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Trumps Kampf gegen Huawei könnte Nokia helfen

Die USA wollen den chinesischen Telecom-Ausrüster zurückbinden. Nokias 5G-Forschungslabor erhofft sich einiges davon.

Die US-Regierung unter Donald Trump geht energisch gegen die wachsende Dominanz Huaweis vor. Foto: Keystone
Die US-Regierung unter Donald Trump geht energisch gegen die wachsende Dominanz Huaweis vor. Foto: Keystone

«In vielerlei Hinsicht können ­Regierungen helfen», sagt Marcus Weldon ganz offen. Der Präsident des hoch angesehenen ­Forschungslabors Bell Labs in New Jersey wünscht sich, dass wichtige Volkswirtschaften der Infrastruktur für Kommunikation Priorität zumessen. «In den Bell Labs würden wir Förderungen gerne entgegennehmen, damit wir noch mehr tun können.»

In der vom Telefonerfinder Alexander Graham Bell vor 95 Jahren begründeten Institution treibt Nokia die Entwicklung künftiger Kommunikationstechniken voran. Der finnische Konzern konzentriert sich auf die Netzinfrastruktur. Die Forschungseinrichtung, wo ein ­Viertel aller Internettechnologie ­erfunden wurde, fiel Nokia zu, als es 2015 die Bell-Muttergesellschaft Alcatel-Lucent übernahm. Man habe 2010 an der superschnellen 5G-Funknetztechnologie zu arbeiten begonnen, ­sagte Weldon an einer Medienveranstaltung.

Weltweites Duopol mit Ericsson

Auf dem amerikanischen Markt befindet sich Nokia in einer komfortablen Position. Zusammen mit dem schwedischen Konkurrenzanbieter Ericsson geniessen die Finnen ein faktisches Duopol, nachdem die US-Regierung den global führenden chinesischen Ausrüstungsanbieter Huawei aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen hatte. Einen vergleichbaren Schutz geniessen die beiden Konzerne nur noch in Australien, Japan und Polen. Südkorea unterstützt Samsung, den weltweit vierten Anbieter von Sendern, Antennen und ­anderen für das superschnelle ­5G-Netz nötigen Geräten.

In den meisten anderen Ländern haben die europäischen Anbieter wenig Chancen gegen den chinesischen Riesen, dessen Angebote die Regierung in Peking mit angeblich bis zu 100 Milliarden Dollar subventioniert. Umso energischer geht die US-Regierung unter Donald Trump gegen die wachsende Dominanz Huaweis vor. Wenn die kritische Infra­struktur von Huawei kon­trolliert werde, erhalte Chinas kommunistische Partei über Hintertüren Einblick auch in geheime Nachrichtenströme, lautet das Argument. Falls sich ein verbündetes Land auf Huawei-Netzgeräte einlasse, «gefährdet das den Informationsaustausch und die geheimdienstliche Zusammenarbeit», warnte US-Verteidigungsminister Mark Esper an der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die USA scheinen mit ihren Druckversuchen auf Granit zu beissen. In London gab Premierminister Boris Johnson Ende ­Januar grünes Licht für den ­Einsatz von Huawei für maximal 35 Prozent des britischen G5-Handynetzes. Angeblich schmetterte Trump in einem späteren Telefongespräch mit Johnson wütend den Hörer auf die Gabel und suspendierte den für das Frühjahr geplanten Besuch des Premiers in Washington. China-Falken im US-Kongress waren ebenso erbost: «Huawei 5G-­Netze im Vereinigten Königreich bauen zu lassen, ist dasselbe wie dem KGB den Bau des Telefonsystems zu erlauben», sagte der republikanische Senator Tom Cotton aus Arkansas.

Huaweis Vormarsch untergräbt die Dominanz der USA und des Westens in der nächsten Technologiegeneration 5G.

Dennoch wird erwartet, dass Deutschland und andere EU-Länder dem britischen Beispiel folgen und auf das angeblich bis ein Drittel kostengünstigere Huawei-Angebot einsteigen werden. In der Schweiz liefert Huawei der Swisscom Komponenten, um das Internet auf den herkömmlichen Kupferleitungen zu beschleunigen. ­Aktuelles Prestigeprojekt ist das 5G-Mobilfunknetz, das Huawei für Sunrise baut. Im Oktober eröffneten die beiden Unternehmen ein 5G-Innovationszentrum im zürcherischen Opfikon. Auch Salt als drittgrösster Mobilfunkbetreiber des Landes ist ein Abnehmer von Huawei-Ausrüstung.

Der Vormarsch von Huawei untergräbt die Dominanz der USA und des von ihnen geführten Westens in der nächsten Technologiegeneration. 5G erlaubt nicht nur um Grössen­ordnungen schnellere Downloads mit den neusten Handys. Funknetze im hochfrequenten ­Spektrum werden auch das Transportwesen umorganisieren, ganze Fabriken steuern und ein Internet der Dinge betreiben. Nokias Simulationen zeigten Konvois elektrisch angetriebener Lastwagen, die führerlos ­entlang von 5G-Leitpunkten ihre Ziele ansteuern und, falls es eilt, von Drohnen entladen werden. In einer imaginierten Fabrik wurden Arbeiter von gefährlich schwingenden Roboterarmen durch eine von 5G-Sensoren ­errichtete Sicherheitszone geschützt, die im Notfall mit 99-prozentiger Sicherheit innert wenigen Millisekunden den ­Roboter ­stilllegt.

Mehrheitsbeteiligung bei Nokia und Ericsson?

Die Bedeutung des techno­logischen Quantensprungs sei enorm, sagte Mike Murphy, ­Nokias Chief Technology Officer für Nordamerika. Er verwies auf eine Studie des Branchen­verbands CTIA, wonach 5G allein in den USA zu Investitionen von 275 Milliarden Dollar führen, 3 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und ein Wachstum von 500 Milliarden Dollar ermöglichen werde.

Weil das Sicherheitsargument nicht durchschlägt, suchen die USA andere Druckmittel. Letzte Woche verschärfte die US-Justiz eine bereits eingereichte Klage gegen Huawei. Zusätzlich werden dem chinesischen Giganten organisiertes Verbrechen und Diebstahl von Handelsgeheimnissen vorgeworfen. Nächsten Monat sollen Schlupflöcher gestopft werden, die US-Firmen die Umgehung bisheriger Lieferbeschränkungen gestatteten. Justizminister William Barr schlug in einer Rede sogar vor, die USA sollten sich bei Nokia und Ericsson einkaufen und eine Mehrheitsbeteiligung anstreben, um Huawei mit vereinten Kräften die Stirn zu bieten. Der Vorschlag fand aber wenig positiven Widerhall, weil er schlecht zur privatwirtschaftlich orientierten Philosophie Amerikas passt.

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