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Was die Schweizer Wirtschaft abkühlen lässt

Neue Daten zeigen: Fast alle Branchen leiden unter der schwächelnden Konjunktur. Woher jetzt Gefahr droht.

Geringes Wachstum: Auch die Gastro- und die Hotelbranche leiden. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Geringes Wachstum: Auch die Gastro- und die Hotelbranche leiden. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Schweizer Wirtschaft kühlt sich deutlich ab. Das zeigen neue Daten für den Januar. Der heute von der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) veröffentlichte Geschäftslageindikator sinkt bereits im zweiten Monat in Folge. Und die Unternehmen zeigen sich weniger optimistisch als noch zuvor. Der Indikator basiert auf Antworten von mehr als 4500 Unternehmen aus der Privatwirtschaft in einer monatlichen Umfrage der KOF.

Damit scheint sich die Erwartung der Konjunkturprognostiker zu bestätigen, die für das gesamte Jahr ein deutlich geringeres Schweizer Wirtschaftswachstum erwarten. Die Ökonomen des Bundes haben ihre Schätzung dazu im letzten Jahr bereits von 2,9 auf 2,6 Prozent nach unten korrigiert, für 2019 erwarten sie nur noch eine Zunahme von 1,5 Prozent. Im dritten Quartal des letzten Jahres ist die Schweizer Wirtschaft zur Überraschung der Ökonomen sogar leicht geschrumpft.

Die gesamte Wirtschaft ist betroffen

Für das letzte Quartal liegt die Schätzung noch nicht vor. Resultiert dann erneut ein negatives Wachstum, würde man gemäss der technischen Definition dafür von einer Rezession in der Schweizer Wirtschaft sprechen. Ökonomen gehen aktuell allerdings nicht davon aus. Die negative Entwicklung im dritten Quartal sei vor allem aussergewöhnlichen Faktoren wie unter anderem dem heissen Wetter geschuldet gewesen, das etwa auf die Umsätze im Detailhandel gedrückt habe.

Die Umfrageergebnisse der KOF machen nun aber deutlich, dass die Dynamik fast über die gesamte Wirtschaft hinweg weiter abnimmt: sowohl im verarbeitenden Gewerbe wie auch im Grosshandel und bei Dienstleistern wie dem Gastgewerbe, dem Detail- und Grosshandel sowie bei den Hotels. Im Baugewerbe, dem Projektierungsbereich und bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern hat sich die Geschäftslage hingegen wenig verändert.

Die Abschwächung der Schweizer Wirtschaft hat sich bereits in den jüngsten Einkaufsmanagerindizes (PMI) gezeigt. Sie werden durch Umfragen bei den Einkäufern grosser Unternehmen erhoben und gelten daher als besonders wertvolle Indikatoren über den aktuellen Konjunkturverlauf. Sie sind so konstruiert, dass Indexpunkte über 50 für eine weitere Wirtschaftsexpansion stehen und Werte darunter für eine Kontraktion.

Steigende globale Risiken

Der zu Monatsbeginn für die Schweiz von der Credit Suisse und dem Einkäuferverband Procure veröffentlichte Index für das verarbeitende Gewerbe hat seit dem letzten August, als er noch bei hohen 64,6 Punkten lag, jeden Monat tiefer notiert. Anfang Februar steht er noch bei 54,3 Indexpunkten und liegt damit immerhin im Bereich, der für Wachstum steht. Deutlich besser steht es noch um den PMI für die Dienstleistungen, der mit 59,8 notiert. Doch dieser Indikator sagt über den Konjunkturverlauf deutlich weniger aus als jener für das verarbeitende Gewerbe, da Dienstleistungen wie jene des Gesundheitsbereichs oder des Staates wenig mit dem zyklischen Wirtschaftsverlauf zusammenhängen.

Die jüngsten Daten sind, für sich gesehen, noch kein Grund zu grossen Sorgen. Die PMI-Daten liegen noch im Wachstumsbereich, und auch die Umfrage der KOF zeigt, dass unter dem Strich die Zuversicht der Unternehmen für die Zukunft noch überwiegt.

Problematisch ist die schwächere Wirtschaftsdynamik vor allem vor dem Hintergrund steigender Risiken in der Weltwirtschaft. Tatsächlich zeigt sich auch dort eine deutliche Eintrübung des Wachstums. Aus Schweizer Sicht von Bedeutung ist vor allem die Entwicklung in Europa und in Deutschland im Besonderen. 53 Prozent der Schweizer Exporte gehen in die EU, 20 Prozent allein nach Deutschland.

Das Problem: Die Leitzinsen befinden sich bereits im Minus und können kaum weiter gesenkt werden.

Wie jene der Schweiz ist auch die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal des Vorjahres bereits geschrumpft. Für das vierte Quartal wird ein geringes Wachstum geschätzt, so dass der nördliche Nachbar ganz knapp an der Definition für eine Rezession vorbeigeschrammt ist. Doch die Indikatoren für die aktuelle Entwicklung bleiben schlecht: Der von Markit berechnete PMI für das verarbeitende Gewerbe lag zu Monatsbeginn mit 49,7 Punkten bereits im Bereich, das für eine schrumpfende Wirtschaft steht. So tief lag dieser Wert seit 50 Monaten nicht mehr.

Im übrigen Europa sieht es nicht viel besser aus. Italien befindet sich bereits in einer Rezession, und der PMI für die Eurozone liegt mit 50,5 Punkten nur noch knapp im Bereich, der für Wachstum steht. Der Sentix-Index, der als weiterer wichtiger Frühindikator gilt, zeigt für die Eurozone Anfang Februar den tiefsten Wert seit 2014 an, für Deutschland sogar den tiefsten seit 2012. Dazu kommen Sorgen um die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Das betrifft vor allem China, wo Daten ebenfalls auf eine starke Abschwächung der Wirtschaft deuten.

Wie geht es weiter?

Vor allem für Deutschland verweisen Ökonomen ebenfalls auf temporäre Faktoren, die jüngst auf die Wirtschaftsdynamik gedrückt haben. Haben sie recht, besteht sogar die Chance auf eine Erholung dort, wie auch in der Schweiz. Auch wenn selbst dann die Wachstumszahlen nicht mehr so hoch ausfallen werden wie im jüngsten Boom. Wenn sich die Weltwirtschaft und die Wirtschaft der Eurozone und Deutschlands aber tatsächlich deutlich schlechter entwickeln – und dafür sprechen eine Reihe von Risiken –, dann kann sich dem auch die Schweiz nicht entziehen, und die Wirtschaftslage dürfte sich weiter eintrüben.

Das Problem für Europa und auch für die Schweiz wäre dann, dass das wichtigste Instrument dagegen weitgehend wirkungslos bliebe: die Geldpolitik. Die Leitzinsen befinden sich bereits im Minus und können kaum mehr weiter gesenkt werden.

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