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Wall-Street-Rally hievt Schweizer Börse auf Rekordhoch

Anleger zeigen sich unbeeindruckt von der Ausbreitung des neuen Coronavirus aus China. Experten verorten die Folgen für die Schweizer Wirtschaft.

Rekordjagd an der Wallstreet. Händler an der New York Stock Exchange. Bild: Spencer Platt/Getty Images
Rekordjagd an der Wallstreet. Händler an der New York Stock Exchange. Bild: Spencer Platt/Getty Images

Die Schweizer Börse ist am Mittwoch im Sog der Rekordjagd der Wall Street auf neue Höchststände gestiegen. Die Investoren setzten zudem auf eine rasche Eindämmung der in China rasch um sich greifenden neuartigen Lungenerkrankung und gute Unternehmenszahlen.

Der Leitindex SMI stieg vorübergehend bis auf 10.961 Punkte, bevor Anleger einen Teil ihrer Gewinne ins Trockene brachten. Zuletzt notierte das Barometer der 20 grössten börsenotierten Unternehmen noch um 0,3 Prozent höher bei 10.918 Zählern.

Zu den Gewinnern gehörten Unternehmen mit einem konjunktursensitiven Geschäft. Die Aktien des Uhrenkonzerns Swatch stiegen um 1,8 Prozent, die des Luxusgüter-Herstellers Richemont um 0,2 Prozent.

Furcht vor Coronavirus

Beide Titel hatten jüngst stark an Wert verloren, weil die Anleger befürchteten, dass wegen des Coronavirus die für die Branchen wichtigen chinesische Kunden ausbleiben könnten. Die UBS-Anteile zogen 1,5 Prozent an, nachdem sie am Vortag wegen der von der Grossbank zurückgeschraubten Finanzziele abgestürzt waren.

Am breiten Markt rückten die Zur-Rose-Aktien um 4,7 Prozent vor. Die Online-Apotheke steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr auch dank Zukäufen um 30 Prozent auf 1,57 Milliarden Franken und bekräftigte die 2022 angepeilten Ziele.

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Coronavirus beeinflusst Schweizer Wirtschaft vorerst wenig

Die Zahl der durch das neu entdeckte Coronavirus ausgelösten Todesfälle steigt. Der Ausbruch weckt Erinnerungen an das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Sars), das ebenfalls in China seinen Ursprung hatte und an dem 2002/03 weltweit fast 800 Menschen starben. Derzeit verspürt die Schweizer Wirtschaft laut Beobachtern aber noch kaum negative Auswirkungen. Nachfolgend ein Überblick über mögliche Folgen:

Könnte die Weltwirtschaft unter einer Pandemie leiden?

Die Ökonomen Victoria Fan, Dean Jamison und Lawrence Summers haben 2017 untersucht, wie hoch der erwartete jährliche Verlust durch das Risiko einer Pandemie – einer länder- wie kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit – weltweit sein dürfte. Sie kommen auf etwa 500 Milliarden Dollar. Das hört sich nach sehr viel an, entspricht aber weniger als einem Prozent der globalen Einkünfte.

Eine Untersuchung der Commission on a Global Health Risk Framework for the Future schätzt, dass pandemische Krankheitsfälle die Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert über sechs Billionen Dollar kosten würden – mehr als 60 Milliarden Dollar pro Jahr.

Wie stark ist die Sorge hierzulande?

Aufgrund der aktuellen Informationen zum Coronavirus gebe es sicherlich noch keinen «Grund zur Panik», sagt Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft bei Economiesuisse auf AWP-Anfrage. Beim Dachverband der Schweizer Wirtschaft erwartet man entsprechend derzeit noch keine spürbaren negativen Rückwirkungen auf die Schweizer Aussenwirtschaft und die hiesigen Unternehmen.

Heute sei die Welt insgesamt wohl besser auf solche Ereignisse vorbereitet als noch im Jahr 2003 beim Ausbruch von SARS, so Atteslander. «Die Dispositionen in der weltweiten Zusammenarbeit werden derzeit hochgefahren.» Auch hätten die Behörden in China und weiteren asiatischen Ländern entsprechend – unter Einbezug der internationalen Stellen wie der WHO – nach dem Ausbruch der Krankheit schnell reagiert.

Was sollten Firmen tun?

Exportunternehmen mit Geschäften in China sollten sich auf jeden Fall sehr genau über allfällige Verlautbarungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und auch über Reisehinweise des Bundes zu informieren, heisst es bei der offiziellen Schweizer Exportförderungsorganisation Switzerland Global Enterprise (S-GE).

Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die in China tätig sind, verfügten zudem sehr oft über Vertriebspartner vor Ort. Man rate den KMU generell, sich mit allfälligen lokalen Partnern auszutauschen und sich auch zu überlegen, wie dringlich eine Reise nach China tatsächlich sei, so S-GE-Chinaexperte Daniel Bont.

Was sind die Folgen für die Börsen?

Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte scheinen begrenzt zu sein. Nachdem die chinesischen Behörden den Ausbruch von Sars im Jahr 2003 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet hatten, entwickelte sich der Aktienindex MSCI für China schlechter als in anderen Länder, machte den Rückstand aber in nur sechs Monaten wieder wett. In den vergangenen Tagen haben die Aktienmärkte bislang gelassen reagiert.

Gibt es auch Gewinner?

Die Aktien von Tourismusunternehmen – von Hotels über Fluggesellschaften bis hin zu Luxus- und Konsumgüterherstellern – geraten bei Pandemien tendenziell unter Druck. Während des Sars-Ausbruchs gingen die Umsätze im chinesischen Detailhandel deutlich zurück, da den Verbrauchern die Lust am Shoppen vergangen war.

Virusausbrüche haben in der Vergangenheit dagegen tendenziell den Aktien von Pharmakonzernen auf die Sprünge geholfen. «Falls das Virus nicht eingedämmt werden kann, muss sich der Markt über die daraus entstehenden Abwärtsrisiken für die chinesische Wirtschaft sorgen», heisst es in einer Analyse der Commerzbank.

Wieviel kostete Sars?

Die Experten Jong-Wha Lee und Warwick McKibbin haben das untersucht. Sie schätzen den weltweiten wirtschaftlichen Verlust auf 40 Milliarden Dollar im Jahr 2003. Der Luftfahrtverband International Air Transport Association (IATA) schätzte 2006, dass das weltweite Bruttoinlandsprodukt durch den Ausbruch von Sars um 0,1 Prozent gedrückt wurde.

«Was den Menschen bei Sars Angst machte, war die Sterblichkeitsrate», sagt der Chefökonom von ING Asia Pacific, Robert Carnell. «Die Menschen nahmen keine öffentlichen Verkehrsmittel, blieben der Arbeit fern, mieden Geschäften, Restaurants, Kinos, Konferenzen.»

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SDA/oli

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