Honda schliesst englische Fabrik mit 3500 Mitarbeitern

Kurz vor dem Brexit verlässt der japanische Konzern das Land. Die EU und Tokio haben dagegen gerade beschlossen, Autozölle zu senken.

Hier wurde in den vergangenen 24 Jahren der Honda Civic produziert: Die Fabrik in Swindon. (18. Februar 2019)

Hier wurde in den vergangenen 24 Jahren der Honda Civic produziert: Die Fabrik in Swindon. (18. Februar 2019) Bild: Eddie Keogh/Reuters

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Der japanische Autobauer Honda schliesst sein Werk in Grossbritannien. Das verkündete der Konzern am Dienstag. Das Werk in Swindon ist Hondas einzige Fertigungsstätte in Europa. Die Fabrik mit 3500 Beschäftigten soll 2021 die Arbeit einstellen.

Der Ende März anstehende EU-Austritt Grossbritanniens sei nicht der Grund für die Entscheidung, hiess es. Es gehe um eine Umstrukturierung des globalen Fertigungsnetzwerkes, um sich verstärkt auf Elektroautos zu konzentrieren. Der britische Wirtschaftsminister Greg Clark nannte Hondas Ankündigung «zutiefst enttäuschend». Die Entscheidung sei verheerend für Swindon und das ganze Land.

Verhandlungen mit Japan laufen schlecht

Die Entscheidung kommt wenige Tage nachdem das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union in Kraft getreten ist. Japanische Konzerne wie Honda werden davon profitieren, da die Zölle von zehn Prozent auf Autos, die aus Japan importiert werden, vom Jahr 2027 an entfallen werden.

Die britische Regierung verhandelt mit Tokio, um ein eigenes Freihandelsabkommen zu erreichen. Doch das scheint sehr schlecht zu laufen, berichtete just die Financial Times. Demnach fühlte sich Japan von Grossbritannien unverhältnismässig unter Druck gesetzt. Tokio habe kurzzeitig sogar überlegt, Gespräche über ein Handelsabkommen mit Grossbritannien offiziell abzusagen.

Ökonomen argumentieren, dass Staaten sich in solchen Verhandlungen leichter tun, wenn mehrere Länder zusammen verhandeln, anstatt nur zwei: Denn dann sind mehr Kompromisse möglich.

Hondas Werk in Swindon im Süden Englands produziert jährlich 150'000 Autos, darunter das Modell Civic. Die Fabrik macht damit rund 10 Prozent der gesamten Autoproduktion Grossbritanniens aus. Honda begann dort im Jahr 1989 zunächst mit der Fertigung von Motoren. Seit 1992 laufen dort Autos von den Bändern.

Laut Sky News will Honda an seinem europäischen Hauptsitz im nahegelegenen Bracknell festhalten.

Nissan und Airbus reagieren auf Brexit

Der für Ende März geplante Brexit sorgt in der Wirtschaft für grosse Verunsicherung. Nach wie vor ist unklar, ob die Trennung chaotisch erfolgen wird oder ob es in Grossbritannien doch noch eine parlamentarische Mehrheit für einen Austrittsvertrag mit der EU geben wird.

Der japanische Autobauer Nissan hatte Anfang Februar seine Pläne für die Fertigung seines SUV X-Trail im nordenglischen Sunderland beerdigt und gab als einen Grund Unsicherheiten hinsichtlich des Brexit an.

Zuvor hatte der europäische Flugzeug- und Rüstungskonzern Airbus «sehr schmerzhafte» Entscheidungen für einen britischen EU-Austritt ohne Abkommen angekündigt. Der japanische Elektronikriese Sony will seinen Europasitz aus Sorge vor den Konsequenzen eines harten Brexit von Grossbritannien in die Niederlande verlegen. (bbr/jps/sep/afp/sz.de)

Erstellt: 18.02.2019, 21:43 Uhr

Löhne steigen kräftig

Britischer Arbeitsmarkt boomt trotz Brexit-Sorgen

Angesichts der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Grossbritannien seit Mitte der 70er Jahre steigen die Löhne der Beschäftigten kräftig. Für den Zeitraum Oktober bis Dezember meldete das Statistikamt ONS am Dienstag eine Erwerbslosenquote von 4,0 Prozent.

Zugleich blieb das Tempo des Lohnwachstums mit 3,4 Prozent auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2008. Der Arbeitsmarkt zeigt sich damit weitgehend immun gegen die Konjunkturabkühlung, die mit dem Brexit-Votum vom Sommer 2016 einsetzte.

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