Rückschläge kann sich Tesla nicht leisten. «Das Einzige, was eine solch hohe Bewertung rechtfertigen könnte, wären ein übernatürliches Wachstum und eine perfekte Produktion. Beides ist infrage gestellt.»

Letzen Herbst war Tesla vorübergehend profitabel, geriet aber dieses Jahr wieder in Rücklage.

Unklar ist, ob Musk beim Bau der Gigafabrik in Shanghai weiter auf den Goodwill der chinesischen Behörden zählen kann. Der Fahrplan ist sehr ehrgeizig und wurde bisher eingehalten. Im besten Fall könnte das Fertigungswerk bereits im kommenden Herbst eröffnet werden, heisst es auf der firmennahen Website Teslarati. Demnach glaubt Musk, die derzeit auf rund 350'000 Fahrzeuge geschätzte Jahresproduktion auf 500'000 Autos hochfahren zu können. In Shanghai könnten die Fahrzeuge um 50 Prozent billiger hergestellt werden, so Musk, und dies erlaube es, das Unternehmen definitiv in die Gewinnzone zu fahren.

Letzen Herbst war Tesla vorübergehend profitabel, geriet aber dieses Jahr wieder in Rücklage und schreibt tiefrote Zahlen. Dabei wird das Zeitfenster, um einen entscheidenden Vorsprung auf die Konkurrenten herauszuholen, immer kleiner. Ab 2020 warten die meisten traditionellen Hersteller mit einer Fülle neuer Elektroautos auf. Volkswagen beispielsweise erwartet, nächstes Jahr bereits 500'000 E-Autos verkaufen zu können, so viele, wie Tesla derzeit anpeilt.

Wie fragil die Lage geworden ist, verdeutlicht das Misstrauensvotum des grossen US-Fondsanbieters T. Rowe Price. Er verkaufte dieses Frühjahr über 80 Prozent seines Tesla-Aktienpakets und investierte dafür in General Motors und dessen Projekt für ein autonomes Fahrzeug.

Erstellt: 21.05.2019, 20:16 Uhr

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