WEF distanziert sich von reichster Frau Afrikas

Das Weltwirtschaftsforum lud Isabel dos Santos dieses Jahr nach Davos ein – nun wird sie doch nicht teilnehmen.

«Isabel dos Santos wird nicht ans WEF kommen», hiess es in einer Mitteilung des WEF: Gründer Klaus Schwab. Foto: Felipe Trueba (Epa)

«Isabel dos Santos wird nicht ans WEF kommen», hiess es in einer Mitteilung des WEF: Gründer Klaus Schwab. Foto: Felipe Trueba (Epa)

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«Historische Neuigkeiten für ­Angola». So jubilierte Isabel dos Santos, die Tochter des ehemaligen Staatspräsidenten, letzten Frühling auf ihrem Instagram-Profil. Die Mobilfunkfirma Unitel sei die erste angolanische Firma, die Partnerin am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos werde. Unitel gehört Isabel dos Santos zu einem Viertel, und sie sitzt im Führungsgremium der Firma.

«Wir sind sehr stolz, Teil dieser exklusiven Partnerschaft zu sein. Wir haben einen sehr klaren Wachstumspfad vor uns und freuen uns darauf, am nächsten WEF Davos darüber zu sprechen», schrieb Isabel dos Santos weiter an ihre Follower. Ein Mitarbeiter des WEF stimmte in einem Agenturartikel in die ­Begeisterung ein: «Wir freuen uns sehr, Unitel als Partner aufzunehmen und die Führung des Unternehmens in unsere Community, Projekte und Versammlungen einzubinden.»

Das WEF schweigt sich aus

Isabel dos Santos gilt als reichste Frau Afrikas und steht im Zentrum eines neuen Datenlecks namens «Luanda Leaks», über das Medien weltweit berichten. Die geheimen Dokumente zeigen, wie die Tochter des Ex-Präsidenten und ihr Ehemann es schafften, hunderte Millionen an staatlichen Geldern in ihre Richtung zu lenken (lesen Sie hie die Enthüllungs-Story).

Obwohl entsprechende Vorwürfe schon seit Jahren bekannt sind, bestätigte ein WEF-Sprecher noch vor einem Monat, dass Isabel dos Santos an der diesjährigen Ausgabe des Forums teilnehmen werde. Der Sprecher bekräftigte, das WEF durchleuchte alle möglichen Partner genau, auch in Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Drittfirma. Doch inzwischen ist alles anders. Die angolanische Staatsanwaltschaft liess Ende Dezember Konten und Firmen der Ex-Präsidenten-Tochter sperren. Daraufhin erklärte der WEF-Sprecher, dass ihre Einladung noch einmal überprüft werde. Vor ein paar Tagen dann die Mitteilung: «Isabel dos Santos wird nicht ans WEF kommen.»

Kommt nicht nach Davos: Isabel dos Santos. Bild: Toby Melville/Reuters

Nachfragen über die Gründe ­dafür beantwortete der WEF-Sprecher nicht. Es macht den ­Anschein, dass das WEF das Reputationsrisiko nicht eingehen wollte, Isabel dos Santos trotz der schweren Bereicherungsvorwürfe gegen sie auftreten zu lassen. Auch auf den Einwand, dass diese Vorwürfe schon lange vor der Vermögenssperre von Ende Dezember im Raum standen und das WEF bis vor kurzem trotzdem an Isabel dos Santos festhielt, antwortete der WEF-Sprecher nicht.

Die Firma Unitel ist der grösste Mobilfunkanbieter Angolas. Sie bleibt Partnerin des diesjährigen Weltwirtschaftsforums. Gemäss der WEF-Website bezahlen Partnerfirmen für ihre Präsenz am Forum zwischen 60'000 und und 600'000 Franken.

Erstellt: 19.01.2020, 21:01 Uhr

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