Ein Typ mit Ideen, der zufälligerweise superreich wurde

Als andere für den Computer verlacht wurden, dachte er schon an das Smartphone: Zum Tod von Microsoft-Mitgründer Paul Allen.

Paul Allen stand mit Bill Gates am Anfang eines IT-Imperiums. Nun starb er 65-jährig.
Video: Reuters

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Neugierig. So beschrieb sich Paul Allen in seiner Autobiografie einst selbst. Eigentlich gibt es kaum ein ausgelutschteres Adjektiv, denn welcher Mensch würde sich schon als nicht neugierig bezeichnen? Wer jedoch nach seinem Ausscheiden aus dem von ihm gegründeten Technologiekonzern Microsoft erst einmal zwei Jahre lang um die Welt fährt, um diesen Planeten und sich selbst kennen zu lernen, wer mehr als zwei Milliarden Dollar in die Erforschung des menschlichen Gehirns, künstliche Intelligenz und Zellen von Organismen investiert, und wer ein Flugzeug bauen lassen will, von dem aus Raketen ins All befördert werden sollen, dem darf man schon glauben, dass er tatsächlich neugierig ist.

Müsste man einen Vergleich bemühen zwischen Allen und seinem Freund, Schachrivalen und Microsoft-Mitgründer Bill Gates, dann hätte sich der Raumschiff-Enterprise-Fan Allen über diesen ganz besonders gefreut: Mr. Spock und Captain Kirk. Gates war ebenfalls genial und ein grosser Visionär, aber er war zielstrebiger, gieriger, herrischer als Allen, er wollte vor allem Geld verdienen. Allen war analytischer, zurückhaltender, eklektischer, er wollte vor allem revolutionäre Sachen erfinden, und deshalb gibt es für ihn zwei Spitznamen. Das Magazin «Wired» nannte ihn «the accidental zillionaire», Gates nannte Allen den «Idea Man». Ein Typ mit Ideen, der zufälligerweise stinkreich wurde.

Allen kam 1953 in Seattle zur Welt, mit 16 Jahren lernte er an der Privatschule Lakeside School den zwei Jahre jüngeren Gates kennen. Andere Jungs spielten damals Baseball und Football, Allen und Gates programmierten am einzigen schuleigenen Computer und trieben sich auf Müllhalden rum, um dort nach Codes für ihre Experimente zu suchen. Für mehr Rechenleistung schlichen sie sich ins Computerlabor der University of Washington ein und wurden nur deshalb nicht bestraft, weil sie sich bereit erklärten, den Studenten dort Nachhilfe in Informatik zu geben. Wohlgemerkt: Allen und Gates besuchten damals noch die Highschool.

Microsoft-Mitgründer Bill Gates (l.) nannte Paul Allen (r.) den «Idea Man». Bild: Reuters/Anthony P. Bolante/2003

Im Jahr 1975 gründeten die beiden Microsoft, nur zwei Jahre später schrieb Allen in einem Fachmagazin über eine möglicherweise vernetzte Welt und prognostizierte «ein Ding, das die Leute mit sich rumtragen – einen Begleiter für Notizen, die Buchhaltung, Erinnerungen, der 1000 Dinge erledigen kann.» Gates wurde noch verlacht, dass er von einem Computer auf jedem Schreibtisch der Welt träumte – und Allen hatte da schon die Idee zum Smartphone.

Allen verliess das Unternehmen im Jahr 1983, nachdem er sich von einer Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung erholt hatte. Er blieb im Aufsichtsrat und verzichtete darauf, seine Anteile an Gates zu verkaufen – was dafür sorgte, dass er nach dem Börsengang von Microsoft zum Milliardär wurde. Das interessierte ihn jedoch nicht besonders, wie er immer wieder betonte, weil Geld seiner Meinung nicht glücklich mache – wohl aber die Sachen, die man mit diesem Geld anstellen könne. Star-Trek-Fan Allen investierte über das Unternehmen Vulcan (Mr. Spock stammt vom Planeten Vulcan) in mehr als 140 Technologie-Start-ups, ausserdem kaufte er die Sportvereine Portland Trail Blazers (Basketball), Seattle Seahawks (American Football) und Seattle Sounders (Fussball) und förderte die Erforschung von Krankheiten.

Sein Vermögen soll der Forschung zukommen

Vor wenigen Wochen verkündete er, dass er trotz einiger erfolgreicher Behandlungen erneut gegen Krebs kämpfen müsse, am Montag verstarb Allen in Seattle an den Folgen der Erkrankung. «Er hat das Leben und die Leute um sich herum geliebt», sagte Gates. «Er hätte mehr Zeit auf Erden verdient gehabt, doch seine Verdienste um Technologie und Philanthropie werden noch mehrere Generationen überdauern.»

Bereits zu Lebzeiten hatte Allen knapp drei Milliarden Dollar an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. «Wer so viel Glück hat, dass er reich wird, der sollte diesen Reichtum zum Wohle der Menschen verwenden», sagte er einmal. «Meine grösste Befriedigung ist es, daran zu arbeiten, dass die Welt ein besserer Ort wird.» Allen war nicht verheiratet, er hatte keine Kinder, und bereits vor acht Jahren versprach er, den Grossteil seines Vermögens, das zuletzt bei mehr als 20 Milliarden Dollar gelegen haben soll, der Forschung zukommen zu lassen, damit andere Leute die Welt verbessern dürfen. Allen war ein intelligenter Mensch, bescheiden und freundlich, vor allem aber blieb er bis zum Ende: neugierig. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.10.2018, 09:47 Uhr

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