Tripadvisor kämpft mit Millionen Fake-Bewertungen

1,4 Millionen betrügerische Bewertungen gingen allein 2018 beim Portal ein, zeigt ein neuer Bericht. Sechs Erkenntnisse daraus.

Je mehr gefälschte Bewertungen, desto mehr leidet die Glaubwürdigkeit des Portals: Tripadvisor-App auf einem Mobiltelefon. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Je mehr gefälschte Bewertungen, desto mehr leidet die Glaubwürdigkeit des Portals: Tripadvisor-App auf einem Mobiltelefon. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Egal ob in Amsterdam, Berlin, Hongkong oder auf den Färöern: Wer auf Reisen etwa ein gutes Restaurant sucht, hat grundsätzlich drei Möglichkeiten. Er oder sie kauft sich einen Reiseführer, verlässt sich auf schieres Glück – oder sucht auf Tripadvisor. Die amerikanische Website hat sich seit der Gründung vor mittlerweile fast 20 Jahren zur wohl wichtigsten Orientierungshilfe für Reisende gemausert.

Doch das Portal hat mit Fake-Meldungen zu kämpfen. Der wohl berühmteste und zugleich absurdeste Fall flog 2017 auf. Eine Gartenhütte wurde plötzlich zum beliebtesten Restaurant in London – ohne jemals ein Essen verkauft zu haben.

Wer als Hotel oder Restaurant nicht auf Tripadvisor zu finden ist, hat es schwer, internationale Gäste anzulocken. Ähnlich schlimm, wie auf dem Portal gar nicht zu existieren, sind schlechte Bewertungen. Tripadvisor hat nun zum ersten Mal in einem Bericht dargelegt, wie die Community bei Bewertungen tickt. Damit reagiert das Portal auch auf die Kritik, dass immer wieder gefälschte Bewertungen auf Tripadvisor zu finden sind. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht:

1. Die besten Kontrollen helfen nicht

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 66 Millionen Bewertungen für Hotels, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten auf Tripadvisor abgegeben. 2,1 Prozent oder 1,39 Millionen Einträge stufte das Portal als betrügerisch ein. Viele davon erkannte Tripadvisor im Voraus und publizierte sie erst gar nicht. Trotzdem gelangten im vergangenen Jahr über 370’000 betrügerische Bewertungen auf die Seite.

2. Europa liebt Tripadvisor

Für Tripadvisor sind falsche Bewertungen ein Problem. Viele Reisende verlassen sich auf die Bewertungen der Community. Je mehr gefälschte Bewertungen, desto mehr leidet die Glaubwürdigkeit des Portals. «Zuverlässigkeit ist für unser Unternehmen das Allerwichtigste, denn Reisende kehren nicht immer wieder auf unsere Website zurück, wenn die Inhalte nicht verlässlich und hilfreich sind», schreibt Tripadvisor-Chef Stephen Kaufer in dem Bericht.

Besonders verbreitet ist Tripadvisor in Europa. Im vergangenen Jahr betrafen laut dem Bericht über die Hälfte der Bewertungen Reiseziele in Europa. Nur gerade vier beziehungsweise fünf Prozent der Meldungen verteilen sich auf Afrika und Südamerika.

3. Grossanlässe verlocken zu Fake-Bewertungen

Besonders viele gefälschte Bewertungen gab es rund um die Fussballweltmeisterschaften in Russland. Die Menschenmengen, die nach Russland und in die Austragungsorte pilgerten, lockten offenbar auch viele an, die versuchten, über Tripadvisor Kapital aus dem Grossereignis zu ziehen. Dies offenbar auch mit gefälschten Bewertungen von Restaurants und Hotels.

4. Die häufigsten Fakes sind positiv

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Manipulationen auf Tripadvisor. Entweder versucht ein Kunde oder Konkurrent, ein Hotel oder Restaurant absichtlich schlechter darzustellen, als dieses tatsächlich ist. Viel häufiger ist aber der umgekehrte Fall. Nämlich dass Unternehmen versuchen, sich besser darzustellen. Das passiert laut dem Bericht in 91 Prozent der Fälle.

Das hat Vorteile: Wer besser bewertet wird, erscheint in der Rangliste weiter oben. Entsprechend einfacher ist es, von potenziellen Kunden gesehen zu werden. Die meisten dieser gefälschten Bewertungen werden von Personen gemacht, die mit dem Unternehmen in direktem Zusammenhang stehen. Also etwa Inhaber oder Mitarbeiter ist. In rund drei Prozent der Fälle werden Bewertungen eingekauft.

5. Wer erwischt wird beim Betrügen, büsst

Im Zusammenhang mit manipulierten Bewertungen hat Tripadvisor allein 2018 über 34’600 Unternehmen bestraft. Sie mussten eine Herabsetzung im Ranking hinnehmen. Rund ein Viertel zeigte sich davon unbeeindruckt und versuchte nach einer Sanktion wiederum zu manipulieren. 350 Unternehmen machten so lange weiter, bis Tripadvisor auf deren Seiten jeweils einen roten Banner mit einer entsprechenden Warnung vor Manipulationen schaltete.

Gegen Personen, die sich für Bewertungen zahlen lassen, geht Tripadvisor auch rechtlich vor. So wurde ein Italiener in diesem Zusammenhang im vergangenen Jahr zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, lässt Tripadvisor im Bericht wissen.

6. Geteilt werden hauptsächlich positive Eindrücke

Auffällig viele Bewerterinnen und Bewerter scheinen angetan von den Reisezielen, die sie besuchen. Bei fast 60 Prozent der Wertungen wird die höchstmögliche Punktzahl vergeben. Nur gerade bei 4 Prozent werden Restaurants, Hotels oder Sehenswürdigkeiten mit nur einem von fünf möglichen Punkten abgestraft. Laut dem Bericht wollen die Bewerter vor allem ihre positiven Erfahrungen mit anderen teilen. Wenn etwas schlecht läuft, ist das Bedürfnis, dies mitzuteilen, also nicht sonderlich hoch.

Erstellt: 18.09.2019, 12:42 Uhr

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