Wie man Konzernchef wird

Eine Studie hat untersucht, was die 50 bestverdienenden Topmanager in Frankreich, Deutschland und der Schweiz gemeinsam haben.

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Was braucht es, um ein erfolgreicher Unternehmenslenker zu sein - wenn man Erfolg an der erreichten Macht und dem Gehalt festmacht? Leitet man das aus einer Analyse der Firmenchefs aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich ab, ergibt sich folgendes Bild: Man sollte Mann sein, über 50 Jahre alt und mit Vorzug ein Studium in Wirtschaft absolviert haben, Ingenieurwissenschaften haben allerdings auch Chancen. Ein Doktortitel ist nicht mehr zentral. Als Entschädigung kann man für den Job in allen Ländern 4,4 Millionen Franken erwarten. Das ist allerdings nur der Durchschnitt, es können im besten Fall auch 15,2 Millionen Franken sein oder «nur» 660’000 Franken im schlechtesten. Mit Vorteil leitet man ein Unternehmen in Deutschland, am wenigsten verdient man in Frankreich.

Diese Resultate zeigt eine Zusammenstellung der Daten zu den Chefs (CEO) von 150 Unternehmen, die in den führenden Börsenindizes in den Ländern Frankreich, Deutschland und der Schweiz vertreten sind. Die Finanzplattform IG hat dazu für jedes der drei Länder die 50 Unternehmen mit den bestverdienenden Chefs ausgewählt – allerdings finden nur jene Unternehmen Eingang in die Betrachtung, bei denen die nötigen Daten verfügbar waren.

Frauen massiv untervertreten

Unter allen betrachteten Firmenchefs finden sich nur genau zwei Frauen: Isabelle Kocher, Chefin des französischen Energiekonzerns Engie, und Jasmin Staiblin, die diese Funktion bei der Erhebung der Daten am 7. Dezember 2018 beim Schweizer Energiekonzern Alpiq noch innehatte. Mittlerweile hat sie diesen Posten im Rahmen der Neuausrichtung des Unternehmens an Jens Alder und damit wieder an einen Mann abgegeben. Damit bleibt Isabelle Kocher die einzige Frau in Frankreich, Deutschland und der Schweiz, die eines der 150 in die Untersuchung einbezogenen Grossunternehmen leitet.

Schaut man sich die Altersstrukturen der Unternehmensleiter an, so sind in allen Ländern zusammengenommen die meisten zwischen 50 und 60 Jahre alt. In Frankreich scheint zu gelten: Je älter, desto mächtiger. Mit 25 Firmenchefs ist die Hälfte dort älter als 60 Jahre, und das Land stellt mit dem fast 84-jährigen Chef des Brillenkonzerns Luxottica, Leonardo del Vecchio, den ältesten Unternehmenslenker von allen. Mit dem zweitältesten, dem 79-jährigen Günther Fielmann vom gleichnamigen Brillenkonzern aus Deutschland, gemein hat del Vecchio, dass beide ihr Unternehmen auch begründet haben.

«Besonders gut vertreten ist die Schweiz bei den Chefs mit den höchsten Löhnen.»

Besonders gut vertreten ist die Schweiz bei den Chefs mit den höchsten Löhnen. Unter den zehn höchstbezahlten Unternehmenschefs stammen vier von Konzernen aus unserem Land: Sergio Ermotti von der UBS, Severin Schwan von Roche, Jan Jenisch von LafargeHolcim und Tidjane Thiam von der Credit Suisse. Zuoberst auf der entsprechenden Liste über alle Länder betrachtet findet sich Werner Baumann, Chef des deutschen Pharmariesen Bayer, mit 15,2 Millionen Franken, gefolgt von Sergio Ermotti, der es auf 14,2 Millionen Franken gebracht hat. Gemäss dem jüngsten Vergütungsbericht der Bank – den die IG-Untersuchung noch nicht berücksichtigt – hat er auch im letzten Jahr kaum Einbussen in Kauf nehmen müssen. Seine Gesamtvergütung belief sich auf 14,1 Millionen Franken. An dritter Stelle folgt Severin Schwan: In der Studie wird sein Einkommen auf 11,7 Millionen Franken beziffert, was er für seine Leistungen im Jahr 2017 erhalten hat. Auch dieser Betrag hat sich für 2018 mit einer Erhöhung um 70’000 Franken nicht wesentlich verändert.

Die besten Einkommen gibts in Deutschland

Im Durchschnitt kassieren allerdings die Topmanager in Deutschland mit 5,3 Millionen Franken noch mehr als jene in der Schweiz mit 4,7 Millionen Franken. In Frankreich gibt es durchschnittlich für die 50 Bestverdienenden «nur» 3,1 Millionen. Die untersten Ränge bei den Einkommen sind denn auch durchwegs mit französischen Unternehmensführern besetzt. Ganz am Schluss steht Arthur Sadoun mit 660’000 Franken.

Schaut man auf die Ausbildungswege, gibt es keine Universität, die für alle zusammen eine besonders grosse Bedeutung hat. Besonders in Frankreich und Deutschland dominieren die heimischen Ausbildungsstätten mit grossem Abstand. Einzig bei den Chefs von Unternehmen aus der Schweiz zeigt sich eine breitere internationale Ausrichtung. Das hat allerdings auch damit zu tun, das viele Schweizer Topmanager aus dem Ausland stammen. Während sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland die meisten ein Studium in Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre absolviert haben, hat die Mehrheit in Frankreich eine Ausbildung als Ingenieur. Einen Doktortitel hat in allen Ländern nur noch eine Minderheit. Am geringsten ist der Anteil mit 8 Prozent in Frankreich, am höchsten mit 32 Prozent in Deutschland. In der Schweiz hat ein Fünftel doktoriert.

Die Auswertung gibt einen guten Überblick über die Chefs der grossen Unternehmen. Bei der Interpretation gilt es aber auch einige Dinge zu beachten: Erstens sind nur jene Topmanager enthalten, zu denen auch Daten vorhanden waren, zweitens zeigen sie keine Kausalitäten: Das heisst, wenn heute fast keine Frau an der Spitze ist, liegt das nicht an ihnen und muss auch nicht so bleiben. Über die kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe dazu oder auch zu den Gehältern sagen die Daten nichts. Und es ist zu hoffen, dass diese Art der Verteilung nicht in Stein gemeisselt bleibt.

Erstellt: 12.04.2019, 14:43 Uhr

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