USA lässt Boeing-Typ weiterhin fliegen

Im Gegensatz zu Europa und der Schweiz sieht die US-Luftfahrtbehörde keinen Anlass, den Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 zu grounden.

In Verruf geraten: Eine für die Oman Air gebaute Boeing 737 Max 8 im Werk in Renton. (Archiv)

In Verruf geraten: Eine für die Oman Air gebaute Boeing 737 Max 8 im Werk in Renton. (Archiv) Bild: Keystone

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Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA sieht von einem vorübergehenden Flugverbot für Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 ab. Für einen solchen Schritt gebe es derzeit «keine Grundlage», erklärte FAA-Chef Daniel Elwell am Dienstag. Die bisherige Überprüfung habe keine systemischen Probleme aufgedeckt. Auch hätten andere Luftfahrtbehörden den USA keine Daten geliefert, die ein solches Vorgehen rechtfertigen würden.

Nach zwei Abstürzen von Flugzeugen dieses Modells binnen eines halben Jahres hatte unter anderem die EU ihren Luftraum für die Boeing 737 Max8 gesperrt.

Am Sonntag war eine Boeing der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start abgestürzt. Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Erst im Oktober war eine solche Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start verunglückt. Es ist höchst ungewöhnlich, dass binnen kurzer Zeit zwei Flugzeuge eines neuen Modells abstürzen.

Europa und die Schweiz ziehen beim Flugverbot mit

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit Easa dagegen suspendierte am Dienstag ab 19 Uhr alle Flüge für Boeing-Flugzeuge vom Typ 737 Max 8. Das Verbot gilt auch für die Schweiz, wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) mitteilte.

Fast 40 Prozent der bisher weltweit eingesetzten Boeing 737 MAX heben dem Branchendienst Flightglobal zufolge vorübergehend nicht mehr ab, darunter knapp 100 Maschinen im grössten Markt China. Weltweit nutzen Fluggesellschaften über 350 Maschinen dieses Typs. Einige Länder und Airlines warten noch auf die Ergebnisse der Unfallermittlungen und die offiziellen Empfehlungen von Boeing.

In der Schweiz sei kein Flugzeug dieses Typs immatrikuliert, teilte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) auf Anfrage zudem mit. Im Schweizer Luftraum gebe es lediglich zwei oder drei Flüge pro Monat von Maschinen des Typs Boeing 737 MAX durch ausländische Gesellschaften.

Trotzdem sperrte auch die Schweiz ihren Luftraum für den Flugzeugtyp, da die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA alle Flüge für die B 737 MAX suspendierte, wie das Bazl auf Twitter schrieb.

USA bleiben stur

Inzwischen wächst in den USA der Druck auf die Behörden, auch dort den Luftraum für das Flugzeug-Modell zu sperren. Die einflussreichen US-Senatoren Mitt Romney und Elizabeth Warren riefen die Luftfahrt-Behörde FAA am Dienstag auf, dem Beispiel zahlreicher anderer Länder zu folgen und dem Flugzeugtyp die Starterlaubnis zu entziehen. Auch Senator Ted Cruz, der dem Unterausschuss für Luft- und Raumfahrt vorsitzt, schloss sich der Forderung an.

Es wäre klug, die Flugzeuge vorübergehend nicht mehr abheben zu lassen, bis die FAA bestätigen könne, dass sie sicher seien. Er plane eine Anhörung zu den beiden Abstürzen des Flugzeugtyps. Die Gewerkschaft APFA (Vereinigung der Professionellen Flugbegleiter), welche die mehr als 27'000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, forderte den Chef der grössten US-Fluggesellschaft am Dienstag zu einem Startverbot auf. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU), in der unter anderem die Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, verlangte einen solchen Schritt.

Die FAA hatte die Maschinen zuvor allerdings für flugtauglich erklärt, aber ein Software-Update gefordert. Bisher hätten die Überprüfungen der FAA keine «systemischen Leistungsprobleme» bei dem Flugzeugtyp und keine Grundlage für ein Startverbot ergeben, teilte der amtierende Behördenchef Daniel Elwell am Dienstag zudem auf Twitter mit. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die weitere Massnahmen erforderlich machten.

Die Auswertung der Daten der am Sonntag abgestürzten Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines dauere an. Sollten sich dabei Hinweise ergeben, welche die Flugtauglichkeit der Maschinen in Frage stellten, werde die FAA «sofortige und angemessene Massnahmen» ergreifen, hiess es weiter.

«Ähnlichkeiten» zwischen Abstürzen

In den für Boeing wichtigen Märkten China und Indonesien dürfen heimische Airlines die 737 Max 8 schon seit Montag nicht mehr einsetzen. Chinas Behörde für zivile Luftfahrt stellte «Ähnlichkeiten» zwischen dem Unfall vom Sonntag und dem Absturz im Oktober fest.

Der Flugbetrieb werde erst wieder aufgenommen, wenn Boeing die nötigen Massnahmen zur Flugsicherheit bestätigt habe. Auch Südkorea und die Mongolei forderten ihre heimischen Airlines auf, die 737 Max 8 nicht mehr einzusetzen.

Einige Unternehmen erklärten bereits selber, auf Flüge mit Maschinen des betroffenen Typs zu verzichten. «Wir kennen die Unfallursache nicht, lassen Teile unserer Flotte aber als Sicherheitsmassnahme am Boden», teilte Ethiopian Airlines mit.

Auch die südafrikanische Comair, die Cayman Airways, die brasilianische Gol Airlines und die Aeromexico lassen 737 Max 8 vorerst nicht mehr starten. Argentiniens Vorzeige-Airline Aerolinas Argentinas setzt Flüge mit seinen fünf 737 Max 8 ebenfalls aus. Zuvor hatten sich Piloten geweigert, mit dem Modell zu starten.

Änderungen angekündigt

Boeing sicherte zügige Änderungen an der Steuerungssoftware des betroffenen Flugzeugmodells zu. Der US-Konzern erklärte, schon vor Monaten damit begonnen zu haben, die Steuersoftware weiterzuentwickeln, «um ein jetzt schon sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen.»

Das Software-Upgrade solle in den kommendem Wochen bei allen Maschinen aufgespielt werden. Die Gesellschaft verwies bei der Ankündigung nicht auf den Absturz am Sonntag in Äthiopien.

Am Montag waren die Datenschreiber der Maschine gefunden worden. Ethiopian Airlines zufolge wurden sowohl der Stimmenrekorder, der die Kommunikation im Cockpit aufzeichnet, als auch der Flugschreiber mit den digitalen Flugdaten geborgen. (red/sda/afp)

Erstellt: 13.03.2019, 07:26 Uhr

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